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Schönheitschirurgie

Brustimplantat ist keine Leichtmetallfelge

05.03.2010 | 09:08 Uhr
Brustimplantat ist keine Leichtmetallfelge

Dortmund. Mit dem gewagten Motto „Schönheit ist machbar” wirbt die Schönheitsklinik Medical One in Dortmund um Kunden. Um Patienten also, die nicht im eigentlichen Sinne krank sind, dennoch unters Messer wollen.

Die Schönheitsklinik Medica One in Dortmund bietet Operationen für Patienten an, die eigentlich gar nicht krank sind. Dennoch begeben sie sich unters Messer - um schöner auszusehen.

Der neue ärztliche Direktor der Klinik an der Rosemeyerstraße weiß, dass das Image der Branche dringend eine Schönheitskorrektur benötigt. Die Schlamperei in einer ehemaligen Privatklinik in Dortmund, die nach Fettabsaugung ein Todesopfer forderte, ist unvergessen. Dr. Georg Roth will verlorenes Vertrauen zurück gewinnen.

„Im Zweifel operiere ich lieber nicht.” Das ist ein Satz, den der Facharzt für plastische und ästhetische Chirurgie im Interview häufiger anbringt, um Seriösität zu vermitteln.

"Warum finden  Menschen das toll?"

Roth muss mit vielen Klischees und Vorurteilen aufräumen. Zum Beispiel, dass seine Kundinnen nicht unbedingt so aussehen wollen wie Pamela Anderson. „Das gibt's so gut wie nicht”, berichtet Roth. Er spricht vom „unnatürlichen Look” und fragt sich selbst: „Warum finden das Menschen toll?” Es habe sich viel getan seit den übertriebenen Implantaten und maskenartigen Gesichtsveränderungen der 70-er und 80-er Jahre.

Arzt im OP.

Missverständnisse oder böse Überraschungen beim Blick der Kunden in den Spiegel nach einer Schönheits-OP, das seien die unliebsamsten Fälle, die „Kraft kosten”.

Deshalb sei das Vorgespräch so wichtig. „Die Klientinnen kommen mit Fotos von Modellen oder Stars oder sagen einfach „ich will 15 Jahre jünger aussehen”, berichtet der Arzt, der an zwei Krankenhäusern als Unfallchirurg arbeitete, ehe er sich in Brasilien der Schönheitschirurgie zuwandte. Am Zuckerhut wird der Schönheit mit dem Skalpell nachgeholfen wie in keinem zweiten Land. Lieber verzichte eine Brasilianerin auf ein neues Autos als auf einen Verjüngungsschnitt, heißt es.

Seriöse Anbieter und schwarze Schafe

Hierzulande geht einem der Begriff „Wohlfühlchirurgie” (Medical-One-Werbung) doch etwas schwer über die Lippen. Der 41-jährige Arzt gibt „den Medien” die Schuld am zweifelhaften Image der Branche. Medical One selbst räumt allerdings ein, dass es schwer sei, die seriösen Anbieter von den „schwarzen Schafen” zu unterscheiden.

Roth distanziert sich von allzu kühnen Versprechungen der schnippelnden Zunft. „Ich gebe kein Versprechen: das wird super.” Er könne den Erfolg nicht garantieren. Nur größtmögliche „Achtsamkeit” zusichern. Dazu gehöre auch, den Kunden als Ganzes zu betrachten. Herauszufinden, wo der Schuh wirklich drückt. Ist tatsächlich die Falte der Grund für tief empfundene Unzufriedenheit? Oder der zu kleine Busen? Oder reicht vielleicht eine Peelingkur der Haut oder ein Yoga-Kurs? Plastische Chirurgie ist kein Wellness-Spaß.

Möglichst natürlich aussehen

Roth greift in den silbernen Koffer und holt ein wabbeliges Implantat heraus, wiegt es in den Händen. Die Kunst ist es nun, das richtige Kissen zu finden und auch so zu platzieren, dass es möglichst natürlich aussehe. Für eine Frau, die unter mangelnder Sinnlichkeit leide, könne dies ein Weg zum Glück sein. Mütter brächten nach erfolgreicher Vergrößerung angeblich ihre Töchter mit. Der Trend gehe seit Jahren hin zu größerer Oberweite. Nur in seltenen Fällen seien die Männer bei Brüstvergrößerungen die treibende Kraft, versichert Roth.

Am PC könne das gewünschte OP-Ergebnis heute recht gut simuliert werden. Der Rest liegt im Geschick des Operateurs. „Die Punktlandung reizt mich”, gesteht der Schönheitsmediziner. Bei falschen Voraussetzungen, wenn das seelische Gleichgewicht durch eine OP „wie die Anschaffung von Leichtmetallfelgen” erkauft werden soll, passt der plastische Chirurg nach eigenen Angaben: „Im Zweifel lieber nicht.”

Gerald Nill

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Kommentare
05.03.2010
11:47
Brustimplantat ist keine Leichtmetallfelge
von Duisbürger | #1

Zitat: die nicht im eigentlichen Sinne krank sind, dennoch unters Messer wollen.

Gelegentlich hört man von Leuten, die aufgrund ihrer Makel schon im eigentlichen Sinne krank sind - psychisch krank.

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