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Casting für den "Tatort" — Einmal Leiche spielen, bitte!

24.02.2013 | 15:02 Uhr
Casting für den "Tatort" — Einmal Leiche spielen, bitte!
Riesen-Andrang beim Casting für den Dortmunder Tatort vor und im Lichtspiel und Kunsttheater Schauburg am Samstag in Dortmund.Foto: Jakob Studnar / WAZ FotoPool

Dortmund.   In Dortmund wurden am Samstag Statisten für einen Tatort-Film gesucht. Gut tausend Bewerber kamen, sie scheuten weder Kälte noch langes Warten – um eine kleine Rolle in einem TV-Krimi zu ergattern. Dabei gibt’s für ein Engagement nicht einmal viel Geld.

Lisa, Mike und Jennifer sind früh aufgestanden. Schon vor neun Uhr. Für Studenten also mitten in der Nacht . Jedenfalls am Wochenende. Ging aber nicht anders. Denn die drei wollen ins Kino. Zum Film. Oder zum Fernsehen. Ist egal. Gut tausend andere wollen das auch, wollen zum Casting und sich bewerben als Statisten für den Tatort. Zur Not auch für andere Produktionen. Das erklärt die Menschentraube, die sich an diesem Samstag vor der Schauburg an der Dortmunder Brückstraße gebildet hatte.

Windig ist es hier und kalt. Temperaturen um null Grad, gefühlt auch zehn Grad kälter, bei leichtem Schneefall. Und es dauert, geht nicht voran. „Vorgeschmack“ wird Gregor Weber von der Casting-Agentur Eick das später nennen und warnen: „An Drehtagen muss man manchmal viel länger warten.“

Statisten bekommen "um die 50 Euro"

Doch damit kann er keinen schrecken. Rot sind viele Wangen, blau gefroren zahlreiche Hände. Mancher wankt, niemand weicht. Und das in einem Land, wo sonst schon nach zwei Minuten lautstark protestiert wird, wenn beim Discounter bei mehr als drei Kunden nicht eine zweite Kasse geöffnet wird. Die Aussicht auf Kamera, Licht, Action, so scheint es, macht leidensfähig.

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Am Geld, das es bei einem Engagement gibt, kann es jedenfalls nicht liegen. „Um die 50 Euro“, erhält man laut Weber pro Drehtag. „Davon wird man nicht reich.“ Vielleicht aber berühmt. „Das steckt bei vielen in den Hinterköpfen“, hat der Caster immer wieder gemerkt. Doch das will er nicht fördern. Weil es zwar „nicht ausgeschlossen, aber sehr, sehr unwahrscheinlich ist“.

"Hauptsache, kurz im Bild"

Draußen ist mittlerweile Matthias Lindblom vorgeradelt. Hinten im Anhänger des Fahrrads sitzt Jason, sein siebenjähriger Jack-Russell-Terrier. Lindblom hat keine großen Ambitionen. „Einmal kurz durch das Bild huschen würde mir schon reichen.“ Dem Hund traut er ganz andere Dinge zu. „Der kann die ganze Nation unterhalten“, glaubt der 52-jährige Dortmunder, weil: „Den wollen auch immer alle streicheln.“

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Ansonsten sind die Erwartungen unterschiedlich. „Hauptsache kurz im Bild“, sagt Peter Färber . „Was sprechen wäre auch ganz nett“, findet Charlotte (24). Bei Lenas Wunschrolle allerdings schwierig. „Einmal Leiche spielen fände ich cool.“

„Muss ich jetzt was vorführen?“

Mittlerweile sind die ersten im Kino. „Muss ich jetzt was vorführen“, fragt Sabine Schulz. Muss sie nicht. Nur einen Zettel ausfüllen. Name, Adresse, Konfektions- und Schuhgröße, ob sie zeitlich flexibel ist und ein Auto hat. Und besondere Eigenschaften. „Kann Geige spielen“, schreiben manche, oder: „bin ein guter Tänzer“. Manchmal steht auch „einbeinig“ in der Spalte, oder: „mir fehlt ein Arm“. Das ist kein Hinderungsgrund. Man möge ihn jetzt bitte nicht falsch verstehen, sagt Weber: „Aber für einen Kriegsfilm sind solche Leute ideal.“

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Hinten im Saal werden jetzt zum Abschluss Fotos gemacht. Wieder warten also. Ingeborg aus Lünen kennt das schon. 80 ist sie, geht aber mühelos für zehn Jahre weniger durch. Viel Lebensfreude hat sie und viel Zeit. Deshalb tingelt sie gerne durchs Fernsehen. „Ich war schon in vielen Nachmittags-Talkshows.“ Tauschoma bei RTL2 war sie auch. „War toll.“ Jetzt will sie zum Tatort. Gerne auch was sagen. „Aber nicht nach Drehbuch. Lieber so, wie ich immer rede. Sonst wirkt das so gekünstelt.“ Ihre Chancen stehen nicht schlecht, glaubt sie. „Ich bin ein bisschen bekloppt. Und Bekloppte suchen sie immer beim Fernsehen.“

Wenn der "Tatort" läuft, sind Leonardo und Melissa im Bett

Vor der Bühne, wo die Fotografen warten, kämmen sich Männer noch mal schnell die Haare, Frauen frischen den Lippenstift auf. Verständlich, aber eigentlich unnötig. „Wir suchen keine Models“, stellt Weber klar. „Wir suchen Typen.“ Kleine, Große, Dicke, Dünne, Hübsche, Hässliche. „Einen Querschnitt, wie im Leben.“

Sind die Fotos geschossen, geht es am Hintereingang des Kinos wieder raus. „Wir melden uns“, sagen Webers Leute. Vielleicht schon nächste Woche, vielleicht auch erst in ein paar Monaten. Für Leonardo und Melissa wäre wohl auch später noch in Ordnung. Sieben Jahre sind die Zwillinge und wenn sie lächeln, blitzen ihre Zahnspangen um die Wette. Klar würden sie gerne ins Fernsehen kommen, sagt die beiden. Dumm ist nur, dass sie sich da gar nicht sehen würden. „Wenn der Tatort kommt, liegen wir ja immer schon im Bett.“

Andreas Böhme



Kommentare
25.02.2013
08:38
Casting für den
von Chrissie87 | #5

Meine Güte, wie kann man denn nur so viel rum meckern....

24.02.2013
19:54
Casting für den
von Wickede41 | #4

Statt Statisten sollte die ARD lieber einen neuen KHK mit neuem Hauptdarsteller suchen. Der alte sitzt nämlich in der geschlossenen Psychiartrie, nachdem er beim letzten Tatort seine Büroeinrichtung samt PC zerschlagen hat!

24.02.2013
18:56
Blockierter Kommentar.
Name von Moderation entfernt | #3

Dieser Kommentar wurde von einem Moderator blockiert.

24.02.2013
17:32
Casting für den
von darkblu2006 | #2

Um Gottes Willen selbst beim casten wird gespart ,ich habe früher 100 bis 150 Euro bekommen und das ist schon 10 Jahre her ...

24.02.2013
16:05
Casting für den ......die goldene ananas
von trickflyer | #1

dieses casting war unterirdisch.so was schlechtes hab ich noch nicht erlebt.schon weit vor ende der veranstaltung wurde der wartenden menge ein kleiner flyer in die hand gedrückt und tschüss.egal von welchem ende der welt man angereist war.seriös geht irgendwie anders.

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