„Das Viertel gehört nicht den Nazis“
22.08.2010 | 16:45 Uhr 2010-08-22T16:45:00+0200
Dortmund.„Lasst uns den Naziaufmarsch am 4. September verhindern. Die Zeit der Symbolik ist vorbei.“ Klare Worte fand Bärbel Beuermann, Vorsitzende der Fraktion „Die Linke“ im Landtag von NRW, am Samstag auf dem Wilhelmplatz in Dorstfeld. Dort hatten Politiker der Linkspartei und Aktivisten verschiedener Bündnisse vor den Wohnungen von Neonazis deutlich gemacht: „Den Nazis gehört weder dieser Stadtteil, noch diese Stadt.“
Ein Großaufgebot der Polizei stand bereit, doch ließen sich die Neonazis, die einen ihrer Schwerpunkte in Dorstfeld haben, nicht sehen. Nur ein, zwei Rechte filmten aus ihren Wohnungen die Aktion.
„Es ist nicht mehr auszuhalten, wie sich die Rechten hier breit gemacht haben“, ist ein Anwohner empört und hilflos zugleich. Er wollte aus Angst seinen Namen nicht nennen. Denn er kenne die subtile Gewalt, mit denen die Autonomen Nationalisten das Viertel terrorisieren. Sie gehen in den Geschäfte ein und aus, sitzen in der Dönerbude um die Ecke. „Und es ist längst nicht mehr nur subtile Gewalt, sondern auch bewusst ausgeübte Gewalt“, sagte Beuermann.
Markus Bernhard (für den Veranstalter der Aktion, das Bündnis „Dortmund stellt sich quer“) erneuerte noch einmal die Kritik an Stadt und Polizei. Auch OB Ullrich Sierau ließe nur Sonntagsreden los. Er rief ihn auf, an der Blockade gegen die Neonazis teilzunehmen, so wie es seine Kollegen in Köln oder Dresden getan hätten.
Dortmund habe den schlechtesten Ruf, den man haben könne, da sich Nazis hier festgesetzt haben, so Wolfgang Richter vom Bündnis Dortmund gegen Rechts. Dabei habe man in der Vergangenheit dafür gekämpft, dass sich Nazis in der Stadt nicht breit machen. Doch diese Tradition sei durch das Wegschauen Vieler ersetzt worden.
Ulrich Sander, Bundessprecher der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes / Bund der Antifaschisten, erklärte, dass er Dienstaufsichtsbeschwerde gegen Dortmunds Polizeipräsidenten beim Innenministerium eingelegt habe, da er das Gelände vor der Steinwache „nazistischen Kräften für eine Kundgebung zur Verfügung gestellt hat“. Sander kündigte an, eine Mahnwache vom 3. auf den 4. September vor der Steinwache durch Hinterbliebene der von den Nazis ermordeten Dortmundern zu beantragen.