Bus-Fahrgäste schauen in die Röhre
24.07.2007 | 05:05 Uhr 2007-07-24T05:05:56+0200Die heißen Kisten stehen schon längst an den Bushaltestellen und versprechen ein "modernes Fahrgastinformationssystem". Doch das lässt auf sich warten. Zähneknirschend musste DSW von Telekom erfahren, dass es vor April 2008 nichts wird. Die Folge werden R
Es war kurz vor Weihnachten 2004, als der damalige Stadtwerke-Chef Harald Heinze von der damaligen Regierungspräsidentin Renate Drewke einen Bewilligungsbescheid über ein revolutionäres Informationssystem erhielt. "Pünktlich zur WM" sollten unter anderem 30 zentrale Bushaltestellen elektronische Anzeigegeräte erhalten, die über die tatsächliche Ankunft der Verkehrsmittel Auskunft geben.
Weit gefehlt. Zwar stehen die teuren Geräte schon seit Monaten an den Haltestellen herum. Aber wozu?, fragen sich viele. Noch schlimmer: In Scharnhorst ist der erste der 20 000 Euro teuren Anzeiger bereits zerstört worden.
Gelaufen ist er noch keine Sekunde. Und das liegt nach Auskunft der Stadtwerke im Wesentlichen an der Telekom-Tochter T-Systems.
"Im ersten Jahr hat uns der Einspruch eines Mitbewerbers zurückgeworfen", erinnert sich DSW-Projektleiter Franz-Josef Senf. Auch gegen die Abweisung des Einspruchs durch die Vergabekammer wurde Widerspruch eingelegt. Da war klar, dass die Neuheit nie und nimmer pünktlich zur WM kommt.
Als neuer Termin für den Testbetrieb wurde der Januar 2007 vereinbart. Der öffentliche Probebetrieb sollte ursprünglich im März folgen, als T-Systems mitteilte, dass es technische Schwierigkeiten gibt, die das Projekt nicht nur um einige Wochen, sondern um mindestens weitere 14 Monate (!) zurückwerfen wird.
Das fuchst DSW: "Wir haben bereits unsere Mitarbeiter für das neue System geschult", berichtet Senf. Fahrer, Leitstelle, Service. "Das können wir nächstes Jahr wiederholen." Diese Kosten werde man der Telekom-Tochter in Rechnung stellen, kündigt DSW-Sprecher Bernd Winkelmann an. Zusätzlich zu der Vertragsstrafe, die eine sechsstellige Höhe erreiche. Der Imageschaden sei enorm.
Es hakt insbesondere beim lückenhaften Funksystem, das die Busfahrer zum Vorteil der Fahrgäste und zur besseren Abstimmung an Umsteigepunkten vernetzen soll. Und zwar konzernübergreifend: Bogestra und HCR (in Herne und Castrop) sind bei dem 20-Millionen-Euro-Projekt mit am Start.
Aber auch beim flexiblen Reagieren auf kurzfristige Umleitungen der Busse durch Unfälle oder Baustellen sei das System überfordert und zeige falsche Ankunftszeiten an. "Es ist ein schwieriges Projekt", räumt Senf ein. "Aber das wussten die doch vorher." Kosten entstehen DSW schon heute durch die installierte Infrastruktur. Nicht nur dafür, dass man die Geräte regelmäßig von Schmierereien säubern muss.
Jetzt sollen sie wenigstens für bescheidene Informationen genutzt werden. So könnte die Leitstelle "von Hand" auf Verspätungen eines Busses hinweisen. Diese Möglichkeit habe Telekom für August in Aussicht gestellt. Ansonsten heißt es: abwarten. "Uns sind die Hände auf den Rücken gebunden", scharrt Senf mit den Füßen.
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