"Crashtest Nordstadt" - Schauspielprojekt für die Dortmunder Nordstadt
08.06.2012 | 20:07 Uhr 2012-06-08T20:07:00+0200
Dortmund. „Ich will doch wissen, was hier los ist in der Nordstadt.“ Zeynep Seker lacht ihr breites, warmes Lachen – ein Lachen, mit dem sie und ihre Zwillingsschwester Emine Turhan wahrscheinlich jedes Herz in zwei Minuten erobert haben. Für die beiden Türkinnen war völlig klar, dass sie beim Schauspiel-Projekt „Crashtest Nordstadt“ dabei sein müssten: Die Nordstadt ist ihre Welt.
„Ich will doch wissen, was hier los ist in der Nordstadt.“ Zeynep Seker lacht ihr breites, warmes Lachen – ein Lachen, mit dem sie und ihre Zwillingsschwester Emine Turhan wahrscheinlich jedes Herz in zwei Minuten erobert haben. Für die beiden Türkinnen war völlig klar, dass sie beim Schauspiel-Projekt „Crashtest Nordstadt“ dabei sein müssten: Die Nordstadt ist ihre Welt.
Das Schauspiel Dortmund und Regisseur Jörg Lukas Matthaei wollen dem Wesen der Nordstadt in einer Art Außenrallye mit echten Bewohnern auf die Spur kommen. Und wenn man der Nordstadt etwas wünschen darf, dann wohl, dass Zeynep Seker und Emine Turhan ihre Zwillingsseele sind.
Seit 20 Jahren leben sie in Dortmunds Brennpunkt. Gewünscht haben sie sich das nie. 15 waren die beiden, als der Vater endgültig entschied, nicht nur im Ruhrgebiet zu arbeiten, sondern auch hier zu leben. Emine und Zeynep wehrten sich mit Händen und Füßen. „Wir haben hier keine Zukunft für uns gesehen“, sagt Emine Turhan.
Dortmund hatte auch keinen Willkommensgruß für sie parat: Keiner kannte den anderen, keiner grüßte, sie waren die einzigen mit Kopftuch, die Häuser sahen alle gleich aus. „Wir haben nicht einmal unsere Eingangstür erkannt.“ Keine Heimat, kein Zugang.
Pragmatisch
Emine und Zeynep allerdings sind von pragmatischer Natur. Sie haben sich darauf gestürzt, Deutsch zu lernen. Und in Dortmund einen Alltag aufzubauen: Zeynep erst als Näherin, Emine als Friseurin, dann beide in einer Schokoladenfabrik. Längst ist die Nordstadt die Heimat für ihre eigenen Familien – und die Türkei ein ferner Traum. „Wir sind hier Ausländer und da wären wir es auch“, stellt Zeynep trocken fest.
Und doch sagt Emine: „Ich bin Nordstädterin. Eine andere Gegend kann ich mir nicht vorstellen – aber eine andere Gegend kenne ich ja auch nicht.“ Wieder dieses einnehmende Lachen. Emine und Zeynep sehen die Kriminalität, die Drogen, die Prostitution – aber auch die gewachsene Toleranz und die Gemeinschaft. Sie wünschen sich von den Theaterbesuchern: „Lernt uns erstmal kennen – dann könnt ihr immer noch sagen, die Nordstadt ist blöd.“
Für sie selbst waren die Proben ein Riesenspaß. Auch wenn sie sich bei den Theaterleuten fragen, ob irgendwer von denen Familie hat: „Die sind schon da, wenn wir kommen und bleiben noch, wenn wir gehen.“ Fieberhaft warten sie auf die Premiere, die übrigens für Emine eine besondere Herausforderung bereit hält: Sie spielt einen Rapper. „Sie heißt Emine – und soll Eminem spielen“, sagt Zeynep. Und schüttet sich aus vor Lachen.