Dem Schicksal noch zehn gute Jahre abgerungen
18.07.2008 | 19:25 Uhr 2008-07-18T19:25:51+0200Als Hubert K. 1996 ins Klinikum kam, hatte er schon einen langen Leidensweg hinter sich: Seit 16 Jahren - seinem 43. Lebensjahr - wucherte der Krebs in ihm. Ein Fettgewebstumor an der Niere. ...
... Ein Tumor, der anfangs keine Metastasen streut, aber nach jeder Operation neu wächst und aggressiver wird. Ein Tumor der bösen, radikalen Sorte. Auf Anraten von Familie und Freunden hatte der Patient alle Eingriffe in einer Uni-Klinik im Ruhrgebiet machen lassen. Sechs Operationen. Sechs Rückfälle. Sechs Mal Verzweiflung, Trauer und Kampf gegen die furchtbare Krankheit. Nach dem sechsten Eingriff dann die niederschmetternden Worte des Chefarztes: Tut mir Leid. Bei einem weiteren Rückfall kann ich nichts mehr für Sie tun. Und er ging noch weiter: Ein halbes Jahr gab er seinem Patienten. Austherapiert nennen das die Ärzte. Ein schreckliches Wort, das keinen Funken Hoffnung mehr zulässt.
Ein halbes Jahr? Hubert K. war 59. Zu jung zum Sterben. In dieser für ihn ausweglosen Situation griff er zum letzten Strohhalm. Er nahm seine Krankenakte und stellte sich in der Chirurgie des Klinikums vor. "Kann man noch was tun?" fragte er Chefarzt Prof. Dietrich Löhlein. Der bat sich Bedenkzeit aus - gab aber dann grünes Licht für den Eingriff. In einer schwierigen Acht-Stunden-Operation entfernte er die wuchernden Krebsgeschwüre aus dem Bauchraum. Bis auf einen kleinen Rest. Denn die OP musste abgebrochen werden - der Zustand von Hubert K. verschlechterte sich minütlich. Bei einem weiteren Eingriff wenige Wochen später im Februar 1997 wurden die restlichen Geschwülste ausgeräumt.
"Drei Jahre hatte der Patient Ruhe," erinnert sich Löhlein. Hubert K. ging es gut. Er fuhr mit seiner Frau ans Meer und genoss jeden geschenkten Tag. Dann kam der siebte Rückfall. Mit den Röntgenbildern in der Hand stand Hubert K. wieder vor dem Chefarzt: "Ist noch was möglich?" Hubert K. wusste, dass eine Zeitbombe in ihm arbeitete", so Löhlein. "Er wusste, dass dieser Krebs nicht heilbar war und ihn eines Tages besiegen würde." Aber er war ein Kämpfer. "Uns ging es darum, ihm bei guter Lebensqualität eine Lebensverlängerung zu ermöglichen. Durch Operationen, Chemo-Therapie oder Bestrahlungen," so Löhlein. "Man muss genau das Risiko abwägen. Welche Lebensqualität hat der Patient jetzt - welche nach der Operation?" Es folgte Operation Nummer acht. Und Hubert K. wurden wieder drei Jahre geschenkt. Jahre, in denen er jeden Tag bewusst lebte und mit großer Freude die Geburt seiner Enkelkinder erlebte.
2003 dann die erneute Hiobs-Botschaft: "Es haben sich Rezidive gebildet." 2004 eine neue große OP, doch schon nach einem halben Jahr wurde ein weiterer Tumor festgestellt. Und wieder rang Hubert K. um sein Leben. Doch der Tumor war der stärkere Gegner. Hinterlistig und ge-mein, erst unbemerkt aber
Sein Zustand verschlechterte sich
unaufhaltsam breitete er sich im Bauchraum aus. Und wieder stand Hubert K. in der Chirurgie um dem Schicksal eine kleine Frist abzuringen. Löhlein war erst skeptisch. "Aber seine Konstitution war nicht schlecht" sagt er. Und willigte ein. Es ging gut. Als ein Jahr später Metastasen in Bauch- und Brustwand festgestellt wurden, ging der Patient in eine Spezial-Klinik für Plastische Rekonstruktionen. Einige Monate später verschlechterte sich sein Zustand dramatisch. Löhlein spricht von einer "generalisierten Ausbreitung" des Leidens. In Absprache zwischen Arzt, Patient und Familie wurde auf einen neuen Eingriff verzichtet. "Er hätte ihn nicht überlebt." Ende 2005 starb Hubert K. im Alter von 69 Jahren.
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