Das "Big Tipi" spaltet die Dortmunder Parteien
22.07.2012 | 15:27 Uhr 2012-07-22T15:27:00+0200
Dortmund. Das „Big Tipi“ hat nach der Schließung im Herbst 2010 noch immer eine Zukunft mit Fragezeichen. Nachdem der Landesbeauftragte einen möglichen Beschluss zum Thema Sanierung auf den 2. August vertagt hatte, suchen die Parteien immer noch eine stabile Mehrheit für oder gegen die Sanierung.
Im Vorfeld hatte die Bezirksregierung bestätigt, dass auf die Stadt Rückzahlungen von Fördermitteln in Höhe von 2,1 Millionen Euro zukämen, wenn man im Fredenbaum die maroden Zelte abbaut. „Wir sind gut beraten, was zu tun. Auch wenn mancher zwei Fäuste in der Tasche haben wird“, sagte OB Ullrich Sierau noch in den jüngsten Sitzung des Landesbeauftragten.
Weil Heinze die Zukunft des Aushängeschilds aber nicht weitere Monate auf die lange Bank hatte schieben wollen, beraumte er den Extratermin im renovierten Ratssaal an. Für die Verwaltungsspitzen liegen die Dinge auf der Hand: Man empfiehlt eine Sanierung für rund 600 000 Euro (Variante A, Teilerneuerung der Holzstämme, Fuß- und Kopfpunkte, auch mit Stahlkontrsuktionen).
Das Herzstück der Erlebniswelt
Auch für die SPD ist die Sache klar: „Das Big Tipi ist das Herzstück der Erlebniswelt Fredenbaum“, sagt Friedhelm Sohn. Es sei „fiskalisch absurd, wenn wir mehr Geld zurückzahlen müssten, als uns die Reparatur kosten würde.“ Kurzum: „Wir müssen sanieren, da müssen wir jetzt durch“, so der Kinder- und Jugendexperte der SPD.
Das sieht man bei der CDU ganz anders. Der ehemalige CDU-Fraktionschef Ulrich Monegel bringt es so auf den Punkt: „Das ist doch Wahnsinn. Da machen wir nicht mit.“ Die Förderpolitik der EU sei höchst zweifelhaft, wenn man bedenke, wie stark sich Deutschland finanziell für die EU einsetze. Aus Monegels Sicht müsse der „erpresserische Akt noch abschließend geklärt werden.“
Erst nach der Wahl
Heißt: Die Rückzahlungspflicht juristisch genau durchleuchtet und auf ihre Stichhaltigkeit geprüft werden. Und dafür „sehe ich keinen Zeitdruck“, sagt Monegel mit Blick auf das anstehende Treffen mit dem Landesbeauftragten Harald Heinze Ende Juli. Das Thema könnte auch vom neuen Rat in aller Ruhe angegangen werden...
Wenig überzeugt ist auch die FDP von den „Sachzwängen“: „Was fehlt, ist eine nachvollziehbare juristische Begründung, warum die Stadt einer 20-jährigen Zweckbindungsfrist für die Sanierung des Big Tipi unterliegen soll, obwohl klar war, dass das Zelt nur wenige Jahre halten kann“, so Lars Rettstadt. „Was wäre, wenn es die Stadt darauf ankommen lassen würde? Dann müsste ein Gericht für Klarheit sorgen“, hält Rettstadt ein Rechtsgutachten für sinnvoll. Um die Situation zu klären, hatte die FDP empfohlen, das Thema erst nach der Wahl anzugehen.
04:08
Wir stehen hier vor einem klassischen Dilemma: Egal für welche Möglichkeit sich der Rat entscheiden wird – die Magenschmerzen bleiben.
Reißen wir dieses Zelt ab, zahlt die Stadt Dortmund 2,1 Mio Euro Förderung zurück. Gut, das müsste noch genau juristisch geprüft werden, aber unterstellen wir das mal als realistische Hypothese.
Sanieren wir das Objekt, zahlen wir auch Geld: 600.000 Euro sind ja auch eine Hausnummer. Und bei dieser zweiten Alternative können wir nur beten, dass dieses Zelt ohne weitere Großreparatur das Ende seiner Zweckbindungsfrist erlebt. Ist das realistisch? Wir reden von einem Zelt: Welche Zeltplane hält bei Wind und Wetter, bei Schnee im Januar und Sonne im Juli schon 20 Jahre?
Aktuell sollten wir uns für die zweite Alternative entscheiden, das Big Tipi leise verschwinden lassen und die 2,1 Mio Euro unter Lehrgeld verbuchen.
Und für die Zukunft sollten wir bei geförderten Projekten wesentlich genauer hinsehen. Dann macht sich das Lehrgeld vielleicht bezahlt.
22:32
Könnte mal jemand - wirklich fachlich fundiert und schlüssig - erklären, warum die Instandsetzung der Stützen des Grosszeltes - ohne Austausch der Zeltplane - 600 000 Euro (!) kosten soll?