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Bund der Steuerzahler kritisiert Betriebskosten am U-Turm in Dortmund

30.03.2012 | 11:17 Uhr
Dortmunds U-Turm ist sehr teuer: Das dröselt nun erneut der Bund der Steuerzahler auf.Foto: WR/Franz Luthe

Dortmund.   Nachdem der Bund der Steuerzahler die horrenden Kosten beim Dortmunder U-Turm bereits im Oktober 2011 heftig kritisiert hatte, legt er nun nach: Auch wegen der explodierten Betriebskosten sei das U ein „unberechenbares Abenteuer“ geworden. Darunter würden andere Bereiche leiden.

„Der Dortmunder U-Turm wird für die Steuerzahler immer teurer.“ So formulierte die Journalistin Andrea Defeld ihren Einstiegssatz in einem mitunter fragwürdigen Artikel in der April-Ausgabe des NRW-Monats-Magazins vom Bund der Steuerzahler. Der kritisiert nach dem barschen Urteil von Oktober 2011 („Fehlplanung“, „Geldverschwendung“) nun die explodierten Betriebskosten. Diese seien 2008 zunächst mit etwa drei Millionen Euro veranschlagt worden, mittlerweile seien daraus sechs Millionen geworden. Und für die kommenden Jahre müsse die Stadt Dortmund gar rund zehn Millionen Euro Betriebskosten einplanen.

Um das zu finanzieren seien zahlreiche Einsparungen im Kulturbereich vorgenommen und in der gesamten Stadt die Parkplatzgebühren erhöht worden, so Defeld. Zuvor hatte der Bund der Steuerzahler die immense Steigerung der Baukosten für die Umwandlung des Industriegebäudes in ein Kunst- und Kreativzentrum von geplanten 54 Millionen Euro auf bislang 83 Millionen Euro im Schwarzbuch angeprangert.

Als Gründe für die immens gestiegenen Betriebskosten werden nachträgliche Änderungen in der Konzeption und Entwicklungen, mit denen die Stadt nicht gerechnet hatte, angeführt. Damit habe die Verwaltung „unberechenbare Kosten...den Steuerzahlern mit dem Ausbau des U-Turms aufgebürdet“.

Die Entwicklung der Betriebskosten: Nach der ersten Schätzung 2008 seien diese von 3,2 Millionen über 4,9 Millionen (2010) und 6,1 Millionen (2011) bis 9,6 Millionen Euro im Wirtschaftsplan 2012 explodiert. Von 2013 bis 2015 kämen auf die Stadt etwa 10,2 Millionen Euro zu.

Miete wegen gescheitertem Kauf nach Finanzkrise 2009

Was Fragen aufwerfe. Dortmunds Kämmerer Jörg Stüdemann erkläre dazu, dass der Bau des U-Turms aus dem städtischen Sondervermögen finanziert worden sei und die Stadt das U nach Fertigstellung für 50 Millionen Euro aus Rücklagen kaufen wollte. Durch die Finanz- und Wirtschaftskrise 2009 sei dieser Topf mit dem Geld dafür versiegt. Also zahle die Stadt dem städtischen Sondervermögen nun Miete, was 2008 nicht absehbar gewesen sei. 2012 kämen so 3,8 Millionen Euro für Miete und Instandhaltungen zu den „reinen“ Betriebskosten hinzu.

Weiter heißt es in dem Text: „Ebensowenig war im Jahr 2008 schon geplant, dass das Dortmunder U einmal ein Zentrum für Kunst und Kreativität werden und alle Etagen des U-Turms in einem endgültigen Ausbauzustand in Betrieb gehen würden. Ursprünglich sollte der U-Turm ein reiner Museumsstandort werden. In 2008 entschied sich der Rat für ein erweitertes Nutzungskonzept.

Hohe Reinigungskosten und Schäden

Drei Etagen des U-Turms sollen nun vom Hartware-Medien-Kunstverein, der Dortmunder Hochschule und für die kulturelle Bildung genutzt werden. Zunächst sei für diese Etagen lediglich ein so genannter Messebaustandard geplant worden, d.h. ein Ausbau ohne Oberböden, Zwischenwände und nur mit einer Grundbeleuchtung. Stüdemann habe berichtet, dass es in diesen Etagen zu einer immensen Staubbelastung kam, die sich in hohen Reinigungskosten und Schäden bei vielen technischen Geräten im Haus bemerkbar gemacht habe.

So wurde 2010 der Endausbau beschlossen, und das wiederum lasse die Mietkosten steigen, so Stüdemann. Aber auch die Energiekosten seien gestiegen, etwa durch Rolltreppen und den dauerhaften Betrieb der „Winkelmann-Film-Installationen“, die in der ursprünglichen Kostenkalkulation nicht berücksichtigt worden waren, wie Defeld schreibt.

Konsequenzen wie Parkplatzerhöhung

Auch die zunächst nicht geplante Einrichtung eines eigenen Verwaltungsbereichs für die Erledigung von administrativen Aufgaben mache sich finanziell bemerkbar. Um diese Mehrkosten zu finanzieren, spare die Stadt an anderer Stelle: Seit 2006 seien 28 Kulturstellen gestrichen worden, ein Kulturzentrum in Barop sei verkauft worden. Auch die Erhöhung der Parkplatzgebühren in ganz Dortmund führt die Autorin auf die U-Kosten zurück. Ebenso habe sich das Veranstaltungsangebot in der Innenstadt reduziert.

Der Artikel endet mit den Worten: „Die Stadt verkauft die Verwandlung des U-Turms gerne als stadtbildprägendes Symbol. In Kauf nahm sie dafür, dass der Umbau zu einem finanziell unberechenbaren Abenteuer für die Steuerzahler wurde, weil man mit halbgaren Plänen und Konzepten zu Werke ging, unter dem Druck, das Dortmunder U noch im Kulturhauptstadtjahr eröffnen zu können.“

Der U-Turm

 

Kommentare
31.03.2012
06:43
Bund der Steuerzahler kritisiert Betriebskosten am U-Turm in Dortmund
von findling | #8

Wie hieß nochmal der begnadete, stets geniale Architekt, der scharf kalkulierende Projektsteuerer und was sonst noch Rang und Namen mit dem U-Turm...
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Dortmund