Das FZW gibt's nicht mehr zum Nulltarif
03.03.2010 | 18:14 Uhr 2010-03-03T18:14:00+0100
Dortmund. Konzerte, die den Veranstalter keinen Pfennig kosten - das kam bei der Konkurrenz des Dortmunder FZW nicht gut an. Seit Monaten wurde den Veranstaltern von HIM und Co. die Halle umsonst überlassen. Aber damit ist es jetzt vorbei.
Das Freizeitzentrum West (FZW) zum Nulltarif wird es für professionelle Veranstalter nicht mehr geben. Das teilte die Stadt Dortmund gestern mit. Zudem sei man bemüht - nach zeitlicher Verzögerung - die Förderung der Jugendkulturarbeit und der Jugendsozialarbeit in dem Zentrum an der Ritterstraße voranzutreiben.
Nulltarif nur zur Markteinführung
Das FZW war ins Gerede gekommen, da man Veranstaltern für Konzerte die Halle zum Nulltarif überlassen hatte. „Das ist zur Markteinführung des neuen FZW geschehen. Inzwischen werden für alle Neuverträge Mietkonditionen wie für vergleichbare Clubshows in NRW erhoben und von den Veranstaltern im FZW akzeptiert”, erklärte Stadtsprecherin Anke Widow. Mit seiner Kapazität (bis zu 1300 Besucher) sei das FZW eindeutig ein Club. Es bestehe keine Konkurrenz zu größeren Veranstaltungshallen.
Das sieht u.a. Westfalenhallen-Sprecher Andreas Weber völlig anders: „Veranstaltungen im FZW bei vollem Haus könnten auch in der Westfalenhalle stattfinden.” Kein Wettbewerber, der Schwarze Zahlen schreiben möchte, könne gegen den subventionierten Tarif oder gar gegen den Nulltarif mithalten. Konzerte wie das von HIM hätten auch in den kleineren Westfalenhallen stattfinden können.
Veranstalter tragen das finanzielle Risiko
Das finanzielle Risiko, so Anke Widow, werde von den Veranstaltern getragen. Und als solcher ist das FZW etwa beim Konzert von „2raumwohnung” am vergangenen Freitag aufgetreten. Man verstehe sich, so Widow, gemäß des Konzepts, „als erfolgreiche Präsentationsplattform für Bands, die erst in den Folgejahren den Sprung in die großen Halle schaffen könnten”. Bisher sind oder treten noch auf: HIM, Jeannette Biedermann, Stefan Gwildis, Der Popolski-Show, Deine Lakaien und viele mehr. Ihnen kann man, weiß Gott, nicht unterstellen, dass sie auf den Sprung in große Hallen warten.
Verärgert ist auch Ralf Hölz, Vorsitzender des Vereins für unabhängige Kultur (VUK), der zwanzig Jahre lang das Programm für das alte FZW zusammengestellt hatte. Er fühlt sich vom Jugendamt hingehalten. Ihm war klar, dass man als Verein nicht mit in die Betreibergesellschaft des FZW zwischen Awo und der Stadt hätte einsteigen können. Doch ein Ratsbeschluss von 2006 sah vor, dass der VUK beteiligt werden sollte. Erst vor 14 Tagen habe man ihm mitgeteilt, dass man an einer Zusammenarbeit mit dem VUK von Seiten des Jugendamtes nicht mehr interessiert sei. „Zwischenzeitlich mussten wir aufgrund dieser Taktik unsere hauptamtlichen Mitarbeiter entlassen”, so Hölz.
Nach Gründung einer gGmbH zwischen Awo und Stadt werde diese dann die Zuständigkeit für die Jugendkulturförderung und alle weiteren gemeinnützigen Arbeitsfelder übernehmen, so Anke Widow.
Stadt zahlt Monat für Monat Miete
Dann könne diese auch den Zuschuss der Stadt in Höhe von 292 000 Euro abrufen. Er ist ausschließlich für die Förderung der Jugendkultur bestimmt. Hier habe man etwa die „Rockstage”, eine Plattform für Nachwuchsbands auf den Weg gebracht. Auch sollen interessante Ausbildungs- und Beschäftigungsmöglichkeiten für Jugendliche entwickelt werden. Erste Projekte seien angelaufen bzw. seien noch in Vorbereitung.
Das FZW war von der Limberg GmbH gebaut worden und im September vergangenen Jahres eröffnet worden. Die Stadt zahlt monatlich Miete.
17:19
Krasse Diskussion hier.
22:41
...
