BVB-Fans besuchten KZ in Dachau

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Dortmund/München.. Der Sieg des BVB beim FC Bayern war für viele Fans ein unvergessliches Erlebnis. Für einige junge Anhänger hatte die Reise nach Bayern allerdings auch einen pädagogischen Anlass: Sie besichtigten das ehemalige KZ Dachau.

Zum vierten Mal boten BVB-Fanbeauftragte, Fanabteilung und das Dortmunder Fanprojekt gemeinsam eine Fahrt für junge Fans an. Neben dem Besuch des Spiels sollte es aber auch um ernste Themen gehen.

Seit 2008 besuchen auf Initiative der Fanbeauftragten jährlich junge BVB-Fans eine der vielen KZ-Gedenkstätten in Deutschland, um hier einerseits etwas über die Geschichte unseres Landes zu lernen und andererseits für Themen wie Rassismus und Antisemitismus zu sensibilisieren. Im Dortmunder Fanprojekt e.V. und der Fan- und Förderabteilung des BVB fand man seinerzeit sofort Mitstreiter und mit Unterstützung der Geschäftsführung des BVB konnte in jeder Saison eine solche Fahrt durchgeführt werden. 2008 wurde Dachau besucht, 2009 und 2010 Sachsenhausen bei Berlin und am vergangenen Sonntag erneut Dachau.

Diszipliniert und beeindruckt

„Natürlich fahren wir immer mit unterschiedlichen Gruppen, um so immer wieder neue Jugendliche und junge Erwachsene anzusprechen.“, sagt Sebastian Walleit, BVB-Fanbeauftragter. Die jungen Leute seien immer sehr diszipliniert und offenkundig beeindruckt, betonen alle Betreuer. „Manch einer hat bisher nie Kontakt zu diesem Punkt der deutschen Geschichte gehabt, oder eben nur sehr abstrakt über Bücher. Nun an einem solchen Ort zu stehen, die Baracken, die Gaskammer und die Öfen sehen zu müssen, das geht vielen doch recht nah und kann sicher auch zu Veränderungen führen.“, betont Jens Volke, ebenfalls BVB-Fanbeauftragter.

Durch die Gedenkstätte führte mit Eberhard Schulz von der Versöhnungskirche Dachau ein fachkundiger Mann, der immer wieder Geschehnisse aus dem Fußball einbrachte. Einerseits der ehemalige Präsident des FC Bayern, Kurt Landauer, der von den Nazis aus dem Amt gedrängt worden war und in die Schweiz flüchten musste oder der von den Nazis ermordete BVB-Platzwart Heinrich Czerkus.

Treffen mit Überlebendem

Nach etwa zwei Stunden Führung über das weitläufige Gelände kamen die Besucher noch mit Ernst Gruber, einem Überlebenden des Holocausts, zusammen. Dieser erzählte von seinem Leben als Kind und Jugendlicher in der NS-Zeit. Sohn einer deutschen Jüdin und eines deutschen Christen wurde er 3 Jahre lang in ein Kinderheim geschickt, später lebte in einer Art Lager in Milbertshofen, bevor er 1943 zurück zu seinem Vater durfte, bevor er noch im Januar 1945, also kurz vor Kriegsende von der Gestapo mit seiner Mutter in das Konzentrationslager Theresienstadt bei Prag gebracht wurde. Er verdanke sein Leben vor allem dem Widerstand seines Vaters, der es immer abgelehnt hatte, sich von seiner jüdischen Frau scheiden zu lassen. Zehn von 15 Familienmitgliedern wurden von den Nazis ermordet, nur seine Mutter, sein Vater, seine beiden Geschwister und er haben überlebt. Er ermutigte die jungen BVB-Fans, gegen Rassismus und Antisemitismus anzugehen, sich nicht einschüchtern zu lassen und für die Demokratie und Freiheit einzustehen. „Ein sehr bewegendes Gespräch mit einem faszinierenden Menschen. Ich hätte mir nicht vorstellen können, nach diesen Gräueltaten gegen mich und meine Familie weiterhin in Deutschland zu leben.“, so einer der Teilnehmer.

Am Abend zuvor hatten noch alle gemeinsam das Spiel des BVB in der Allianz-Arena bejubelt, gemeinsam die Nacht in einem Hostel in der Münchner City verbracht, bevor die Gruppe am Morgen um 9:30 Uhr nach Dachau aufbrach. Gegen 23 Uhr erreichten alle wohlbehalten Dortmund.