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Mord am Hellweg

Blutige Mordserie in Berlin – Spur führt nach Dortmund

12.09.2012 | 07:00 Uhr
Blutige Mordserie in Berlin – Spur führt nach Dortmund

Das „Mord am Hellweg“-Festival lädt ab dem Wochenende zum schönen Schaudern ein. Zum Festival erscheint jeweils im Grafit-Verlag eine Antologie „Kalendarium des Todes“. Krimi Autor Volker Kutscher versetzt seine Mordsgeschichte ins Jahr 1932 nach Bövinghausen.

Am schönsten mordet es sich im Krimi: Das „Mord am Hellweg“-Festival lädt ab dem Wochenende zum schönen Schaudern ein. Zum Festival erscheint jeweils im Grafit-Verlag eine Antologie. Unter dem Titel „Kalendarium des Todes“ sind 22 Geschichten zusammengefasst, die alle in der Hellweg-Region spielen. Krimi Autor Volker Kutscher lässt seine Mordsgeschichten gewöhnlich in den 20er Jahren des letzen Jahrhunderts in Berlin spielen. Für die Antologie versetzt er sich ins Jahr 1932 nach Bövinghausen.

Herr Kutscher, Ihr Kurzkrimi „Dortmunder Osterfeuer“ für die „Mord am Hellweg“-Anthologie spielt im Bergarbeitermilieu. Sind Sie da nicht mit Blick auf Dortmund in die Klischee-Falle getappt?

Finde ich nicht. Schließlich ist das aktive Arbeitsleben der Bergleute schon lange kein Thema mehr. Selbst in den Schimanski-Tatorten in den 80ern spielt der Bergbau keine Rolle.

Heute wird eher der Strukturwandel thematisiert, und da ich historische Krimis schreibe, fand ich es spannend, einen Blick in die Bergbau-Vergangenheit zu werfen, die das Ruhrgebiet überhaupt erst zu dem gemacht hat, was es heute ist.

Wo genau spielt Ihre Geschichte und wie sind Sie auf diesen Schauplatz gekommen?

Mein Kurzkrimi ist unter Bergarbeitern der Zeche Zollern in Bövinghausen angesiedelt, Ostern 1932, und hat einen direkten Bezug zu meinem neuen Roman, der im August erscheint. Der spielt 1932 in Berlin, eine Mordserie erschüttert die Stadt, und irgendwann stellt sich heraus, dass eine Spur ins Ruhrgebiet führt: Ein ähnlicher Mord ist an einem Bergarbeiter in Bövinghausen verübt worden. Und dieses Mordopfer, in meinem Roman eher eine Randfigur, spielt in der Kurzgeschichte eine größere Rolle.

Auflage ist, dass die Autoren drei Tage am Spielort ihrer Geschichte recherchieren sollen. Worauf haben Sie sich konzentriert?

Mir war es wichtig, den Arbeitsalltag genau beschreiben zu können. Angefangen beim Weg des Bergmanns zur Arbeit: Wo geht er lang, was sieht er dabei? Ich habe eine gute Führung durch die Zeche Zollern von Dagmar Kift bekommen. Sie ist Kuratorin am Industriemuseum. Sie hat mir den alten Zustand der Zeche erläutert, damals gehörten ja viel mehr Gebäude dazu. Wir waren zum Beispiel in der Markenstube und der Waschkaue. Da kann man sich gut vorstellen, wie es damals dort zuging. Ich bin auch durch Bövinghausen gegangen, habe mir die alten Zechensiedlungen angeguckt und den Ort auf mich wirken lassen. Mit Hilfe alter Fotos kann man sich dann gut in die Zeit vor 80 Jahren zurückbeamen.

Viel Recherche für eine Geschichte, die auf wenige Seiten begrenzt ist. Konnten Sie alles unterbringen?

Natürlich nicht. Man soll der Geschichte ja auch nicht anmerken: Mensch, hat der viel recherchiert! Das sollte en passant einfließen. Eine Kurzgeschichte muss wie unter einem Brennglas alle Aspekte, Charaktere und Konflikte enthalten. Zuerst hatte ich den polnischen Hintergrund der Hauptfiguren deutlicher ausgearbeitet, aber das hätte den Rahmen gesprengt, so musste einiges wieder rausfallen. Dennoch lohnt sich umfangreiche Recherche: Je mehr ich von einer Zeit, einem Milieu weiß, desto sicherer kann ich mich darin bewegen. Ich erzähle zwar fiktive Geschichten, aber mir ist wichtig, dass der Hintergrund authentisch ist.

Genau wie in der Anthologie spielen Ihre Geschichten vornehmlich in den 20er, 30er Jahren des letzten Jahrhunderts. Warum?

Diese Zeit ist besonders spannend, sie ist sozusagen der Beginn der Moderne: Architektur, Mode, Kunst, Technik – alles hatte sich enorm weiterentwickelt. Und dann ist da die Frage, wie da die Nazis an die Macht kommen konnten, ein Ereignis, das die Weltgeschichte entscheidend veränderte. Meine historischen Romane sind kein Eskapismus-Angebot, ich glorifiziere die Vergangenheit nicht.

Die Geschichte ist aber auch aktuell, viele Phänomene von damals – Wirtschafts- und Bankenkrise, soziale Entwicklungen – kann man heute genauso beobachten. Insofern hat meine Kurzgeschichte auch eine politische Perspektive. Ich möchte aber nicht mit erhobenem Zeigefinger Geschichtsunterricht betreiben, deshalb stehen die Zeitumstände für sich, sie sind selbstverständlicher Bestandteil meiner Erzählungen.

Könnte Dortmund weiterhin eine Rolle in Ihren Kriminalgeschichten spielen?

Wenn, dann eher am Rande, schließlich ist der Kommissar, der in meinen Romanen ermittelt, ein Rheinländer, den es nach Berlin verschlagen hat. Da ich BVB-Fan bin, spielt Dortmund über den Fußball aber sowieso immer eine Rolle bei mir.

Maike Rellecke



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