Bürgermeisterin muss Schlüssel rausrücken
14.02.2010 | 17:23 Uhr 2010-02-14T17:23:00+0100
Dortmund. Machtwechsel der Zweite. Nach den tollen Tagen im Januar musste jetzt auch Bürgermeisterin Birgit Jörder am Samstagvormittag die Schlüssel im Rathaus abgeben. Allerdings nur bis Aschermittwoch. Danach darf sie wieder in die Schalt- und Waltzentrale zurückkehren.
Dennoch ist es ein Bild mit Symbolkraft. Sozusagen ein, - Achtung Kalauer! -, Schlüsselerlebnis, auf das die Zyniker unter den Jecken nur gewartet haben. Das ahnt auch die „Geschasste” und lächelt tapfer in die Kameras. Wie heißt es doch: Humor ist, wenn man trotzdem lacht.
»Sierau oder Pogadl? Egal: Hauptsache der Schlüssel ist legal«
Schon das Kinderprinzenpaar, Michelle I. und Nils I., lässt keinen Zweifel daran, dass es angesichts der aktuellen Herrschaftsverhältnisse an der Stadtspitze den Überblick verloren hat: „Wer kommt? Pogadl, Sierau oder die Bürgermeisterfrau? Uns ist's egal. Hauptsache der Schlüssel ist legal.” (Tätä. Tätä. Tätä.)
Verbale Spitzen verteilen auch die Älteren. „Hier im Rathaus habt ihr schon lange etwas zu lachen, oder wie nennt ihr das Bürgermeistergeschacher?”, legt Prinz Alexander I. nach. Gut, das fällt mehr in die Kategorie „Reim dich oder ich fress dich”, verfehlt seine Wirkung aber nicht: Die rund 300 Verkleideten und Nicht-Verkleideten in der Bürgerhalle können sich ein Grinsen nicht verkneifen. Zu Karneval wird nun mal Tacheles geredet, dem kann die Bürgermeisterin nur beipflichten: „Ist der Posten erst vakant, regieren die Narren mit leichter Hand.”
Ein Rathaus im Ausnahmezustand: Während draußen leise der Schnee rieselt und die Stadt derweil die ersten Falschparker auf dem Friedensplatz abschleppen lässt, tobt im feucht-warmen Inneren der Bär. Unter dem Feiervolk befindet sich auch ein Heimkehrer: Als Ehrensenator des Dortmunder Karnevals schaut Ex-OB Dr. Gerhard Langemeyer dem munteren Treiben vom Spielfeldrand zu.
Den Auftakt bildet um Punkt 11.11 Uhr der Einzug der zwei Prinzenpaare, angeführt vom Fanfaren-Corps Wickede 1974. Danach heißt es Warmsingen mit Reinhard Sack und den Bierbrummern: „Heute hau'n wir auf die Pauke” - Karnevalistische Schunkelmusik für jedes Alter. Auch die Jugend ist mit von der Partie: Die Jugendgarde der Tanzsportgruppe '99 e.V., aktuell übrigens Verbandsmeister, lässt es ordentlich krachen. Heiße Party-Rhythmen mit viel elektronischer Musik verwandeln das sonst so gediegene Rathausfoyer in einen Diskotempel. Dem Publikum gefällt's. Die „Bude” ist voll. Eng an eng wird gefeiert und getanzt.
Wie immer unermüdlich im Einsatz: Festausschuss-Präsident Hans-Werner Reckmann, Urgestein des Dortmunder Karnevals und seit 1956 in Diensten der Stadt. So einige Bürgermeister hat er schon kommen und (wieder) gehen sehen. Doch eine derart politisch verzwickte Situation an der Spitze der Stadt – die dürfte auch für ihn nicht alltäglich sein.
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