Als fleißiger Vertreter dieser Zunft muss man jedoch Cleverness attestieren, und wenn alle Klüngelgeschäfte dort ans Tageslicht gelangen, schaftt es das FZW ins Fernsehen und in die Bild Zeitung.
...
Zutreffend. Wäre buchfüllend.
12:04
Also, das alte FZW hatte definitiv ein schwächeres Programm als das jetzige am neuen Standort. Sorry, aber irgendwann muss man auch mal ein Konzertprogramm machen, dass nicht nur für Menschen jenseits der 40-50 interessant ist. Und da tut es mir auch nicht leid, wenn dafür zur Modernisierung offenbar unfähiges Personal seinen Hut nehmen muss (VUK?).
11:54
Wenn sich Leute zerstreiten, sind immer beide Seiten Schuld.
Keiner wollte den VUK aus dem FZW raushaben, er hat sich selbst rausgekegelt. Das ist schade. Schön waren die alten Zeiten. Aber es hat halt nicht mehr geklappt, oder? Keiner kann behaupten die Protagonisten des VUKs hätten keine Fehler gemacht, oder etwa doch?????
Sicherlich wird er sich nicht wieder ins Gespräch bringen, wenn er Hetzkampagnen und feindliche Übernahmen anzettelt.
Wenn das FZW erstmal in den Händen Privater ist, wird der VUK auch nichts davon haben. Höchstens Rache. Aber sowas merken die ja immer erst, wenn es zu spät ist.....dann kommen die GmBH Abräumer.....machen Kohle in ner schönen Halle und aller Anspruch war Vergangenheit. Schade wärs.
19:34
Und was ist mit der jahrelangen, ja 20-jährigen Arbeit des Vereins, der dem FZW zu seinem hervorragenden Ruf verholfen hat? Die Stadt hat in der Vergangenheit sicher einen Beitrag in Form finanzieller Mittel erbracht, das Programm, die inhaltliche Arbeit ist jedoch Verdienst des V.U.K. Und der wird jetzt einfach mal rausgekickt, weil er nicht mehr genehm ist. Und die neuen städtischen Mitarbeiter, die erst in 2007 dazu gekommen sind und der neue Booker, der erst in 2008 dazu gekommen ist, tun so, als hätten sie das FZW erfunden.
16:35
Richtig schlimm wäre es, wenn jetzt der doch immerhin gut besuchte Laden, an private Betreiber (oder Geier????), die nichts, aber auch gar nichts zu dem jetzigen Erfolg und Standing beigetragen haben, quasi verschenkt würde, und ehemalige Feinde und Kaputtschreier des FZWs genau diesen Laden betreiben würden.....aus einfach nur finanziellen Interessen.....
da kann man Hernn Stüdenann nur wünschen, dass er mal einen hellen Moment erwischt, mal richtig nachdenkt, und sich fragt, was er bei den Mitarbeitern auslöst, wenn er ihre jahrelange Arbeit einfach wegwerfen und mit den Füßen treten will...
was die ganzen Besucher denken, die das FZW freudig angenommen haben, überwiegend Leute bis 25 circa,
aber Hauptsache die Wahl wird gewonnen...
17:09
Huch, ging ja doch noch munter weiter hier. Sehr schön. :)
@Antimeckerer
Im Gegenteil. Ich kann als Außenstehender sehrwohl beurteilen, ob das gebotene Programm für mich (bzw. meine Freunde/Szene, wie auch immer) relevant ist. Und das ist es. Das neue FZW mit seinem neuen Booker stellt eine lohnende Bereichung der Dortmunder (Pop-)Kulturszene, die es so vorher nicht gab. Und da ich, wie oben bereits versucht darzulegen, der Auffassung bin, dass zu Kultur mehr als sog. Hochkultur gehört, finde ich die grundsätzliche Förderung einer solchen Einrichtung richtig und wichtig.
Und ja, Informationen zu Zahlen ziehe ich aus der Presse und solchen Diskussionen. Bislang lassen mich die genannten Zahlen allerdings relativ kalt, zumal geäußerte Kritik so vieles auf einmal zusammenmengt.
Wenn man die Presse und die Kommentare durchgeht, scheint es doch so, als sei der Bau des FZW eben subventioniert worden (was ich persönlich gut finde, aber das ist meiner persönlichen Verständnis von Kulturförderung geschuldet). Die neuen Booker haben im Sinne eines attraktiven Konzertprogramms branchenübliches Geschäftsgebahren an den Tag gelegt (Rabatte etc.), was zu einer sehr guten Reputation des FZWs innerhalb kürzester Zeit geführt hat. Aufgrund der Kritik wurde/soll dieses Gebahren aber nun beendet werden und das FZW über mehr private Mittel auch die Miete von €154.000 selbst bestreiten. (Mal davon ab, dass diese Kosten für die Stadt bereits vorher feststanden.)
