CDU macht 25-jährigen Kanitz zum neuen Chef
07.11.2009 | 14:43 Uhr 2009-11-07T14:43:00+0100
Die CDU vollzieht einen radikalen Generationswechsel und wählt den 25-jährigen Steffen Kanitz zum Kreisvorsitzenden und neuen Hoffnungsträger.
Nach fast einem Viertel Jahrhundert endet gleichzeitig die Ära Erich G. Fritz, der unter stehenden Ovationen von den knapp 200 Delegierten im DAB-Brauersaal zum Ehrenvorsitzenden ernannt wurde.
Der Vorsitzende der Jungen Union Dortmund setzte sich klar mit 58 Prozent der Stimmen gegen die Mit-Kandidaten Klaus Wegener (29 Prozent) und Uwe Waßmann (13 Prozent) durch. In einer ersten Stellungnahme, direkt nach seiner Wahl, erteilte Kanitz einer großen Koalition eine klare Absage: „Schwarz-Rot wäre falsch”, so der gelernte Betriebswirt. „Nach den Skandalen der SPD bietet sich keine Zusammenarbeit an.” Und: „Wir sind nicht Mehrheitsbeschaffer für die SPD.” Kanitz möchte vielmehr auf die Grünen zugehen. Das Beispiel in mehreren Stadtbezirke zeige, dass es durchaus Gemeinsames gebe.
Schon als der amtsmüde 62-jährige Erich G. Fritz zum erstenmal den Namen von Kanitz nannte, zeigte der Applaus im Saal, wem die klaren Sympathien der Partei gelten. In seiner weitgehend frei vorgetragenen Bewerbungsrede vor den Kreisdelegierten setzte Kanitz auf eine Erneuerung. „Wenn die Partei Erfolg haben will, muss sie Bürgernähe zeigen”, so Kanitz. Er will dazu bereits bei der nächsten Sitzung am Montag eine Zukunftsausschuss gründen und den OB-Kandidaten Joachim Pohlmann mit dem Vorsitz beauftragen, um ihn an den CDU-Vorstand zu binden. Dieser Ausschuss soll eine „Vision 2020 für Dortmund” entwickeln.
„Stallgeruch” fehlt
Herausforderer Klaus Wegener hatte es kommen sehen. Ihm fehle wahrscheinlich noch der „Stallgeruch” meinte der Präsident der Auslandsgesellschaft in seiner Rede. Uwe Waßmann beklagte, dass die CDU aus dem Wahldebakel der SPD mit minus 55 000 Wählerstimmen keinen Nutzen ziehen können. Beide Unterlegenen zeigten sich als faire Verlierer und gratulierten sofort. Kanitz ist damit zumindest jüngster CDU-Kreisvorsitzender Deutschlands.
Stellvertreter wurden Sascha Mader (77%), Klaus Wegener (77%) und Claudia Middendorf (67%). Waßmann fiel auch hier als Kandidat durch.
Zunehmender Egoismus
In seiner rund einstündigen Abschiedsrede warf der scheidende CDU-Kreisvorsitzende Erich G. Fritz keinen verklärten Rückblick auf fast ein Vierteljahrhundert in dieser Funktion. Vielmehr wollte Fritz die Delegierten, vor allem aber die Parteimitglieder ohne Funktion wachrütteln.
Fritz warnte vor einer „Zuschauer-Demokratie”, in der immer mehr Bürger - auch in den eigenen Reihen - nicht mehr bereit seien, Verantwortung zu übernehmen. Besonders ärgern ihn dabei jene egoistischen Zeitgenossen, die eine selbstsüchtige Erwartung an die Partei herantragen und dann, wenn diese nicht erfüllt werde, der CDU wieder den Rücken zukehren. Dadurch sehe er sogar die Demokratie in Gefahr.
Handwerk in Verantwortung
Ausdrücklich forderte Fritz die Handwerker und Unternehmer auf, politisch Verantwortung zu übernehmen. „Wir brauchen doch mal wieder einen Handwerker im Rat”, forderte er.
Im Wesentlichen prügelte Fritz aber auf die Genossen ein. SPD stehe in Dortmund für Sierau, Prüsse, Drabig. „Man will sich mit denen geistig duellieren”, so Fritz, „aber man stellt fest, die sind unbewaffnet”. Wenn dem CDU/FDP-OB-Kandidaten Joachim Pohlmann mangelnde Kompetenz gerade von denjenigen vorgeworfen worden sei, die nur einen Tag nach der OB-Wahl ein Riesendefizit einräumen müssen, werfe das ein bezeichnendes Licht auf den „gut bezahlten Verwaltungschef, der nicht im Bilde gewesen” sei.
Zum Punkt Koalitionsgespräche meinte der scheidende CDU-Kreisvorsitzende: „Wir laden die Grünen ausdrücklich ein, es zu tun.” Stehende Ovationen erhielt Fritz erst nach seiner Abschiedsrede, später dann nochmal bei seiner Nominierung zum Ehrenvorsitzenden.
»Mit uns wird's kein Sozialticket geben«
CDU-Fraktionsvorsitzender Frank Hengstenberg versprach, sich kurz zu fassen. Seine Position: „Wir brauchen am Flughafen keine weitere Entwicklung. Das zeigt die aktuelle Marktlage.” Zum Sozialticket: „Mit uns wird's kein Sozialticket geben.” (Das sieht Steffen Kanitz differenzierter, siehe „Drei Fragen an”). Und zum Haushaltsdefizit: „Nichts ist schlimmer, als Rot-Grün Geld in die Hand zu geben.”
15:21
Auch wenn ich nie CDU wähle,
die haben es einfach kapiert und die SPD
mit Sirau,Drabig,Kraft usw. kapieren es nie,
diese Personen reiten die SPD weiter ins Verderben...
10:43
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07:03
Hat der schon Abi?
16:56
Das Herrn Wegener der Stallgeruch im CDU Kreisverband fehlt, mag schon sein. Anderer-
seits kandidierte er schon 1994 in Eving für ein Ratsmandat und war nach der Kommunsalwahl an der Basis nicht mehr gesehen. Wer sich zu schade ist oder zuwenig Zeit hat, die Ochsentour an der Basis zu beginnen und durchzuhalten, den mag man verstehen. Andererseits kann es auch nicht sein, dass die dummen Plaketekleber an der Basis zur Seite treten müssen, wenn jemand Besseres kommt, der natürlich für die Alltagsarbneit keine Zeit oder Lust hat.