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Toten Hosen

Campino singt beim Toten-Hosen-Konzert in Dortmund für seine Mutter

27.12.2012 | 18:00 Uhr
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Die Vergangenheit ist nicht weg: Noch immer gibt Frontmann Campino Gas.Foto: Ralf Rottmann

Dortmund.  Punkrock in der Westfalenhalle: Vor 12.000 Zuschauern spielten die Toten Hosen in Dortmund. Die Zuschauer bekamen Punkrock, Schlager und durchaus auch politische Töne zu hören. Ohne Stadion-Gefühle geht es bei Campino & Co. natürlich auch nie.

Erst mal sind die „Broilers“ dran. Dabei ist die Oi!- und Punkband aus Düsseldorf nicht zum Hallenputzen nach Dortmund gekommen. Sie spielt einen gradlinigen, knüppelharten und konzentrierten Punkrock, und viele Besucher, spürt man bald, wären auch allein dieser Broilers wegen in die Westfalenhalle gegangen.

12 000 Menschen beim Konzert

Doch die beiden Abende, zweiter Weihnachtstag und Tag danach, gehören den „Hosen“. Die gibt es seit nunmehr dreißig Jahren, doch nie war der Hosen-Hype so heftig wie heute. Im Publikum, jeweils 12 000 Menschen, jeweils ausverkauft, auch solche, die sich erinnern, wie Campino irgendwo im Gestänge über den Köpfen der Leute schwebte und kopfunter sang, bei vollem Risiko. Das muss 1989 gewesen sein. Das tut er sich nicht mehr an. Doch die Vergangenheit ist nicht weg. Sie steckt in den Liedern.

Die Toten Hosen in Dortmund

Aber erst einmal wird Ballast geschultert, der Ballast der Republik, der alte Parasit. Das Lied, ein politisches Lied, stellt die Befindlichkeitsverbindung vom Weltkrieg II zur Gegenwart her, sie singen: Es ist wie Pech, das an uns klebt. „Ballast der Republik“ hat auch der aktuellen CD den Namen gegeben.

Nur – einfach die CD so runterspulen und nachspielen ist Sache der Hosen nicht. Dazu ist schlicht der Fundus zu groß, die Fülle der Stücke zu breit. Außerdem ist Weihnachten, in der Arena ist die Weihnachtsmännermützenmenschen-Fraktion nicht zu übersehen, und ein klitzekleines, aber leuchtendes Bäumchen wandert durch die Menge Richtung Rampe. Dazu erklingt der Little Drummer Boy in Hart-Version, Kuddel (Andreas von Holst) krächzt mit Reibeisenstimme Still, still, still, weil’s Kindlein. . ., und Campino bedient die Triangel, ein Musiker-Spaß.

Campino
Campino geht Weihnachten gern in die Kirche

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Auch die Cover-Versionen gehören zum Hosen-Fundus, aus ihnen ist jetzt sogar eine eigene CD entstanden („Die Geister, die wir riefen“). In der Halle hören wir „Schrei nach Liebe“, auch so ein politisches Bekenntnis, eines von den alten Freunden und Rivalen, den „Ärzten“, und hören „Heute hier, morgen dort“, es ehrt die Hosen, dass sie den alten Hannes Wader ehren.

Ohne Stadion-Gefühle geht es bei Campino & Co. natürlich auch nie. „Tage wie diese“ darf also einfach nicht fehlen, doch die Band hebt sich den Hymnus für ziemlich spät auf.

Die wirklich ergreifenden Momente sind diese: Campino bittet zum Gedenken an seine Mutter, die an einem 26. Dezember, also an diesem Tag, gestorben ist. Er singt: „Immer, wenn ich dich besuche“ – und im weiten Rund gehen die Handy-Lichter an. Mit einem Mal, für ein Lied lang, ist Allerseelen.

Lief für die Flüchtlinge

Der andere Moment heißt „Europa“, das Lied besingt die Bootsflüchtlinge aus Afrika – und den Rest von ihnen. „Der Rest, der wird ersaufen / im Massengrab vom Mittelmeer.“ Ein Lied, das auch die Initiativen von „Pro Asyl“ unterstützt.

Ist „Tote Hosen“-Musik wirklich noch Punk-Musik, fragt ein kürzlich ausgestrahlter ARD-Film. Wie auch immer – wenn zweimal 12 000 Menschen all diese Lieder und ihre Botschaft mitsingen, mitsingen können, dann kann es eigentlich nur Volksmusik sein. Und das ist toll.

Rainer Wanzelius

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