Busfahrer spricht von unhaltbaren Zuständen in Schulbussen

Mit solchen Spanngurten waren die Kinder im Bus fixiert.
Mit solchen Spanngurten waren die Kinder im Bus fixiert.
Foto: Polizei Dortmund
Was wir bereits wissen
Zusammengeklebte Lenkräder, defekte Handbremsen, fehlendes Begleitpersonal, unzureichende Kontrollen: Dieses Bild zeichnet ein Busfahrer von den Zuständen in Dortmunder Schulbussen. Vergangene Woche war bekannt geworden, dass ein Bus-Unternehmen behinderte Kinder während der Fahrt gefesselt hatte.

Dortmund.. Nachdem eine Firma 17 Kinder der Dortmunder Max-Wittmann-Förderschule mit Spanngurten an die Rückenlehnen gefesselt hatte, weil in dem Bus die Sicherheitsgurte fehlten, ermittelt die Polizei – und ein Busfahrer erhebt Vorwürfe gegen die Branche und ihren Auftraggeber, die Stadt Dortmund.

Sein Name ist der Redaktion bekannt, er will anonym bleiben. „Diese vielen Mängel sind nicht bekannt, weil nicht oft genug kontrolliert wird. Ich bin in drei Jahren nicht einmal überprüft worden“, sagte der 50-Jährige. Für uns berichtet er aus seinem Alltag.

Stress am Steuer

"Der Stress im Bus ist gerade nach den Wochenenden groß, wenn die Kinder sich austoben. Die Zeitpläne sind eng und wir Fahrer werden gezwungen, länger am Steuer zu sitzen als das gesetzlich zulässig ist. Tagsüber fährst du im Schülerverkehr, abends und an Wochenenden sollst du noch Reisebusse steuern. Ich habe meinen Arbeitgeber darauf hingewiesen, dass das verboten ist und der hat nur gesagt: fahr oder geh.“

Kommentar zum Spanngurt-Skandal Er habe Busse mit defekter Handbremse und zusammengeklebtem Lenkrad gesteuert und sei für seine Arbeit mit 1000 Euro netto niemals fair bezahlt worden – die Busunternehmer würden den Druck auf die Preise durch die Stadt Dortmund nach unten durchreichen. Gespart würde auch bei der Sicherheit.

Niedrigster Preis gewinnt

„Wer am günstigsten fährt, bekommt die Tour“, berichtet der Busfahrer über den Druck auf der Straße. Tatsächlich steht in einer Ausschreibung der Stadt für den Schülertransport in der Sparte „Zuschlagskriterien“ die Priorität „niedrigster Preis“.

Mit Hinweis auf die Brisanz des Themas berichtet auch ein KFZ-Sachverständiger hinter vorgehaltener Hand über fehlende Sicherheitsgurte und andere mangelhaften Sicherheitseinrichtungen. Die Bitte um Verschwiegenheit zeigt: Das Thema ist heikel.

Fahrer bangen um ihre Jobs

Kirsten Rupieper vom Verdi-Fachbereich Verkehr weiß: „Wer sich beschwert, kann gehen."Unter den Busfahrern seien auch viele 450-Euro-Kräfte, so Rupieper. Die Fahrer bangen um ihren Job, weil es auf dem Arbeitsmarkt keine Alternativen gibt - und trauen sich nicht, gegen Missstände vorzugehen.

Mehrere Busunternehmen aus Dortmund und umliegenden Städten wollten sich zu dem Thema nicht äußern. Als Auftraggeber für die Fahrten will die Stadt Dortmund am Dienstag (18. November) Stellung nehmen.

Die Stadt Dortmund schreibt die Aufträge für den Schülerverkehr öffentlich aus und nennt dabei Bedingungen, die auch auf die Sicherheit abzielen. Unternehmen können in diesen öffentlichen Vergabeverfahren mitbieten.