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125 Jahre Philharmoniker

Das Multitalent Horn

22.01.2013 | 19:13 Uhr
Das Multitalent Horn
Serie 125 Jahre Philharmoniker, Interview mit Jan Golebiowski, Solohornist Foto:Ralf Rottmann / WAZ FotoPoolFoto: Ralf Rottmann

Mit der Glücksspirale in Händen steht Jan Golebiowski zwischen Himmel und Hölle. Der Himmel – das sind Lieblingsstücke. Die Hölle – das sind die berühmt, berüchtigten Kiekser am Horn. „Bei uns geht es um die Balance zwischen Instrument und eigener Form“, sagt der Solohornist.

Mit der Glücksspirale in Händen steht Jan Golebiowski zwischen Himmel und Hölle. Der Himmel, das ist die 5. Sinfonie von Gustav Mahler. „Das ist eine der schönsten Melodien für Horn. Darauf freue ich mich immer, wenn ich sie spiele“, sagt der Solohornist der Dortmunder Philharmoniker. Die Hölle sind die Kiekser, vor denen auch die besten Hornisten nicht gefeit sind. „Wir haben Soli von acht bis zwölf Noten, da kann man einen Fehler schwer wiedergutmachen.“

Als Grundschüler hatte der zwölfjährige Jan schon Erfahrungen mit dem Cello gesammelt, als er aufs Horn kam. „Ich war sehr glücklich, weil ich nicht so viel üben musste und sofort im Schulorchester spielen durfte“, erinnert er sich mit einem verschmitzen Lächeln. „Streicher gab es viele, die mussten sich anstrengen, um ins Orchester zu kommen. Mit dem Horn waren wir nur zu dritt und nach eineinhalb Jahren Unterricht durfte ich schon die 5. von Beethoven spielen. Da war ich stolz.“

Öffentliche Auftritte gehören für Jan Golebiowski zum Musizieren dazu: „Ohne Publikum findet für mich keine Konzertsituation statt. Also kann man sagen: Ich spiele für das Publikum“, sagt er. „Aber es muss nicht das Solo sein, das mich glücklich macht, sondern wenn ich meine persönliche Herausforderung meistere. Dann bin ich zufrieden, wenn ich diese heiklen Stellen geschafft habe.“

Auch ohne den berühmt, berüchtigten Kiekser. „Als Blechbläser produzieren wir den Ton mit unserem Körper, mit den Lippen. Das Mundstück vom Horn kanalisiert den Ton, das Horn ist der Verstärker“, erklärt der 32-Jährige. „Bei uns geht es um die Balance zwischen Instrument und eigener Form. Wenn du gestresst bist, atmest du flacher und musst viel Luft geben, um den Ton zu produzieren.“ Die Wahrscheinlichkeit, dass dabei ein Kiekser über den Verstärker tönt, wächst. „Es gibt einen Brief, in dem sich Mozart beschwert, wie sein Herz blutet, wenn ein Hornist durch so einen Kiekser die schönste Musik zerstört.“

Verbindung zwischen Bläsergruppen

Wenn aber alles gut läuft, hört man das Horn nicht unbedingt aus dem Gesamtklang des Orchesters heraus. „Das Instrument hat viele Funktionen im Orchester“, erklärt Jan Golebiowski. „Es verbindet die Holzbläser mit den Blechbläsern, weil es als Blechinstrument den weichsten Klang hat.“ Auch den Klang der Cellisten unterstreiche das Horn fast unmerklich. Daneben gibt es die Soloparts und das Horn wird auch als Effekt eingesetzt. „Da es aus dem Jagdbereich kommt, wird das in Stücken wie dem Freischütz eingesetzt“, erzählt der Musiker. „Wenn man streckenlang nur den Rhythmus mit ,umpapa, umpapa’ unterstreicht, kann es im jeweiligen Konzert nervig werden, aber langweilig wird es im gesamten Orchesterbetrieb nie, einfach, weil das Horn so ein breites Spektrum bedient.“

Von Maike Rellecke



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