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BVB-Fans wollen Derby auf Schalke boykottieren

03.09.2010 | 18:03 Uhr
Dieses Motiv wird wohl am 19. September kaum zu sehen sein: BVB-Fans vor der Schalker Arena. Foto: Felix Hoffmann

Dortmund. Die Anhänger von Borussia Dortmund haben beschlossen, das Derby am 19. September in Gelsenkirchen zu boykottieren. Der Grund sind laut BVB-Fanorganisationen die stark angehobenen Ticket-Preise.

Fußball-Fans folgen ihrem Klub überallhin, fiebern mit Liebe und Leidenschaft mit. Ein freiwilliger Verzicht auf ein Derby? Undenkbar - eigentlich. Nicht so in dieser Saison. Da der FC Schalke die Kartenpreise für das Derby um 50 Prozent gegenüber dem normalen Tagespreis angehoben hat, haben die BVB-Fans einen Boykott der Partie beschlossen. So heißt es unter anderem im bekannten Fanzine schwatzgelb.de. „Die Schmerzgrenze ist überschritten“, sagt auch Marc Quambusch vom BVB-Fanclub „Borussen Sailors Hamburg“ und einer der Organisatoren des Boykotts.

Schalke-Fans fragen: Ja wo bleiben sie denn, die Anhänger des BVB?

Für einen Stehplatz verlangen die „Knappen“ in diesem Jahr 20 Euro, ein Sitzplatz im Gästeblock kostet bis zu 50 Euro - plus je zehn Prozent Vorverkaufsgebühr. Zahlreiche Fanclubs sowie die Ultra-Gruppierung „The Unity“ werden ihre Kartenkontingente nun nicht abrufen. Bereits gekaufte Karten werden an den BVB zurückgegeben, die Kosten werden erstattet. Keine Selbstverständlichkeit, findet Daniel Lörcher von „The Unity: „Es ist großartig vom BVB, da mitzumachen.“

Modalitäten noch klären

Die Entscheidung, nicht zum Derby zu fahren, fiel relativ kurzfristig. Vor der Abreise zum Spiel in Baku hatten sich Vertreter verschiedener Fanclubs getroffen und über einen möglichen Boykott diskutiert. Der Tenor: „Wenn viele mitmachen, ist es eine sinnvolle Aktion.“ Insgesamt rund 60 Fanclubs haben sich nun dem Boykott angeschlossen, darunter zahlreiche Gruppen, die normalerweise kein Spiel der Borussen verpassen.

Video
Die Iniative "Kein Zwanni für´n Steher" erläutert, warum einige BVB-Fans das Derby im September 2010 boykottieren.

Voraussetzung für die Boykott-Aktion war, dass der BVB bereits gekaufte Karten zurücknimmt und erstattet. Das ist den Fans gelungen. Insgesamt dürften weit über 1.000 Tickets an die Borussia zurückgehen. Fans, die sich am Boykott beteiligen, müssen dann ihre Karte an den BVB schicken und bekommen dann den Kaufpreis per Überweisung erstattet, inklusive der Vorverkaufsgebühr, aber ohne etwa angefallenes Porto.

Große Nachfrage

Allerdings ist offen, wie groß die Lücken in der Arena letztlich sein werden. Denn die zurückgegebenen Tickets wandern wieder in den freien Verkauf. „Wir als Borussia Dortmund boykottieren ja nicht den FC Schalke“, erklärt Matthias Naversnik, Leiter des Ticketing beim BVB. Naversnik rechnet damit, dass zahlreiche Fans die Rückläufer kaufen werden: „Die Nachfrage ist nach wie vor groß“.

Um einen gähnend leeren Gästeblock geht es den Boykott-Organisatoren auch gar nicht. „Wir müssen ein Zeichen setzen“ so Marc Quambusch. Der Boykott richte ich auch keinesfalls gegen die Fans des FC Schalke. „Die Blauen sind genauso Opfer wie wir“, stellt der Hamburger fest. Das sieht auch Daniel Lörcher so und hofft auf Gelsenkirchener Beteiligung: „Es wäre absolut genial, beim Derby zusammen ein klares Zeichen zu setzen. Wir haben ja sonst nicht so viel gemeinsam.“ Letztlich säßen die Fans in einem Boot. „Gerade Schalke und der BVB haben viele auswärtige Fans, die ohnehin schon hohe Reisekosten haben. Ein Schüler oder Student kann sich bei solchen Preisen einfach keinen Stadionbesuch mehr leisten“, fürchtet Quambusch und sieht sieht ein wichtiges Gut in Gefahr: „Der Fußball verbindet alle Schichten. Das macht man mit solchen Preisen kaputt.“

Top-Zuschlag auch in Dortmund

Der Gästeblock in der Schalker Arena soll leer bleiben – zumindest fast. Foto: schwatzgelb.de

Allerdings verzichten die Dortmunder dabei auf horrende Top-Zuschläge. Dennoch: Auch die Borussen nehmen für die Gastspiele von Bayern München, Schalke, Werder Bremen, des Hamburger SV, von Borussia Mönchengladbach und des 1.FC Köln einen Top-Zuschlag in Höhe von 20 Prozent des normalen Kartenpreises. Dazu hat auch der BVB bislang vor benahe jeder Saison die Preise erhöht. Doch Lörcher relativiert: „Der BVB bemüht sich ja jedes Jahr, die Preise nur moderat zu erhöhen. Außerdem schafft er im Gästebereich mehr Stehplätze. Das sind Verhältnisse, die wir uns als Gäste woanders auch wünschen würden.“

Suche nach Public Viewing

Dass die Fans nun ausgerechnet beim Derby ihre Mannschaft allein lassen, ist für die Anhänger ein notwendiges Übel. „Natürlich ist es schade, dass wir die Mannschaft an diesem Tag nicht unterstützen können“, gibt Quambusch zu. Letztlich sei es aber wichtiger, langfristig für eine gerechte Preispolitik zu kämpfen.

Das scheint der große Rest der Fanszene auch so zu sehen. Das Feedback in Internet-Foren ist positiv. Das Derby will sich allerdings dann doch keiner entgehen lassen. Die Fans suchen nach einer Gelegenheit, sich in Dortmund zum Public Viewing zu treffen. Allein schon, um ein Zeichen zu setzen und zu zeigen, wie viele Fans nicht zum Derby gefahren sind.

Stefan Reinke

Kommentare
11.09.2010
08:07
BVB-Fans wollen Derby auf Schalke boykottieren
von HSK_WW | #244

Sehr qualifizierte Kommentare hier!!!

Esst mehr Chappi, da ist Hirn drin!!!

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BVB-Fans wollen Derby auf Schalke boykottieren
BVB-Fans wollen Derby auf Schalke boykottieren
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2010-09-03 18:03
Dortmund