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BVB-Fanabteilung und Fanbeauftragte für Erhalt der Stehplätze

24.05.2012 | 15:10 Uhr
BVB-Fanabteilung und Fanbeauftragte für Erhalt der Stehplätze
Die Südtribüne im Dortmunder Stadion ist die größte Stehplatztribüne Europas. Foto: Reinke

Dortmund.   Nach dem Platzsturm von Düsseldorf ist die Diskussion um Stehplätze in Fußball-Stadien neu entbrannt. Hardliner fordern die Abschaffung von Stehplätzen. Die Fanabteilung von Borussia Dortmund und auch die acht Fanbeauftragten der Bundesliga sprechen sich deutlich für einen Erhalt der Stehplätze aus.

Sie ist das Aushängeschild des Dortmunder Fußballs: die Südtribüne. Knapp 25.000 Menschen feuern von dort aus alle 14 Tage ihre Mannschaft an, bibbern, jubeln, bangen – und stehen. Geht es nach Hardlinern bei der Polizei und in einigen Vereinen, hätte das bald ein Ende. Lösungsmöglichkeiten werden besprochen, der Ruf nach einem Verbot von Stehplätzen wird lauter , denn von diesen (billigen) Plätzen gehe Gewalt in Fußballstadien aus. Die Fanabteilung von Borussia Dortmund spricht sich nun in einem Schreiben für den Erhalt der Stehplätze.

Abteilungsleiter Marco Blumberg stellt fest: „Wenn es einen Zusammenhang zwischen Stehplätzen und Gewalt geben würde, dann müsste Dortmund mit seinen über 25.000 Stehplätzen die Gewalthochburg schlechthin sein.“ Ganz im Gegenteil, sei gerade die Südtribüne aber weltweit für ihre Stimmung bekannt und mit ein Grund, warum die Times das Dortmunder Stadion zum schönsten der Welt kürte.

Engländer begeistert von der Stimmung

Nach dem Gastspiel der Borussen bei Arsenal London war die englische Presse voll des Lobes für den stimmgewaltigen und stehenden Support der Dortmunder Fans für ihre Elf. Mit Neid blickte manche Kommentator auf die deutschen Stadien, in denen Fans „eiskaltes Pilsener im stehen trinken“ dürfen. Eine Erfahrung, die in England allmählich Früchte zu tragen scheint, denn dort kommen erste Erwägungen auf, das nach der Katastrophe von Sheffield 1989 eingeführte Stehplatzverbot wieder zu lockern.

„Stehplätze sind ein erheblicher Bestandteil der friedlichen Fußballkultur und ermöglichen es, ob der günstigeren Preise, auch jungen Menschen am Kulturgut Fußball teilzunehmen. Stehplätze tragen zur hohen Attraktivität eines Stadionbesuches bei, sorgen sie doch an Spieltagen für den stimmungsvollen Rahmen“, so die Fanabteilung. Die Forderung nach Abschaffung der Stehplätze sei populistisch. Blumberg setzt sich für einen Dialog ein, um Gewalt aus Stadien fern zu halten: „Wir haben ein gemeinsames Ziel, den Fußball nicht zur Bühne für Straftaten verkommen zu lassen, dafür müssen wir uns gemeinsam einsetzen.“

Zuvor hatte sich schon BVB- und Ligapräsident Dr. Reinhard Rauball für den Erhalt von Stehplätzen ausgesprochen. In der TV-Sendung „Hart aber fair“ hielt er ein flammendes Plädoyer für Stehplätze und Fankultur. Zur WAZ-Mediengruppe sagte Rauball: „Ich werde bis zum Schluss dafür kämpfen, dass es nicht zu einer Abschaffung kommt. Das wäre der falsche Weg .“

Auch Fanbeauftragte wollen Stehplätze erhalten

Auch die acht Fanbeauftragten der Fußball-Bundesliga treten für eine Versachlichung der Diskussion, eine Abkehr vom Populismus und die gemeinsame Arbeit an Lösungen für die wirklich vorherrschenden Probleme ein. „Stehplätze haben in Deutschland eine lange Tradition, sie sind wichtig für die soziale Gleichheit im Stadion und erfüllen damit eine wichtige gesellschaftliche Funktion", schreiben Jens Volke (Borussia Dortmund), Rainer Mendel (1. FC Köln), Ralph Klenk (VfB Stuttgart), Jürgen Bergmann (1. FC Nürnberg), Thomas Weinmann (Borussia Mönchengladbach), Julia Ebert (Werder Bremen), Jörg Emgenbroich (Fortuna Düsseldorf) und Marc Francis (Eintracht Frankfurt).

„In einer derzeit geradezu hysterisch geführten Debatte ist es schwer, Sachlichkeit einzufordern. Doch eine sachliche Analyse ist zwingend notwendig und längst überfällig“, erklären die Sprecher.

Deutsche Stadien sind trotz Skandalisierung sicher

Die Fanbeauftragten betonen, dass deutsche Stadien weiterhin zu den sichersten in Europa gehören. „Wir möchten aber auch festhalten, dass die permanente Skandalisierung jedes Einzelfalls alle Beteiligten noch hysterischer macht und ganz sicher nicht zu einer Lösung der vorhandenen Probleme beitragen kann. Im Gegenteil: Alle Seiten fühlen sich in einem Handlungszwang, der zu überstürzten und nicht überlegten Handlungen führen kann, die uns, dem Fußball und am Ende auch der Gesellschaft schaden. Komplexe gesellschaftliche Probleme wie Frustration auf den Staat und seine Vertreter, Gewalt gegen Menschen und Sachen sind durch populististische Forderungen nicht zu lösen."

Die Fanbeauftragten fordern daher eine sachliche, nüchterne Aufarbeitung und Betrachtung der Ereignisse. Wenn Teile der Gesellschaft - und nichts anderes seien Fußballfans - wiederholt in eine Ecke gedrängt werden und die Kollektivhaftung gerade auf diese gesellschaftliche Gruppe angewendet werden soll, dann sei das kein gutes Zeichen: „Fußball und vor allem Stehplätze haben in Deutschland eine große Tradition. Wer sie abschaffen will und die Menschen glauben machen will, Gewalt sei dann in der Gesellschaft kein Thema mehr, der möchte sich lediglich mit dem Thema Fußball und Gewalt profilieren, Lösungen ist er jedoch nicht interessiert. Wir wünschen uns, eine ernsthafte Herangehensweise und gemeinsame Lösungen durch Staat, Kommunen, Polizei, Vereine und vor allem auch durch unsere Fans. Ein wichtiger Ansatz auf Fanseite wäre eine größere Selbstreflexion und vor allem ein größeres Verantwortungsgefühl."

 

Stefan Reinke, gerb

Kommentare
01.06.2012
14:39
BVB-Fanabteilung und Fanbeauftragte für Erhalt der Stehplätze
von lightmyfire | #11

Rauball kämpft für den Erhalt der Stehplätze. Was wurde wirklich bisher dafür getan? Die Liste der Versäumnisse von Verbänden und Vereine sind lang....
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http://www.derwesten.de/staedte/dortmund/bvb-fanabteilung-und-fanbeauftragte-fuer-erhalt-der-stehplaetze-id6690003.html
2012-05-24 15:10
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