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Der Dortmunder Tatort - spannende Ecken, tolle Bilder

23.09.2012 | 17:45 Uhr
Der Tatort aus Dortmund. Jörg Hartmann als Hauptkommissar Peter Faber (vorne rechts), daneben Anna Schudt als Hauptkommissarin Martina Bönisch, und Aylin Tezel als Oberkommissarin Nora Dalay.Foto: Knut Vahlensieck

Dortmund.   Der neue Tatort-Kommissar kommt aus Dortmund – und kommt gut an. Seine Kollegen aus anderen NRW-Tatort-Folgen loben Kommissar Faber (Jörg Hartmann) und sein Team.

Den Tag, als Sigrun Späte lernte, eine Banane zu laufen, den hat sie natürlich in bester Erinnerung. „Das hat alles gut geklappt“, erinnert sich die Dortmunderin an ihren Tag beim „Tatort“, als sie als Statistin eine Art Halbkreis ging, eben die Banane; doch um an dieser Stelle die ganze Wahrheit zu schreiben, sind insgesamt sogar neun Kollegen von „Dortmundtourismus“ jetzt filmisch verewigt – und im Tourismus-Büro saß derweil der Notdienst.

Wenn’s der guten Sache dient . . . „Man sieht dem Film an, dass wir ein Industrie-Standort waren und uns auf den Weg gemacht haben zu einer anderen, moderneren Stadt“, sagt Späte. Und auch die Dortmunder an sich würden „sehr authentisch“ dargestellt: „Man glaubt ihnen, die sind von hier wech.“

Das Dortmunder Tatort-Team

Ihr betontes „Wech“ ist gut gelaunte Rhetorik, Dortmund gerade mal wieder ziemlich begeistert von sich selbst. Denn der Tatort „Alter Ego“, ausgestrahlt am Sonntagabend, er gefällt in der Stadt. „Ich fand ihn sehr gelungen“, sagt Gastronom Philip Winterkamp: „In den ersten Minuten kriegt man alle Klischees um die Ohren gehauen, aber dann kamen andere Facetten, moderne Seiten.“

  Ähnlich positiv sehen das die meisten; Oberbürgermeister Ullrich Sierau (SPD) hatte schon nach der Vorpremiere erkannt: „Dortmund wird nicht verzerrt, alles wirkt authentisch.“ Nur „das Rathaus scheidet als Tatort aus, weil wir dort keine Leichen im Keller haben“.

Na ja.

TV-Kritik
"Alter Ego" wird Kontroversen auslösen

Zumindest das hat der neue Dortmunder „Tatort“ (ARD, So., 20.15 Uhr) mit dem Duisburger gemein: Er wird Kontroversen auslösen. Das liegt weder an der Darstellung der Stadt, noch an der Story: Denn nach ein paar Längen am Anfang nimmt die rasch Fahrt auf, ist handwerklich und vor allem schauspielerisch exzellent gemacht und endet mit einem Knalleffekt. Doch wie schon seinerzeit Schimanski wird auch diesmal der Hauptkommissar die Fernsehnation spalten. Denn seine Art, sich in die Täter einzufühlen, die Tat nachzuempfinden ist sicher verstörend, aber im intensiven Spiel von Jörg Hartmann einmalig.

Doch zurück zur Authentizität. Mehr will man ja gar nicht in dieser Stadt, dieser Region, die schon so oft schlecht weggekommen ist in Krimis, in Filmen. Selbst die, die vermeintliche Ruhrgebietsidylle verbreiten wollten, zeigten oft nichts anderes als einen grauen Moloch voller schlichter Gemüter. Aber was ist authentisch? Die Leiche liegt auf der Halde, die Spur führt ins U und weiter zum Colani-Ei, der Verdächtige wohnt in einer Industriellenvilla.

Aber auch das darf nicht fehlen: Wenigstens der Vater des Toten ist Taubenzüchter, sein Schlag steht im heruntergekommenen Hinterhof, der endlich genau so aussieht, wie man sich landläufig Dortmund so vorstellt. Authentisch ist eben manchmal auch die Vielfalt.

Herz und Seele

Daran knüpfen sich Hoffnungen, die gehen weit hinaus über ein paar nette Dortmund-Bilder alle paar Monate im Fernsehen. „Alle Fernsehproduktionen, die mit einer Stadt identifiziert werden, sorgen für Tourismus“, sagt Axel Biermann, Geschäftsführer der Ruhr Tourismus GmbH.

