Darmkrebs im Blut nachweisbar
21.09.2009 | 21:00 Uhr 2009-09-21T21:00:00+0200
Dortmund. Darmkrebs ist die zweithäufigste bösartige Tumorerkrankung in Deutschland. Jedem Menschen ab 55 Jahren werden Darmspiegelungen dringend empfohlen - und auch von der Kasse erstattet. Doch die Vorsorge läuft äußerst schleppend.
Jetzt bietet das Dortmunder Medizin-Labor Eberhard und Partner als eines der ersten in Deutschland einen Test an, bei dem Darmkrebs im Blut festgestellt werden kann.
Das Diagnose-Unternehmen Epigenomics aus Frankfurt teilte gestern mit, dass vier Labore am 1. Oktober einen Darmkrebs-Bluttest auf Basis des patentgeschützten Biomarkers „mSEPT9” einführen werden. Darunter auch Dr. Eberhard & Partner.
Klinische Studien
Nach Angaben von Epigenomics ist „in zahlreichen klinischen Studien mit insgesamt mehr als 3000 Teilnehmern ” gezeigt worden, „dass die methylierte DNA des Septin9-Gens in Blutplasma ein aussagekräftiger Indikator für das Vorhandensein von Darmkrebs ist”.
Auf dieser Grundlage sei es möglich geworden, Tests für die Früherkennung von Darmkrebs zu entwickeln, die lediglich einer einfachen Blutprobe bedürfen. Damit könnte die größte Hürde in der Darmkrebs-Früherkennung überwunden werden, die mangelnde Akzeptanz bei Patienten. Darmkrebs-Vorsorge wird in Deutschland ab dem 50. Lebensjahr empfohlen und auch von privaten und gesetzlichen Krankenkassen erstattet. Den Patienten wird anfänglich ein jährlicher Stuhltest, der unsichtbares Blut im Stuhl nachweist empfohlen. Ab dem 55. Lebensjahr wird zu einer ambulanten Darmspiegelung geraten, die nach zehn Jahren wiederholt werden sollte.
Vorsorge-Muffel
Trotz dieser Empfehlungen nimmt die Mehrheit der Deutschen über 50 Jahren an keinerlei Darmkrebs-Vorsorge teil, mit der Folge, dass Darmkrebs meist erst in späten Stadien mit Beschwerden diagnostiziert wird, in denen die Chancen auf Heilung bereits deutlich gesunken sind.
Ein Bluttest für die Früherkennung von Darmkrebs, der leicht in einen jährlichen Gesundheits-Check integriert werden kann und keine weitere Belastung für die Patienten darstellt, würde besser akzeptiert werden.
»Nicht jeder Patient kann sich den Test leisten«
„Die meisten Menschen wissen inzwischen, dass es Vorsorgeuntersuchungen gibt und halten sie auch für gut und sinnvoll. Das Dilemma: für sich selbst nehmen sie diese nicht in Anspruch”, bedauert Prof. Dr. Jürgen Riemann, Vorsitzender der Stiftung Lebensblicke, einer Organisation, die sich für die Darmkrebs-Vorsorge einsetzt.
Dr. Ulrich Finckh vom MVZ Dr. Eberhard & Partner bestätigt, das neue Verfahren in Kürze einzusetzen, warnt jedoch vor zu übertriebener Euphorie. Zum einen stehe eine wichtige Studie noch aus. Zum anderen werde der eher teure "mSEPT9"-Test nicht von der Krankenkasse übernommen. Es könnte sich also nicht jeder Patient den ca. 200 Euro teuren Test leisten, gibt Finckh zu bedenken. Tests in der Tumorvorsorge seien nur so gut wie das durchführende Labor und die ärztliche Kompetenz.
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