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Chris Rea - rauer Blues statt seichter Pop

09.03.2010 | 15:54 Uhr
Chris Rea in der Westfalenhalle Dortmund (6. März 2010).
Chris Rea in der Westfalenhalle Dortmund (6. März 2010).

Dortmund. Seit Chris Rea den Krebs besiegt hat und dem Tod von der Schüppe gesprungen ist, spielt er nur noch das, was er wirklich will - den Blues. Vor 6000 Fans in der Westfalenhalle hat er gezeigt, dass die seichten Pop-Gewässer endgültig hinter ihm liegen.

Chris Rea segelt nun in der rauen See des Blues. Etwas anderes kommt für seine Stimme wohl auch nicht mehr infrage, an der man erkennen kann, dass er in den letzten Jahren viel durchgemacht hat.

Chris Rea - aus seichten Pop-Gewässern in die raue See des Blues.

Auch seine altbekannten Hits sind gereift. Die Weichzeichner-Produktion der 80er-Jahre gehört ebenfalls der Vergangenheit an: Schnörkellos und erdig erklingen „Josephine“ und „On the Beach“. Das Bluesgewand ist für die vermeintlichen Schmusesongs recht kleidsam. Blau ist auch die Farbe von Chris Reas Gemälden, die er beim Überwinden seiner Krankheit geschaffen hat und die nun den Bühnenhintergrund gestalten. Dort säumen Gitarren, aufgereiht wie Telegrafenmasten, eine endlose Landstraße bei Vollmond und verdeutlichen das Tour-Motto: „Still so far to go“.

Ende des Weges lange nicht erreicht

Der 59-Jährige hat das Ende seines Weges noch lange nicht erreicht und das, obwohl er 2006 seinen Abschied von der Bühne verkündet hatte. Nun ist er wieder da – nachdenklicher, introvertierter. Für die Zuschauer bedeutet dies ein Wechselbad der Gefühle. Selbstvergessen, als spiele er allein im weiten Rund, gibt Rea sich minutenlangen Slideguitar-Orgien hin und lässt „Pinky“ sprechen. Und was seine Stratocaster sagt, klingt nach Katharsis: wütende Schreie, heiseres Kreischen und klägliches Heulen, das die Zuschauer erschaudern lässt.

Dann, als hätte er seine 6000 Fans erst gerade bemerkt, gibt der Brite den Entertainer, tänzelt am Bühnenrand und schickt mit seiner Gitarre imaginäre Stromstöße in die Menge, während seine exzellenten Musiker den Rhythmus liefern. Dann werden die roten Klappsitze im Innenraum überflüssig. Die Hüften kreisen, die Hände klatschen den Takt.

Sparsam mit den alten Hits

Mit seinen alten Hits geht der Brite sparsam um. „Road to Hell“, „On the Beach“ und „Let’s dance“, bilden den Schlussakkord, bei dem Ausgelassenheit herrscht. Danach kommt leider nichts mehr, obwohl das Publikum noch minutenlang ob einer Zugabe verharrt. Himmelhoch jauchzend und zu Tode betrübt - das ist der Blues.

Jens Wege

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Kommentare
10.03.2010
09:09
Chris Rea - rauer Blues statt seichter Pop
von schnute612 | #1

Hallo Herr Wege, man merkt, daß sie da waren, sie haben die Stimmung genau getroffen: Ein wunderbares Konzert, das leider etwas zu abrupt endete.

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