Die kursierende Zahl €292.000 vom Jugendamt fließen nicht in den Konzertbetrieb und können derzeit auch nicht abgerufen werden. Die Jugendarbeit sollte angeblich die AWO übernehmen, die aber anscheinend noch nicht aus dem Quark kommt und auch nichts mit dem Konzertbetrieb zu tun hat (laut meiner Nachfrage aber die Gastro betreut). Über das eigentlich geplante Betreibermodel einer gGmbH würden diese Erträge wohl auch wieder zurück ins FZW fließen.
Sprich, die einzige noch relevante Kritik scheint mir der Punkt mit der bislang fehlenden Jugendarbeit zu sein, wofür man das Jugendamt oder die AWO zu Recht kritisieren muss. Jugendkultur-Gelder erschlichen hat dieses Hätschelkind jedenfalls nicht.
Ich will gar nicht bestreiten, dass die neue Konkurrenz Einfluss auf ihre Geschäfte im clubtechnisch gut aufgestellten Bochum (oder war es Recklinghausen?) hat, aber das ist mir als Club-/Konzertgänger aus Dortmund ziemlich (um sie mal zu zitieren: sorry) Schnuppe. Aus Sicht des Steuerzahlers finde ich die bekannten Ausgaben als Anschubfinanzierung einer sinnvollen Kultureinrichtung gerechtfertigt. Wenn sich die Konzertseite des FZWs in Zukunft auch komplett ohne städtische Gelder trägt, umso besser!
Ahso. Mein ÖPNV-Argument ist indes alles andere als arm. Aus ihrem Hinweis, das FZW sei schlicht Kirchturmdenken, schließe ich mal, dass sie das Ruhrgebiet als Metropolregion begreifen. In jeder ähnlich großen Metroplregion existiert ein besser venetzter und günstigerer ÖPNV als zwischen den Ruhrgebietsstädten. Klassisches Beispiel, Berlin. Dort kostet eine Einzelfahrkarte €2,10 (ermäßigt €1,40) für das gesamte ÖPNV-Netz. Das ist, für eine Fahrt vergleichbarer Strecke) deutlich günstiger als hier (von Abonnementpreisen wollen wir gar nicht erst anfangen). Dazu kommt noch die Fahrtdauer. Ja, eine Fahrt Dortmund HBF - Bochum HBF dauert ca. 20 Minuten. Doch dazu kommen noch Hinfahrt zum HBF sowie zum jeweiligen Venue und zurück zu einem (meist) viel späteren Zeitpunkt. Natürlich fährt nachts regelmäßig ein RE zwischen den HBFs. Aber aufeinander abgestimmte Anschluss-(Nacht-)Busse, U-Bahnen etc.? Leider Fehlanzeige. Deshalb ist ein Club wie das FZW in Dortmund aus meiner Sicht sinnvoll.
13:51
Lieber Sep223,
ich kann Niemanden zum Lesen meiner Kommentare und der Fakten aus den erwähnten Artikeln *beider* Lokalzeitungen zwingen, auch Sie nicht. Wenn Sie in Ihrem Glauben besser schlafen können, dann belassen wirs dabei.
10:42
@ vaikl
@ Antimeckerer
Hetzen, Gerüchte aufwerfen, es könnte sein, dass...besonders fundiert wirken Ihre Kritikpunkte nicht.
Nach wie vor bleibt der Eindruck, dass Sie eigene Interessen verfolgen und nicht etwa, wie Sie die ganze Zeit behaupten, um Steuergelder oder die Jugendkulturarbeit streiten.
Da Sie auch die ganze Zeit wilde Behauptungen aufstellen, behaupte ich noch einmal:
SIE SIND IN MEINEN AUGEN NEIDISCHE MITBEWERBER, DIE VERSUCHEN AUF DIESEM WEGE EINEN KONKURENTEN ZU ELEMINIEREN!
Basta.
15:21
Die Frage ist doch auch, ob ein Konzertriese wie Lieberberg/MLK es überhaupt nötig hat, Rechnungen über ein paar Tausend Euronen für lokale Realisation zu zahlen. War es nicht der Anspruch der FZW-Macher selbst, solche Agents erst durch goodwill zu ködern?