Chinesen klauen Kunststoff-Idee aus Brackel
12.02.2010 | 17:41 Uhr 2010-02-12T17:41:00+0100
Dortmunder. Das Unternehmen Murtfeldt aus Dortmund-Brackel hat ein mächtiges Problem: Eine chinesische Firma baut Produkte nach, das eigentlich aus der Feder Murtfeldts stammt. Bei den Dortmundern sind schon 10 000 Euro Rechtsanwaltskosten aufgelaufen - und die Chinesen haben nicht einmal reagiert.
Den alten chinesischen Denker in Ehren. „Wer große Meister kopiert, erweist ihnen Ehre“, soll Konfuzius mal gesagt haben. „Genug der Ehre”, könnte Detlev Höhner, Geschäftsführer des Unternehmens Murtfeldt, darauf antworten.
Er liegt mit der Shanghai Lilai Chain CO.LTD. im Streit. Wegen eines Plagiatvorwurfs: Lilai baut einen Kettenspanner nach, den Murtfeldt entwickelt hat. 10 000 Euro Rechtsanwaltskosten hat sich Murtfeldt bereits ans Bein gebunden: „Aber die haben noch nicht mal reagiert.”
Wohl und Wehe der Firma hängt noch nicht daran, weil Lilai vorwiegend in Asien verkauft, Murtfeldt aber eher in Europa. Dennoch: „Die ersten Plagiate sind schon auf Messen in Europa aufgetaucht.” Kopiert bis hin zum typischen Murtfeldt-Grün. Nur qualitativ noch nicht so gut.
Konkurrenz bietet erheblich günstiger an
Die Nachteile sind klar: „Wir haben die Entwicklungskosten und den Marketingaufwand. Die Chinesen bewegen sich zudem auf vorbereiteten Märkten.” Die Produkte seien eingeführt und bewährt. Nun hängt sich die Konkurrenz zu erheblich günstigeren Preisen daran und wird wenig später auch noch andere Komponenten kopieren.
Höhner weist auf den Kettenspanner. „Der ist noch schlecht”, meint er. Aber dass er qualitativ schlechter bleibt, ist nur eine Hoffnung. „Wenn die Japaner in den 70er Jahren etwas kopiert haben, hat es 20 Jahre gedauert, bis die Sachen auf dem Stand waren.” Heute in China sei das anders: „Da geht das in fünf. Dieses Land mit 1,3 Milliarden Menschen verfügt über eine derartiges Ingenieurpotenzial, dass die schnell neues Wissen draufsatteln.” Gewissermaßen auf jedes einzelne Produkt.
Meist suche sich die Konkurrenz Produkte aus, die einen relativ hohen Lohnanteil hätten. Arbeitsbedingungen und Produktionszeiten spielten kaum eine Rolle in Fernost, und die Löhne seien erheblich niedriger als in Deutschland.
Unternehmen müssen innovativ bleiben
Murtfeldt oder auch die anderen betroffenen Unternehmen hätten nur eine Chance gegen den Ideenklau. „Wir müssen innovativ bleiben, technisch immer einen Schritt voraus sein. Und wir müssen einen guten Service bieten.”
Nochmal zurück zur juristischen Auseinandersetzung. Michael Adel, IHK-Geschäftsführer für den Bereich Recht, hat Hoffnungen, dass sich Ansprüche in China bald durchsetzen lassen: „Es hat bereits einige Urteile gegeben.” Höhner ist da nicht so sicher. Die Prozesse dauerten oft Jahre. Bis dahin hätte die Konkurrenz die Kundschaft mit den billigen Nachbauten zugeschmissen. Bei den Arbeitsbedingungen in Fernost verspreche nur eine Organisation Hilfe. „Das Beste wär', wir würden mal unsere Gewerkschaften ausleihen”, meint er nicht ganz im Ernst.
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