Bungee-Steg wird endlich abmontiert
30.06.2008 | 20:07 Uhr 2008-06-30T20:07:48+0200Fünf Jahre nach dem tödlichen Unfall wird der Bungee-Steg am Florianturm im Westfalenpark abgebaut. Mehrfach gesichert arbeiten drei Männer in schwindelerregenden 150 Metern Höhe.
Seit dem 20. Juni 2003, als ein 31-jähriger Mann aus der Nähe von Mainz abstürzte und tödlich verletzt wurde, ist die Anlage nicht mehr in Betrieb. Der Rückbautermin wurde im Einvernehmen mit der Stadt Dortmund an das Laufzeitende des Mietvertrages für die Bungeeanlage gekoppelt. Die Demontage, im September 2007 bei der Stadt beantragt, war witterungsbedingt mehrfach aufgeschoben worden.
Im Auftrag der Firma Jochen Schweizer haben drei Fachleute einer süddeutschen Montagefirma mit dem Rückbau des Steges begonnen. Während die Männer Medien gegenüber keinerlei Auskünfte gaben, teilte die Stadt mit, das der Stahl-Steg stückweise unter Einsatz von Schneidwerkzeugen von vorne nach hinten abgetragen werde. Die abgetrennten Teile werden dann mit dem Turmaufzug zur Erde gefahren. Was dann mit ihnen geschieht? Keine Auskunft. Voraussichtlich zwei Wochen soll der Rückbau dauern.
Kleine Sperrungen für Parkbesucher
Während der Demontage kann der Turm von Besuchern weiter befahren werden. Einschränkungen gibt es für die unmittelbar betroffenen Arbeitsbereiche auf der oberen Aussichtsplattform. Darüber hinaus gibt es Absperrungen im Bodenbereich.
Ein gerichtliches Verfahren gegen Betreiber Jochen Schweizer wegen fahrlässiger Tötung wurde immer noch nicht eröffnet. Ein erstes Gutachten hatte eine Materialermüdung und -überalterung des gerissenen Bungeeseils sowie Konstruktionsmängel in Betracht gezogen. Dem hatte sich das Amtsgericht nicht anschließen können und hielt den Gutachter für befangen, weil er auch derjenige gewesen sei, der im Jahr 2000 die Anlage des Fernsehturms in 150 Metern Höhe abgenommen hatte.
Von Frühjahr 2000 bis zum tödlichen Unfall Juni 2003 hatte Schweizer die Anlage erfolgreich betrieben. Der Bungeesteg lockte als sensationeller Nervenkitzel drei Jahre lang viele Menschen aus der Region und darüber hinaus in den Westfalenpark. Bis zum Unfall. Wochenlang war danach ein Stück des gerissenen Seils zu sehen. Erst jetzt folgt der Rest.
19:59
Wenn gegen Herrn Schweizer ein Strafverfahren anläuft, dann müssten bei der Logik auch die seinerzeit die Anlage Befürwortenden und Genehmigenden mit auf die Anklagebank.
Ganz im Ernst: Wer Geld dafür zahlt um sich eines Kicks wegen an einem Gummiband aus 150 m Höhe in die Tiefe zu stürzen, der muss sich fragen lassen ob er noch alle Sinne beisammen hat.
Natürlich will die Spassgesellschaft kein Risiko-es ist aber da und manifestiert sich immer wieder-unerbittlich. Dann soll und muss-natürlich-einer Schuld sein.
Hier ist Herr Schweitzer ausgeguckt, der soll nun für die Narretei bezahlen-gut-kassiert hat er ja auch-vor dem Todessprung .....
Die logische Schlussfolgerung aber fehlt: Niemand sagt dem Volke, daß ein Nullrisiko nicht existiert und dass Nachdenken, Risikoabwägung und die Eigenverantwortung - auch zum eigenen Schutz - durch nichts zu ersetzen ist. Wer sich trotzdem in Gefahr begibt kommt - leider und sicher tragisch im Einzelfall - manchmal sogar darin um.