Der BVB-Grabstein ist ein Muss

Jens Pascal mit seinem Idol Jürgen Klopp bei dessen Besuch in der Dortmunder Kinderklinik 2011. Der mittlerweile verstorbene Neunjährige glühte für den BVB. Sein letzter Wunsch nach einem Grabstein mit Vereinslogo sorgt in der Bodelschwingh-Kirchengemeinde für Wirbel.
Jens Pascal mit seinem Idol Jürgen Klopp bei dessen Besuch in der Dortmunder Kinderklinik 2011. Der mittlerweile verstorbene Neunjährige glühte für den BVB. Sein letzter Wunsch nach einem Grabstein mit Vereinslogo sorgt in der Bodelschwingh-Kirchengemeinde für Wirbel.
Foto: dapd
Was wir bereits wissen
Das Drama um letzten Wunsch eines Neunjährigen nach einem BVB-Grabstein ist unwürdig. Zugunsten von Kreuzen und betenden Händen vergibt die Kirche eine Chance, sich als zeitgemäßer Teil der Gesellschaft zu etablieren.

Dortmund.. Die Kirchengemeinde Mariä Heimsuchung in Dortmund-Bodelschwingh versagt einem toten Neunjährigen seinen letzten Wunsch nach einem Grabstein mit BVB-Logo – und manövriert die katholische Kirche wieder einmal ins gesellschaftliche Abseits.

Der Zug zeugt von mangelndem Gemeinsinn. Dortmund ist Fußball, die Leidenschaft durchdringt alle Lebensbereiche. Doch am Friedhofstor ist Schluss, so die eindeutige Botschaft von Pfarrer und Friedhofsverwaltung. Der BVB-Grabstein sei „unchristlich“. Es sind hier „betende Hände“, „Kreuz“ oder „Marienstatue“ gefragt. Basta. Eine schriftliche Stellungnahme, kein weiteres Gesprächsangebot an die Eltern, bis der Fall nun öffentlich wurde und auf Vermittlung der zur WAZ-Gruppe gehörenden Westfälischen Rundschau ein Kompromiss erzielt wurde. Das tut weh.

Die trauernde Familie schmerzt der Fall. Aber auch moderne Christen, die ihre Gemeinde als zeitgemäßen Bestandteil des öffentlichen Lebens, als Halt mitten in der Gesellschaft begreifen möchten. Die Kirche in diese Richtung zu entwickeln – diese Chance vergeben die Dortmunder Entscheider. Zugunsten von Kreuzen, Statuen, betenden Händen. Opfern sie dem Beharren auf einem Regelwerk, das sich einzig dadurch legitimiert, dass es irgendwie ja schon immer so war. Warum? War ja schon immer so. Gegenwart, was ist das?

Das unwürdige Drama zeugt aber auch von einem beschränkten Verständnis der christlichen Botschaft. Die ist eine Botschaft der Liebe. Aber Nächstenliebe hört in Dortmund-Bodelschwingh auf, wo zu viel Individualität ins Spiel kommt. Es ist uns egal, was der Junge wollte, wie die Eltern sich fühlen – eine bittere Einstellung für eine Institution, die Liebe verkündet. Denn was wäre schlimm an Friedhöfen, deren Gräber tatsächlich an die Toten erinnern statt nur Kreuze, Marienstatuen und betende Hände zu zeigen? En Draht in die Wirklichkeit tun dringend Not. Der BVB-Grabstein muss sein - als sichtbarer Schritt in Richtung Realität.

Kommentar contra BVB-Grabstein