Blindgänger, Fliegerbomben und Entschärfungen in Dortmund 2010
03.01.2011 | 18:19 Uhr 2011-01-03T18:19:00+0100
Dortmund.Wie viele Blindgänger schlummern wohl noch unter Dortmund? Im Jahr 2010 wurde im Schnitt einmal im Monat eine Fliegerbombe gefunden – zufällig bei Bauarbeiten oder nach Auswertung alter Luftbilder. Hier eine Entschärfungs-Übersicht!
Zig Fliegerbomben aus dem Zweiten Weltkrieg schlummern noch unter Dortmund. Hier eine Übersicht über die Blindgänger, die 2010 in Dortmund gefunden und entschärft wurden. Die Entschärfung lief jedesmal problemlos: Im Schnitt brauchten die Feuerwerker für die Entschärfung der Zünder 20 Minuten. Die Evakuierung der Anwohner dauerte um einiges länger. Weitere Gemeinsamkeiten aller Bombenentschärfungen: Die britischen oder amerikanischen Blindgänger stammen aus dem Zweiten Weltkrieg und waren allesamt 250 Kilo schwer. Zudem ist der Radius für Evakuierungen immer 250 Meter groß.
9. März 2010 – Brackel
Die Entschärfung eines Blindgängers am Braucksweg/Westheck sorgte am 9. März für Unruhe in Brackel. 1000 Menschen wurden evakuiert – die Johanniter betreuten 175 kranke und gehbehinderte Anwohner in der Turnhalle der Reichshof-Grundschule. Feuerwerker Karl-Friedrich Schröder hatten gegen 17.40 Uhr die Zünder der amerikanischen Fliegerbombe entschärft. Der Kampfmittelräumdienst war durch die Auswertung von Luftbildern auf die Bombe aufmerksam geworden.
19. März 2010 – Westfalenhütte
Gleich zwei britische Fliegerbomben auf der Westfalenhütte hat Feuerwerker Karl-Friedrich Schröder vom Kampfmittelräumdienst am 19. März entschärft. Ein Blindgänger war auf Luftbildern entdeckt worden – der andere spontan auf der Baustelle. Mit Ausnahme des Werkspersonals musste niemand evakuiert werden. Die Brackeler Straße war kurzzeitig gesperrt. Für die Entschärfung beider Blindgänger brauchte Schröder jeweils 19 Minuten.
27. April 2010 — Westpark
1600 Menschen mussten am 27. März gegen 13.30 Uhr ihre Wohnungen in der westlichen Innenstadt verlassen, weil eine Fliegerbombe im Westpark gefunden worden war. Neben dem Westpark waren auch Kreuz- und Klinikviertel betroffen. Die S-Bahn wurde kurzzeitig gesperrt. Feuerwerker Walter Luth brauchte für die Entschärfung des Blindgänger 12 Minuten. Neben der Bombe konnte der Bombenexperte einen 125 Kilo schweren Zielmarkierer (Christbaum) sowie zwei Abwurfbehälter für Stabbrandgranaten, Rauchbomben und Nebelbomben auf seinen Lkw laden.
28. April 2010 – Gneisenau
Am 28. April wurde in Derne ein amerikanischer Blindgänger auf der ehemaligen Zeche Gneisenau ans Tageslicht befördert. Walter Luth nahm sich die Entschärfung des Blindgängers vor – und brauchte dafür 21 Minuten. Evakuierungen waren nicht nötig. Lediglich in drei Häusern wurde „luftschutzmäßiges Verhalten“ angeordnet: Die Bewohner mussten in den Keller.
9. Juni 2010 – Wambel
Genau eine Minute dauerte die Entschärfung – fünf Stunden die Evakuierung des Wohngebiets. Am 9. Juni entschärfte Karl-Friedrich Schröder einen Blindgänger an der Stipskuhle in Wambel. Rund 2000 Anwohner mussten ihre Wohnungen verlassen. Eine skurrile Szene zu Beginn Evakuierung gegen 10 Uhr: Am Rabensmorgen durchbrach ein verärgerter Rentner mit seinem Rollator die Absperrung, weil er einen Weg 100 Meter hinter der Absperrung zur U-Bahn nehmen wollte. Um die Evakuierung kümmerten sich 55 Mitarbeiter des Ordnungsamtes. Unterstützt wurden sie von 26 Johannitern, die unter anderem 43 Kranke in die Libori-Turnhalle transportierten.
