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Bordell in der Linienstraße für 1,1 Mio. versteigert

27.01.2010 | 13:40 Uhr
Bordell in der Linienstraße für 1,1 Mio. versteigert

Dortmund. Selten hat eine Hausversteigerung ein solch illustres Publikum gesehen: Für 1,1 Millionen Euro ist am Dienstag ein Bordell versteigert worden. Im Saal saßen Zuhälter und Rocker, Kripobeamte und Herren in feinem Zwirn. Sie alle wollten wissen: Wer bietet um das Haus an der Linienstraße?

Wenn's nicht mehr klappt in einer Hausgemeinschaft, dann muss man sich halt trennen. Von Tisch und Bett. In dem Fall, den der Rechtspfleger gestern im Amtsgericht zur Zwangsversteigerung brachte, besonders vom Bett. Landläufig gesagt kam ein Bordell unter den Hammer. Verkehrswert des Hauses Linienstraße 26: 794 000 Euro.

40 Leute aus dem Milieu wollen dabei sein

Zwei Eigentümer, die nicht mehr miteinander können - das war der Eindruck. Einer von ihnen vielleicht mit finanziellen Problemen, wegen ihm war das Verfahren in Gang gekommen. Das Plenum ein Schaubild, rund 40 Leute wollten dabei sein. Das Wörtchen "zu" umschreibt das Alleinstellungsmerkmal von Mitgliedern des Milieus: Zu tätowiert, zu blond, zu brauner Teint für 10 Grad minus, zu breite Schultern, zu fette Uhren. Das Klischee ist der Feind genauer Beobachtung, aber es gab zu viel „zu", als dass man dem Klischee nicht erliegen konnte.

Rotlichtmilieu: die Linienstraße in der Nähe des Dortmunder Bahnhofs.

Erdige Begrüßung mit Schulterklopfen der Jungs aus der Rockerszene. Andere, feinere kommen gleich mit Anwalt. Unter den Interessenten auch Beamte der Kripo, für die die Ansammlung als Feldversuch dient. Mal sehen, wer mitsteigert, wer's ersteigert. Überhaupt: Mal sehen.

Um 11.11 Uhr eröffnete der Rechtspfleger das auf eine halbe Stunde angesetzte Bieterverfahren mit den Worten: „Passt ja." Nur eine Minute später die Überraschung: Der Eigentümer, dem man finanzielle Nöte unterstellte, bot selber auf sein Objekt. „1,35 Millionen Euro", sagte er - und im Saal zeigte man sich verblüfft. Das war mal 'ne Ansage.

Der Versteigerer holte ihn kurzerhand auf den Boden der Tatsachen zurück: Der Mann hatte nicht berücksichtigt, dass noch 409 000 Euro Grundschuld auf dem Haus lagen. Ach so, nee, er überlegte kurz: „950 000." In bar - plus Grundschuld. „Clever", sagte einer, „bietet auf sein Objekt und treibt den Preis hoch."

Der Mitbesitzer bot 960 000 Euro - plus Grundschuld, es war deutlich zu merken, dass er die Immobilie in Gänze übernehmen wollte. Die Zuhörerschaft war augenblicklich überfordert - keiner rührte sich. Es ging in 10 000-er Schritten hin und her - dann erhielt der Mitbesitzer letztlich den Zuschlag bei 1,1 Millionen Euro.

Geschäfte im Puff laufen schlecht

220 Frauen arbeiten derzeit in den 16 Häusern der Linienstraße, mal täglich, mal nur am Wochenende. Die Geschäfte laufen schlecht, die Wirtschaftskrise geht den Freiern wohl zunehmend auf die Hardware, sozusagen. Und dann zahlen die Frauen auch noch so 80 bis 100 Euro täglich Miete fürs Zimmer - wenn auch mit Verpflegung. Da stellt sich die Frage: Wie lange noch bei dem Preisverfall?

„Ob sich der Kauf gelohnt hat", zweifelt prompt einer, „die Preise sind doch im Keller." Und der ist auch noch feucht. Hat jedenfalls der Rechtspfleger gesagt.

Dirk Berger

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