Der Tatort in Dortmund

Das gilt sogar, wenn der Drehort, sagen wir, etwas problematischer abgefilmt wird. So sind die Führungen durch Duisburg-Ruhrort auf den Spuren von Schimanski ein durchschlagender Erfolg. Seit Beginn im Frühjahr 2012 kamen „ungefähr 1300 Leute, und die Betriebsausflügler habe ich nicht pro Kopf gezählt“, sagt Dagmar Dahmen, Geschäftsführerin von Du Tours: „Die Figur muss Herz und Seele vieler Menschen angesprochen haben.“

Und so besteht einschlägige Hoffnung, selbst wenn es für Dortmund demnächst, nun ja, Banane laufen sollte: Die nächste Folge wird, wie sozusagen schon durchgestochen wurde, in der Nordstadt spielen. Tief in Dunkeldortmund.

Die Reaktionen

So wenig düster wie die Darstellung der Stadt, so wenig düster finden die „Tatort“-Kollegen Claus-Dieter Clausnitzer und Joe Bausch die Atmosphäre des Krimis, sagt Clausnitzer, Taxifahrer im Münster-„Tatort“ und Vater von Kommissar Thiel alias Axel Prahl. Tolle Figuren, sehr ausbaufähig, die Geschichte am Anfang vielleicht „etwas verwirrend, aber dann nimmt sie richtig Fahrt auf“.

Joe Bausch: Dortmunder Tatort "ganz weit vorne".Foto: dapd

Joe Bausch (Pathologe im „Tatort“ Köln) sagt: „Mit der ersten Folge ist der Tatort Dortmund von null gleich ganz weit vorn angekommen.“ Bausch ist beeindruckt, wie die Stadt im Krimi wegkommt: „Da haben die Produzenten nicht gekleckert, sondern geklotzt.“ Spannende Ecken, Problemviertel, tolle Nachtbilder – „sowas sieht man in anderen Tatorten selten.“

 

Claus-Dieter Clausnitzer: "Dortmund ist gut weggekommen."Foto: WR/Franz Luthe

Und der Dortmunder Clausnitzer pflichtet ihm bei: „Sie haben viel reingepackt in die erste Folge, um die Stadt gut zu präsentieren.“ Ein bisschen wie in einem Hochglanz-Prospekt, „aber das ist okay, am Anfang da Gewicht drauf zu legen“. An der Darstellung seiner Heimat hat der 73-Jährige nichts auszusetzen: „Dortmund ist gut weggekommen. Ich bin gespannt, wie das Ruhrgebiet aufgenommen wird.“

Hubert Wolf und Britta Bingmann



Kommentare
25.09.2012
10:52
Der Dortmunder Tatort - spannende Ecken, tolle Bilder
von Guntram | #50

Diffuses Licht, düstere Musik, meise Stimmung. Scherzchen auf Falchwitzniveau. Ein profilerartiger Chef, ein Püppi für die jüngeren Zuschauer, ein gefrusteter Lover, eine ältere Kollegin, von der man irgendwie bis zum Schluss nicht wusste, wozu die überhaupt da ist und ein sexgeiler Pathologe. Da wollte jemand alles reinbringen. CSI Dortmund 5-0. Weniger wäre mehr gewesen. Und vor allem die Auswahl der Locations. Natürlich arbeitet einer der Verdächtigen nicht in irgendeiner Kneipe, sondern im Pferdestall auf dem Gelände von Zeche Zollern. Und die Bionik-Firma sitzt im Colani-Ei in Lünen. Und die zweite Leiche liegt auf der alten Halde in Deusen. Naja, vom Münsteraner Tatort ist man es ja gewohnt, dass alle Verfolgungsjagden über den Prinzipalmarkt gehen.

24.09.2012
22:24
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Name von Moderation entfernt | #49

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24.09.2012
21:09
Der Dortmunder Tatort - spannende Ecken, tolle Bilder
von MKVertreter | #48

Hat mir sehr gut gefallen ! Schauspielerisch eine Glanzleistung, und ich bin gespannt wie es mit dem Kommissar und dem Team weitergeht...Dass ein depressiver Kommissar kontrovers diskutiert wird, war den Machern sicherlich klar. Aber gerade die nicht 08/15 Typen, die im Tatort aufkreuzen, machen die Reihe so interessant ! Egal ob Psychotypen wie Lutter oder Faber oder die witzige Sparte aus Münster...Der Tatort darf bzw. soll experimentieren und wer einfach nur der Polizei bei ihren Ermittlungen zusehen möchte ohne dass die Gefahr besteht anzuecken, sollte z.B. im ZDF "Der Alte" gucken ;-) Es gibt einige Teams beim "Tatort" auf die ich verzichten könnte, weil die schauspielerische Leistung mich nicht überzeugt (u.a. das Leipziger Duo...) aber die Dortmunder gehören definitiv nicht dazu...

