Bloggerin wegen Scherz-Doktortitel im Visier der Polizei

Bloggerin Eva Ihnenfeldt soll unrechtmäßig einen Doktortitel verwendet haben. Dabei hatten ihre Kinder ihr den zum Geburtstag geschenkt.
Bloggerin Eva Ihnenfeldt soll unrechtmäßig einen Doktortitel verwendet haben. Dabei hatten ihre Kinder ihr den zum Geburtstag geschenkt.
Foto: privat
Was wir bereits wissen
Die Polizei hat am Dienstag die Wohn- und Geschäftsräume einer Bloggerin in Dortmund und Witten durchsucht. Der Verdacht: Eva Ihnenfeldt soll unrechtmäßig einen Titel als "Dr. hc" geführt haben. Dabei war alles nur ein Scherz ihrer Kinder zum Geburtstag.

Dortmund/Witten.. Der Mittwoch fing für Eva Ihnenfeldt nicht gut an. Um 8 Uhr — sie will gerade frühstücken und ist noch im Bademantel — klingelt es an der Haustür. Vier Dortmunder Kripobeamte, drei Männer und eine Frau, kommen die Treppe herauf: "Polizei. Wir haben einen Beschluss für eine Hausdurchsuchung."

Eva Ihnenfeldt ist Geschäftführerin der "Business Academy Ruhr". Zeitgleich zum Besuch in ihrer Wittener Wohnung nimmt die Polizei auch ihr Büro am Dortmunder Rheinlanddamm unter die Lupe.

Bildungspolitik Der Durchsuchungsbeschluss kam vom Amtsgericht Lübeck. Der Verdacht: Missbrauch von Titeln. Paragraph 132a Strafgesetzbuch. Die Polizei durchwühlt den Schreibtisch nach Indizien, durchsucht ihr Portemonnaie und inspiziert Visitenkarten von Geschäftsfreunden.

"Dr. h.c. Ministry (USA)" war nur ein Scherz-Geschenk

Plötzlich dämmert es der Dozentin für Marketing und Soziale Medien: "Meine Kinder hatten mir zum Geburtstag am 3. März 2012 einen Doktortitel geschenkt — für 39 Euro."

Plagiate Ein Gag. Der Titel "Dr. h.c. Ministry (USA)" war ein Schnäppchen eines Rabattportals. Kein akademischer Titel, sondern ein kirchlicher, gegen eine "Spende" verliehen von einer Freikirche in Miami und angeboten von einer Lübecker Firma als ausgefallene Geschenkidee.

Eva Ihnenfeldt hatte mal zum Thema "Titelkauf" recherchiert. Deshalb waren ihre Kinder auf die Idee gekommen, ihr einen "Titel" zu schenken. Sie schrieb damals augenzwinkernd in ihrem satirischen Blog-Beitrag darüber: "Ich setze mir selbst die Krone auf ..."

Seit der Guttenberg-Plagiatsaffäre ist die Gerichtsbarkeit wohl besonders misstrauisch. Die Polizei jedenfalls nahm zum Beweis die "Dr. hc"-Urkunde von der Wand mit und machte noch ein Foto von Ihnenfeldt, noch immer im Bademantel.

Rache eines prominenten Ehren-Doktors?

Hinter der Durchsuchung vermutet Ihnenfeldt einen Racheakt von prominenten Ehren-Doktoren, die sie in ihrem Blog erwähnt hatte. "Will man mich als fröhliche Bloggerin zurechtweisen und ein wenig einschüchtern?"

Plagiate "Wenn solch ein Amtshilfeersuchen vorliegt, haben wir wenig Chancen", so Dortmunds Polizeisprecher Wolfgang Wieland. Für die Staatsanwaltschaft Lübeck hatte sich der Verdacht aus einem zweiten Verfahren mit 60 Beschuldigten ergeben.

Gegen Ihnenfeldt habe "ein Anfangsverdacht bestanden, dass sie unberechtigterweise einen Doktortitel führen soll", erklärt Günter Möller, Sprecher der Staatsanwaltschaft Lübeck. "Wir versuchen aber, nicht mit Kanonen auf Spatzen zu schießen."

Büro der Journalistin als Redaktionsraum geschützt

Die Durchsuchung hat aber ein juristisches Nachspiel — denn Eva Ihnenfeldt ist auch Journalistin, und ihr Büro so etwas wie eine Redaktion. Und Redaktionsräume sind besonders vor einem staatlichen Eingriff geschützt.

Plagiat-Affäre "Natürlich habe ich als Journalistin auch den Deutschen Journalistenverband informiert und um Schutz vor solchen Praktiken gebeten", sagt Eva Ihnenfeldt. "Ich kann mir nicht vorstellen, dass man das Grundgesetz aushebeln darf, weil sich jemand schriftlich in einem Blog-Beitrag über einen Dr.h.c.-Scherzartikel lustig macht."

Der Blog-Eintrag sei nicht illegal gewesen und habe auch zu keiner illegalen Handlung aufgerufen. Sie werde die Aktion auf keinen Fall auf sich beruhen lassen, kündigt sie an. Ihr Anwalt ist bereits verständigt.

Peinliches Bademantel-Fotos in der Polizei-Akte

Noch am Mittwoch ist sie ins Polizeipräsidium gefahren, auch um sich das peinliche Foto von ihr — ungekämmt und barfuß im Schlafrock — zeigen zu lassen. Es bleibt in den Polizeiakten.

Ihre Dr. h.c.-Urkunde aber will Eva Ihnenfeldt aber zurück haben. "Das war mein Geburtstagsgeschenk, und ich will es wieder im Büro aufhängen. Das muss sein!"