Das denkt Dortmund über den Kleingeld-Verzicht

Händler in Kleve haben durch besondere Initiative Aufmerksamkeit erregt: Sie verzichten seit 1. Februar auf Ein- und Zwei-Cent-Münzen und runden Beträge auf oder ab. Wenn die Kunden denn mitmachen. Wir haben uns bei Händlern und Banken in Dortmund zu dem Thema umgehört - und möchten auch Ihre Meinung wissen.

Dortmund.. Der Händlerzusammenschluss "Klever City Netzwerk" hat zum 1. Februar eine Initiative gestartet: Möglichst viele Händler sollen an der Kasse die Preise auf- oder abrunden, um so Ein- und Zwei-Cent-Münzen zu verbannen. Wenn die Wurst 3,97 Euro kostet, sind 4 Euro fällig. Stehen 4,12 Euro auf dem Bon, wird auf 4,10 Euro abgerundet.

Der Kunde kann selbst entscheiden, ob er mitmacht

Hintergrund der Aktion, deren Teilnahme für die Händler freiwillig ist: Die Händler kosten die Kupfermünzen (die lediglich mit Kupfer ummantelt sind) bares Geld - sowohl bei der Beschaffung von als auch bei der Rückgabe an die Banken.

Zur 50.000-Einwohner-Stadt Kleve muss man allerdings wissen, dass sie direkt an der deutsch-niederländischen Grenze liegt. Es kommen viele Gäste aus dem Nachbarland, in dem krumme Beträge schon seit elf Jahren auf- oder abgerundet werden.

Ob in Kleve oder sonstwo, jeder Kunde kann selbst entscheiden, ob er zustimmt, dass ein Betrag auf- oder abgerundet wird. Darauf weist Helene Schulte-Bories, Leiterin der Verbraucherzentrale in Dortmund, hin: "Der Kunde hat nach wie vor das Recht, dass genau abgerechnet wird."

Viele Dortmunder Händler wären für den Cent-Verzicht

Dortmunds Cityring-Vorsitzender Dirk Rutenhofer hat am Donnerstag per E-Mail-"Blitzumfrage" die Händler in der Innenstadt befragt. Sie sollten angeben, was sie davon halten, auf die Annahme von Ein- und Zwei-Cent-Münzen zu verzichten und auf- oder abzurunden.

40 Händler meldeten sich schnell zurück und gaben - in Rutenhofers Worten - an: "Wunderbar, weg mit dem Zeug." Einige Händler, bei denen es um kleinere Beträge geht, sprachen sich gleichwohl dafür aus, den Status quo beizubehalten. Rutenhofer selbst meint, ohne die kleinen Cents "ist es schon einfacher". Verluste und Gewinne durchs Auf- und Abrunden hielten sich bei Kunden und Händlern wohl die Waage.

Martin Eul, Chef der Dortmunder Volksbank sagt: "Wir denken, dass das Vorhaben in Kleve, Ein- und Zwei-Cent-Stücke abzuschaffen, Schule machen könnte." Das Kleingeldgeschäft binde bei der Bank viele Ressourcen. Bei der Sparkasse Dortmund heißt es, es sei schwer, den Vorstoß der Klever Händler zu bewerten. Thomas Schäfer, Hauptgeschäftsführer des Handelsverbands NRW Westfalen-Münsterland glaubt, dass man das Klever Modell "nicht auf ganz Deutschland übertragen kann".

Ein- und Zwei-Cent-Stücke weiterhin wertschätzen

In den 52 Filialen der Bäckermeister Grobe GmbH aus Dortmund gehen täglich zig Ein- und Zwei-Cent-Stücke über die Ladentheke. Geschäftsführer Jürgen Hinkelmann sähe in der Abschaffung des Kleingelds keine große Erleichterung. Und: Er halte es persönlich für wichtig, auch Ein- und Zwei-Cent-Stücke weiterhin wertzuschätzen.

Auch in Castrop-Rauxel war der Verzicht auf Ein- und Zwei-Cent-Münzen schon Thema: