Das aktuelle Wetter Dortmund 8°C
Interview

Comics sind die Leidenschaft von Bastian Sick

17.02.2011 | 18:14 Uhr
Comics sind die Leidenschaft von Bastian Sick
Bastian Sick, fotografiert im Konzerthaus Dortmund. WR-Bild: Ralf Rottmann

Dortmund.Er gilt als Wächter der deutschen Sprache, sammelt seit vielen Jahren Fundstücke aus dem unendlichen Schatz sprachlicher Irrtümer: Bastian Sick. Am 10. März kommt er mit seiner neuen Sammlung „Nur aus Jux & Toleranz“ ins Konzerthaus Dortmund. Redakteur Andreas Winkelsträter sprach mit ihm.

INFO
„Nur aus Jux & Tolleranz“

– Bastian Sick wurde am 17. Juli 1965 in Lübeck geboren.

– Er ist Journalist, Lektor und Übersetzer, bekannt durch seine Spiegel-Kolumne „Zwiebelfisch“ und die Reihe „Der Dativ ist dem Genitiv sein Tod“.

– Mit seiner Show „Die größte Deutschstunde der Welt“ in der Lanxess-Arena Köln wurde Sick ins „Guiness-Buch der Rekorde“ aufgenommen.

– „Nur aus Jux & Toleranz“ heißt sein Programm am 10. März 2011, 20 Uhr, im Konzerthaus.

– Dann präsentiert er auch Neues aus seinem Buch „Hier ist Spaß gratiniert“.

– Tickets von 13 bis 32 Euro.

– www.bastiansick.de

Wie kam es dazu, dass Sie sich so intensiv mit der deutschen Sprache beschäftigen? Haben Sie da eine Marktlücke entdeckt?

Bastian Sick: Ich bin damals mit ganz unwirtschaftlichen Gedanken da herangegangen. Mein Interesse an der Sprache ist in einer Liebe zur Sprache begründet. Sobald ich schreiben konnte. In der dritten, vierten Klasse habe ich begonnen, Geschichten zu schreiben. Und ich habe gleich sehr früh ein Interesse für die Regeln entwickelt. Das hat mich als Kind schon fasziniert. Ich habe jetzt ein Heft gefunden, das ich selbst angelegt habe. Da steht „Gramahtik“ drauf. Daraus kann man zwei Sachen ableiten. Zum einen habe ich angenommen, Gramahtik hätte „mit sich grämen“ zu tun. Und zum Zweiten: Sie hält auch viel aha-Erlebnisse bereit, wenn man hinter ihre Geheimnisse steigt.

Geht’s mit der deutschen Sprache bergab?

Zweifelsohne hat sich das Schulsystem verändert. Seit den 70er Jahren hat man sich schrittweise vom Grammatikunterricht verabschiedet. Aber nur darauf zu vertrauen, dass die Schulkinder das von zu Hause vermittelt bekommen, genügt nicht. Denn zu Hause wird häufig zu wenig gesprochen. In vielen Familien stellt der Fernseher die hauptsächliche Kommunikationsquelle dar. Auch die Technik hat sich verändert. Heute kann jeder selbst am Computer seine Mitteilungen verfassen. Sie hängen dann unkorrigiert aus. Das nenne ich die Entprofessionalisierung der Sprache. Früher war die geschriebene Sprache den Profis vorbehalten. Heute kann das jeder machen. Und deshalb geraten auch so viele Fehler in den Umlauf. Das hat es auch früher gegeben. Nur damals konnten die Menschen diese Dinge nicht ausdrucken und verbreiten. Und deshalb denken wir, die Sprache geht den Bach runter. Das geht sie aber nicht. Vielleicht entwickelt man ja noch eine Software, dass Anzeigen bei eBay automatisch korrigiert werden. Denn ein Modelleisenbahner weiß schon, wenn er eine bestimmte Lokomotive sucht, dass er auch unter „Lockomotive“ nachschauen muss.

Sprache entwickelt sich ja auch. Gibt es derzeit Modeerscheinungen?

Es gibt immer Entwicklungen, die auch mal die Oberhand gewinnen. Dazu gehört die Verabschiedung des Nebensatzes hinter weil und obwohl. Es gibt viele, die hinter weil einen Hauptsatz bilden. Viele sagen heute nicht „weil das so ist“ sondern „weil das ist so“. Natürlich werden auch Anglizismen übernommen, ohne dass man sie in Frage stellt. Aber ich will ja nicht einen gewissen Sprachgebrauch verbieten. Ich will Menschen nur sensibilisieren.

Was würden Sie heute machen ohne den stetig wachsenden Erfolg?

Gute Frage. Ich glaube, ich wäre immer noch Schlussredakteur. Mein Chef, Mathias Müller von Blumencron, hat mal gesagt, wenn er mich nicht entdeckt hätte, dann hätte es ein anderer getan. Ich weiß es nicht. Wenn einer wirklich Talent hat und schreiben kann, dann bricht er sich auch andere Bahnen.

Viele Menschen lesen Ihre Bücher. Was lesen Sie? Steht bei Ihnen zu Hause ein Duden neben dem anderen?

Im Büro stehen mehrere Regalmeter mit Nachschlagewerken. Das wächst auch ständig an. Da muss ich schon mal aussortieren. Doch ich habe auch bewusst ältere Werke, um zu schauen, wie sich das alles verändert. Denn der Duden, der macht auch mal Fehler oder ändert seine Meinung aufgrund neuer Erkenntnisse. In meiner Wohnung habe ich Belletristik stehen. Da stehen Romane, Reiseführer, meiner Reisen natürlich auch. Max Gold oder auch Axel Hacke, Kolumnenbücher. Und auch viele Comics. Comics waren immer meine Leidenschaft. Auch heute noch bin ich gerne ein Comicleser.

Andreas Winkelsträter

Facebook
 
Kommentare
Trackbacks

Die Trackback URL zu diesem Artikel ist: http://www.derwesten.de/services/trackbacks/article/4295804/create

UMFRAGE

Sollen Stehplätze in Fußballstadien abgeschafft werden?

 
Aktuelle Fotos und Videos
Layla Zoe in Dortmund
Bildgalerie
Piano
Hitze am Phoenix-See
Bildgalerie
Wetter
Achtung, Dortmund — hier droht Bußgeld!
Bildgalerie
Bußgeld-Katalog
Aus dem Ressort
Zum Geburtstag ein Mammut
Naturkundemuseum
Sie wollen mit Dr. Dr. Elke Möllmann den 100. Geburtstag des Naturkundemuseums feiern? Kein Problem: Kommen Sie am nächsten Sonntag doch einfach vorbei – der Eintritt ist frei. Sie wollen ein Geschenk mitbringen? Dann besorgen Sie schon mal ein paar Meter Geschenkpapier.
Polizei Dortmund sucht Zeugen für Unfallflucht
Polizei
Ein bislang unbekannter Autofahrer hat am Samstagmorgen einen 23-jährigen Fußgänger aus Dortmund angefahren und flüchtete anschließend. Das Unfallopfer wurde zur stationären Behandlung in ein Krankenhaus gebracht.