Begehrte BVB-Karten bezahlt und nie bekommen
16.02.2012 | 07:04 Uhr 2012-02-16T07:04:00+0100
Dortmund. Wegen gewerbsmäßigen Betrugs in 55 Fällen muss sich seit Mittwoch ein 32-Jähriger vor dem Landgericht verantworten. Laut Anklage hatte er sich Fußballkarten bezahlen lassen, sie aber nie geliefert . Vorzugsweise ging es um heiß begehrte wie für das Derby BVB gegen Schalke.
Die Freude war unbändig groß bei den Fans, die im Internet unter „Ticketpiraten.de“ noch eine Karte für den Derby-Kracher Borussia gegen Schalke ergattert hatten. Oder gegen Bayern. Ganz zu schweigen vom letzten Saisonspiel gegen Frankfurt. Dann die Riesenenttäuschung: Sie hatten zwar viel Geld bezahlt, ins Stadion kamen sie allerdings nicht: Eine Karte haben sie nämlich nie bekommen.
Wegen gewerbsmäßigen Betrugs in 55 Fällen muss sich seit Mittwoch der 32-jährige ehemalige Betreiber der „Ticketpiraten“ auf der Anklagebank der 35. Großen Strafkammer verantworten. In drei Monaten, von Dezember 2010 bis Februar 2011, soll er sich insgesamt 10.500 Euro eingesteckt haben, ohne dass der Käufer im Gegenzug eine Karte bekam. Angeboten wurden Tickets für Spiele in der ganzen Bundesliga, vorzugsweise aber für heiß begehrte, schnell ausverkaufte Begegnungen.
Viele kauften die Karten als Weihnachtsgeschenke
Auffallend viele weibliche Kunden hatten kurz vor Weihnachten bei den „Ticketpiraten“ angeklopft: Sie alle waren glücklich, ihrem Liebsten ein tolles Weihnachtsgeschenk präsentieren zu können. Alle träumten schließlich von der Meisterschaft: Dem Freund oder Ehemann zu ermöglichen, dabei zu sein, mit zu jubeln, das war den Frauen schon eine hübsche Summe wert. Entsprechend groß war später die Enttäuschung.
Angeklagter wälzt Schuld auf die Ex-Freundin ab
Und der Angeklagte? Der sitzt zurzeit in U-Haft, wegen einer ähnlichen Sache ist er bereits zu einer Bewährungsstrafe verurteilt worden. Modischer Pulli, darunter ein blütenweißes Hemd, erzählt er ohne Punkt und Komma. Erzählt, dass er schon früher erfolgreich Karten verkauft hat – und das ganze Elend damit begonnen habe, als er seine mittlerweile von ihm getrennt lebende Freundin kennenlernte.
„Die ganzen Zahlungsvorgänge, die Buchhaltung, das hat alles sie gemacht. Und sie wurde dabei immer schlampiger.“ Er selbst habe ihr noch geraten: „Gib den Leuten das Geld wieder, so kannst du deinen A... retten.“ Der Prozess ist bisher bis März terminiert.
0mitdiskutieren