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Immobilienmarkt

Das Geschäft mit dem „Betongold“ brummt

17.09.2011 | 09:00 Uhr
Das Geschäft mit dem „Betongold“  brummt
Vorzeigeprojekt Phoenix See Dortmund: Die ersten Baumaßnahmen nähern sich bereits der Fertigstellung. Luftbild: Hans Blossey/WAZ-Fotopool

Dortmund.„Wir haben soviel zu tun, dass wir mit der Arbeit nicht mehr nachkommen“, verriet Boris Petrovic, Vertriebsmitarbeiter von Luve Hausbau gestern am Rande des 9. Dortmunder Immobilienmarkts in der Berswordthalle. Luve vermarktet Fertighäuser zum Festpreis - unter anderem auf dem Areal Hohenbuschei. Das Geschäft mit dem „Betongold“ brummt nicht nur bei Luve. Zur Zeit machen Notare Überstunden, auch weil ab Oktober die Grunderwerbssteuer steigt.

„Vor zwei Jahren wäre das in Dortmund noch undenkbar gewesen. 3000 Euro Baukosten je Quadratmeter inklusive Grundstück sind durchsetzbar,“ schildert Ralf Fricke, Leiter Immobilien bei der Dortmunder Volksbank, die Situation auf dem örtlichen Immobilienmarkt. Vor allem das Projekt Phoenix See habe hier stimulierend gewirkt.

Die Branche boomt, weiß auch Bernd Faust, Leiter des Immobilien -Centers der Sparkasse Dortmund: „Wir haben schon über 100 Immobilien in diesem Jahr vermakelt. Ende September werde wir das Ergebnis von 2010 bereits übertreffen. Bis Jahresende rechne ich mit insgesamt 140 Geschäften.“ Bei der Volksbank werde, so Ralf Fricke, für 2011 bei den Immobilienfinanzierungen mit rund 30 Prozent mehr, bei den Immobilienvermittlungen mit über 30 Prozent mehr Geschäft gerechnet: „Der Markt ist in Bewegung.“

Güterbahnhof Ost

In Bewegung auf Dortmund zu ist auch verstärkt der Entwickler Beta-Bau (Bergkamen) unterwegs, der nicht nur am Phoenix See und auf Hohenbuschei (dort sind fast zehn der rund 40 Beta-Bauten schon verkauft) aktiv ist und heimischen Firmen wie Derwald und Freundlieb verstärkt Wettbewerb liefert. Auf dem „Erdbeerfeld“ habe man bereits 100 Wohneinheiten vermarktet. Nun denke man über mehr nach, so Volker Gothe von Beta-Bau. Schon begonnen hat Gothe gestern mit der Vermarktung eines Zukunftsprojekts: Auf dem Gelände des ehemaligen Güterbahnhofs Ost habe Beta-Bau ein größeres Grundstück von der Bahn-Immobilientochter Aurelis erworben (Zufahrt über die Klönnestraße) und wolle dort rund 40 Wohneinheiten errichten und verkaufen. Rund 250 000 Euro werde ein Einfamilienhaus dort kosten, rechnet Gothe. Auch im Gebiet Brechtener Heide will Beta-Bau noch wachsen.

Hohe Wellen schlägt natürlich das überregionale Dortmunder Vorzeige-Projekt - auch in der Berswordthalle. Für „exklusives Wohnen im denkmalgeschützten Magazingebäude“ auf dem ehemaligen Stahlwerksgelände wirbt dort beispielsweise Thomas Schröder, Geschäftsführer der S2 Immobilien- und Projektentwicklung GmbH (Verl).

Ein Teil des Immobilien-Booms - da sind Experten einig - ist der aktuellen wirtschaftlichen Situation geschuldet: Anleger kaufen verstärkt wahre Werte in Zeiten, in denen Aktienkurse in den Keller rauschen. Bei der Entscheidung, ob eine Familie sich die eigenen vier Wände gönne, spiele die gegenwärtige Lage eine eher untergeordnete Rolle. Viele potenzielle Häuslebauer hätten lange Jahre abgewartet. Jetzt löse sich der Stau zunehmen auf, so Sparkassen-Experte Bernd Faust. Auch seien, „die Leute vernünftiger geworden“, so Faust. Betreuung und Beratung sorge für wachsende Umsätze - auch wenn die ein oder andere Direktbank mit kleinen Zinsvorteilen winke.

Klaus Buske

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Kommentare
19.09.2011
21:02
Das Geschäft mit dem „Betongold“ brummt
von vaikl | #5

auch weil ab Oktober die Grunderwerbssteuer steigt

Nicht auch - *nur* weil die Leute auf sowas panisch reagieren, gibt es diesen kurzzeitigen Boom, der sich ab Oktober aber ganz schnell wieder legen wird.

Momentan werden z.B. auf überfüllten Zwangsversteigerungen Mondpreise für Schrottimmobilien geboten, aber rationales Denken und Handeln waren ja noch nie typisch deutsche Stärken.

19.09.2011
11:19
Das Geschäft mit dem „Betongold“ brummt
von Kalki | #4

geschützte märkte können sich auch mehr erlauben!!!!

17.09.2011
17:52
Das Geschäft mit dem „Betongold“ brummt
von findling | #3

Angesichts des Flächenfraßes den dieser „Bauboom“ mit sich bringt macht es schon Sorge, wenn ein Baustoff wie „Beton“ mit „Gold“ in Verbindung gebracht wird.
Aber beides kann man nicht essen.

Und der Untergang eines Güterbahnhofs-Ost angesichts der Verkehrsentwicklung ist auch kein Grund zum feiern.
„3000 Euro Baukosten“ und wieder wird Kapital akkumuliert, mutmaßlich bei denen, die schon zu viel davon und zu viel Einfluss auf die Entwicklung der Stadt haben.

Lobgesänge die das Leben preisen, haben andere Inhalte.

17.09.2011
17:28
Das Geschäft mit dem „Betongold“ brummt
von Dortmunder2011 | #2

eigentum ist die beste altersvorsorge. dann sind mietnomaden und mieterfreundliche gesetze 8was ist daran schlimm?) kein thema denn man ist sein eigener herr.

17.09.2011
12:36
Das Geschäft mit dem „Betongold“ brummt
von xxyz | #1

Es wird ein Bevölkerungsrückgang erwartet. Bei Mietwohnungen sind mieterfreundliche Gesetze, hohe Leerstände und Mietnomaden eine Renditebedrohung.
In Dortmund gibt es aus meiner Sicht immer weniger Jobs mit gutem Einkommen. Es wird ausschließlich in Lager investiert.
Ich sehe diese Immobilienbegeisterung bzgl. der Rendite sehr kritisch.

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