Bühne frei für die Jugendkultur
04.07.2010 | 16:29 Uhr 2010-07-04T16:29:00+0200
Dortmund.Theater, Tanz, Texte – bei der Nacht der Jugendkultur durften, konnten und wollten junge Menschen auf den Bühnen der Stadt ihre Talente ausleben. Zusammen mit feiernden Fußballfans entstand dabei spontan Dortmunds größte Freiluft-Disco.
Trotz oder wegen des Ausnahmezustands nach dem fulminanten Sieg der Nationalmannschaft über Argentinien haben auch die zahlreichen kulturellen Aktionen für Jugendliche regen Zulauf. Nicht wenige Zuschauer verbinden die öffentlichen WM-Übertragungen etwa auf dem Friedensplatz mit dem Besuch in den kulturellen Spielstädten der Jugend. „Get on Stage“ heißt das Motto im gut gefüllten Freizeitzentrum West (FZW) oder kurz - Tanzen.
Etwa 450 Zuschauer verfolgen das abwechslungsreiche Programm, dass die 16 Gruppen aus Dortmund und Umgebung auf die Bühnenbretter bringen. „All Inclusive“ nennen sich die zwölf Jungen und Mädchen, die das Publikum mit ihrer Choreografie mitreißen. Ob als Michael-Jackson-Doubles oder als Vampire mit wehenden Umhängen – die Zuschauer geben mit ihren stehenden Ovationen den Takt vor.
Aufregung? Fehlanzeige
Eine schöne Geste für die integrative Gruppe, zu der auch jugendliche mit Downsyndrom gehören. Da tanzt auch die sechsjährige Emilia im Deutschlandtrikot mit der Rückennummer 13 zwischen den Stuhlreihen und ahmt die Bewegungen nach. Liat Wentler (17) sieht sich das Ganze lässig von einer der Matten an, die für die Teilnehmer im Zuschauerraum ausgelegt wurden. Ihr Herz schlägt für Hip-Hop, was sie mit ihrer Gruppe „Kinky Skillz“ auslebt. Aufregung? Fehlanzeige: „Ich tanze, seit ich sechs bin“, sagt die Siebzehnjährige, die zum sechsten Mal bei „Get on Stage“ dabei ist.
Die Veranstaltung ist eine Kooperation zwischen FZW und Theater im Depot (TiD): „Es herrscht kein Wettbewerbsdruck, hier kann sich jeder präsentieren“, fasst TiD-Leiter Berthold Meyer die Idee zusammen. Ein Steinwurf weiter im U-Turm geht es weniger schweißtreibend zu: Die Texte der drei Dortmunder Jungautoren Katharina Bauer, Ivette Vivien Kunkel und Mirko Kussin ergänzen die impressionistischen Fotografien, die Studierende der FH Dortmund von den Parks der Stadt angefertigt haben. An Bauzäunen und Zementsäcken vorbei müssen sich die Besucher ihren Weg zur Ausstellungs-Lesung suchen.
Autofelge als Schlaginstrument
Schnelle Beats und zuckende Körper gehen im Dietrich-Keuning-Haus eine synchrone Verbindung ein. Kostproben aus der Theaterproduktion „Nordstyle“ gehen hier über die Bühne. Mit Rap und Breakdance lassen die jungen Teilnehmer die Hip-Hop-Kultur aufleben. Zu den rhythmuslastigen Klängen toben sich auch einige Skater auf der Rampenlandschaft im angrenzenden Skatepark aus.
Wie facettenreich Literatur sein kann, zeigt die Jahrgangsstufe 7 der Johann-Gutenberg-Realschule im Domicil. „Nacht in der Stadt“ ist das Thema, dass die Schüler fantasievoll umsetzen, als Rap, Rocksong oder als Krimi- und Fantasy-Text. Selbst eine eigene Zeitung haben die Schüler herausgegeben, die ihre Arbeit dokumentiert. „Es ist erstaunlich, was die Schüler während der Projektwoche auf die Beine gestellt habe“, sagt Lehrer Yves Alamdari anerkennend.
Mit dem Schlusspfiff des Viertelfinales Spanien-Paraguay gibt es auf dem Alten Markt „Wat auffe Oarn“. Ob Pauke, Stahlträger oder Autofelge – Hauptsache es klingt: Die knapp 40 jugendlichen Trommler erzeugen einen eingängigen Rhythmus auf ihren ungewöhnlichen Perkussionsinstrumenten. Mehr und mehr Fußballfans in Nationalfarben treten in den Kreis und geben sich dem Takt hin. Spontan verwandelt sich der Platz in Dortmunds wohl größte Freiluft-Disco. Ein energiegeladener und harmonischer Ausklang dieser Jugendkulturnacht.
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