25. Juni 2010 – Eving
Bei Baggerarbeiten war am 25. Juni in Eving ein Blindgänger im Holzheck gefunden worden. Feuerwerker Walter Luth machte sich ans Werk und brauchte für die Entschärfung der Fliegerbombe genau 11 Minuten. Im Evakuierungsradius lagen neben Wohnhäusern auch das AWO-Jugendheim und die Kleingartenanlage Waldblick. 400 Anwohner mussten ihre Wohnungen verlassen.
12. Juli 2010 – Körne
1200 Menschen mussten am 12. Juni ihre Wohnungen und Arbeitsplätze in Körne verlassen, während ein Experte des Kampfmittelräumdienstes einen Blindgänger im Wohngebiet Liebermannstraße entschärfte. Die amerikanische Bombe war bei Bauarbeiten entdeckt worden, für die man zuvor alte Luftbilder ausgewertet hatte. Aus Sicherheitsgründen entschied sich der Bombenexperte für eine Fernzündung mit Seilzügen. Dauer der Entschärfung: 62 Minuten – von 11 bis 12.02 Uhr.
22. Juli 2010 – Bövinghausen
Eine Fliegerbombe an der Neptunstraße/Stemmkeweg in Bövinghausen wurde am 22. Juli entschärft. 1200 Anwohner rund um den Fundort wurden evakuiert. Die Entschärfung der Bombe dauerte 40 Minuten. Gegen Mittag durften die Bewohner wieder zurück in die Häuser und Wohnungen.
14. Oktober 2010 – Huckarde
Am 14. Oktober wurden gleich zwei Bomben entschärft. Für die Entschärfung der Bombe im Baugebiet Winkelstraße in Huckarde musste auch die Bahnstrecke kurzfristig gesperrt. 500 Anwohner mussten aus ihren Wohnungen. Ebenso betroffen waren die Anwohner in Oskarweg und Huckarder Heide – also jenseits des Bahndammes. Sie mussten während der Entschärfung im Keller bleiben. Die Fliegerbombe war bei der Vorbereitung von Bauarbeiten gefunden worden.
14. Oktober 2010 – Innenstadt-Ost
Die zweite Bombenentschärfung am 14. Oktober: In der östlichen Innenstadt war eine Bombe im Wohngebiet Deggingstraße entdeckt worden. Insgesamt mussten 600 Anwohner ihren Wohnungen bzw. 1620 Arbeitnehmer ihren Betrieben fernbleiben. Feuerwerker Karl-Friedrich Schröder brauchte für die Entschärfung des Zünders 32 Minuten. Im Luftraum über dem Entschärfungsgebiet herrschte kurzzeitig Flugverbot.
23. November 2010 – A2
Am 23. November musste die A2 zwischen Kreuz Dortmund- Nordost und Kamener Kreuz in beiden Richtungen gesperrt werden. Bei standardmäßigen Luftbildauswertungen war ein amerikanischer Blindgänger am Kaiserkamp an der Grenze zu Lünen entdeckt worden. Da die kleine Straße direkt an der vielbefahrenen Autobahn liegt, wurde das Teilstück in beiden Fahrtrichtungen komplett gesperrt. Die Entschärfung der Fliegerbombe verlief problemlos: Um 14.03 Uhr war die Arbeit von Feuerwerker Karl-Friedrich Schröder getan – nach genau 18 Minuten.
4. Dezember 2010 – Klinikviertel
Für die Entschärfung einer Bombe an der Amalienstraße brauchte Bombenexperte Walter Luth genau 24 Minuten. Der Blindgänger war bei Bauarbeiten in einem Hof des Johannes-Hospitals entdeckt worden. 2400 Anwohner wurden evakuiert. Auch die Intensivstation war betroffen – die Patienten wurden in einen anderen Gebäudeteil verlegt. Aber die Entschärfung hatte auch Auswirkungen auf den Verkehr: Da die Polizei die Hansastraße wegen der überfüllten Parkhäuser gesperrt hatte, wichen Weihnachtsmarktbesucher auf den Wall aus – aber der war wegen der Entschärfung auf Höhe Hiltropwall/Hoher Wall für eine halbe Stunde. Chaos pur.
13:06
das kann nicht sein mit der Aufstellung!
Alleine in Derne Gewerbegebiet Gneisenau sind im letzten Jahr vier Blindgänger gefunden worden! Woher ich das weiß? Wir arbeiten direkt dort und sind jedesmal evakuiert worden!
22:23
BOMBASTISCH