24.09.2012
14:25
Schlimm
von Wickede41 | #47

Schon wieder ein ungepflegter Psycho als Kommissar! Der Mann ist als Kommissariatsleiter völlig ungeeignet wegen seiner Depressionen und seines ekelhaften Führungsstils. Einer, der statt seinen neuen Schreibtisch zu beziehen sich auf den Boden in die hinterste Ecke seines Büros hockt, einer, der nicht einmal eine Raviolidosen öffnen kann! Ein verantwortungsbewusster Polizist weiss auch, dass er nicht vor den Schülern aufs Dach und übers Geländer seiner alten Schule klettern darf. Was haben sich die Autoren nur dabei gedacht? Leben die noch in dieser Welt?
Mein Vorschlag: Streicht den Psycho und lasst das restliche Team weiter ermitteln.

24.09.2012
11:27
Der Dortmunder Tatort - spannende Ecken, tolle Bilder
von michelino | #46

Der Kommissar ist sehr gewöhnungsbedürftig. Seine depressive Ader und Ermittlungsmethoden, sich ich den Täter reinzuvollsetzen und den Tathergang nachzuspielen respektive die Befragten damit zu provozieren, sind schon ein wenig nervig und zum Teil auch zum Fremdschämen. Ich finde den Kommissar bisher nicht besonders sympathisch, aber vielleicht wird das ja noch. Bez. Story läßt sich das bestimmt noch steigern. Dortmund ist gut weggekommen.

24.09.2012
11:25
Der Dortmunder Tatort - ätzend
von Pegafitta | #45

Einen Tatort aus Dortmund hätten wir nicht gebraucht. Jörg Hartmann spielt die Rolle so ekelhaft gut, daß einem wirklich "kotzübel" wird. Einziger Lichtblick in dieser Düsterniss ist Anna Schudt. Welcher junge Mensch ist nach dieser einseitigen Darstellung der Homoszene noch bereit sich zu outen???

Dortmund hat dank Kulturhauptadtzugehörigkeit 2010, BVB und Oper bereits einen guten Stellenwert im Revier und darüberhinaus. Das kann man durch solche Filme nur zerstören.

24.09.2012
11:24
Der Dortmunder Tatort - spannende Ecken, tolle Bilder
von alex111 | #44

Krol als Lutter das war noch was. Aber gestern ging ja gar nicht mit dem Depressiven Komissar. Einmal bis kurz vor 21:00 Uhr angetan dann umgeschaltet, ne 2. Chance gebe ich denen nicht.

24.09.2012
11:14
Schade!!!
von Ente | #43

Wieder einmal eine Chance vertan, das Ruhrgebiet adäquat einzubeziehen. Unerträglich, kein Klichee auszulassen (alter Taubenvatter usw. usw) und eine Story, die in der falschen Stadt angesiedelt wurde: Schwuler Sohn eines alten Stahlbarons (Krupp lässt grüssen). Völlig überzogen und unglaubwürdig der "spannende" Schluß!

24.09.2012
11:06
Tatort Dortmund, alle Banane oder wie oder watt?
von karlleokraus | #42

Sie sahen eine Werbeverunstaltung der "Dotmund Tourismus Paranoid Corporation".
In der Hauptrolle Hauptkommissar Faber, der in Reality wohl sehr schnell in der Aservatenkammer oder geschlossenen Frühpensionierung enden dürfte.
Nächste Folge, Nordstadt, in bühender Morbidität und hoffentlich in Erstbesetzung mit: Rohde, Schanzara, Ekenga, Knebel und für den "Alten Egon" Pathologen-Azubi mit Prof. Dr. Karl Lauterbach.

24.09.2012
11:00
Der Dortmunder Tatort - spannende Ecken, tolle Bilder
von dsnero | #41

Bischen Dortmund und ein paar komische bis unrealistische Typen auf allen Seiten.
Reicht das wirklich?

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