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Unterrichtsausfall

Blaue Briefe für ganze Schulklasse sind unwirksam

26.06.2013 | 18:18 Uhr
Blaue Briefe für ganze Schulklasse sind unwirksam
An dieser Grundschule in Dortmund-Marten fiel für eine Klasse so viel Unterricht aus, dass allen Kindern das Sitzenbleiben drohte.Foto: Jochen Linz/PiLi

Dortmund.   Weil an einer Dortmunder Grundschule die Hälfte des Unterrichts ausfiel, drohte der kompletten Klasse 2a das Sitzenbleiben. Alle Kinder bekamen einen "Blauen Brief". Erst als die Eltern die Medien einschalteten, wurde die Schule aktiv. Nun gibt es Förderunterricht.

Gewöhnlich geht es ruhig zu hinter der rotbraunen Backsteinfassade der Steinhammer-Grundschule im Dortmunder Ortsteil Marten. So ruhig halt, wie es an Grundschulen eben möglich ist. „Eine gute Schule“, sagt denn auch Schulpflegschaftsvorsitzende Melanie Markwardt, die am Mittwoch im Kindergeschrei auf dem Schulhof versucht, Reportern Rede und Antwort zu stehen. „Wir wollen nicht, dass der eigentlich gute Ruf der Schule Schaden nimmt“, sagt Markwardt immer wieder. Erste Zweifel von Eltern, die ihre Kinder in Marten gerade neu angemeldet haben, sind ihr freilich schon zu Ohren gekommen.

Seit einer Woche nämlich herrscht Ausnahmezustand an dem idyllischen Lernort im Westen der Stadt. Weil monatelang der Unterricht ausfiel, droht fast einer ganzen Klasse der schlimmste anzunehmende Unfall einer noch jungen Schullaufbahn: Sitzenbleiben. Alle 20 Kinder der 2a hatten in den vergangenen Wochen „Blaue Briefe“ mit nach Hause bekommen: Versetzung gefährdet. Der Grund: Das Leistungsdefizit der meisten Schüler ist so groß, dass an ein Weitermachen in der dritten Klasse unter normalen Umständen nicht zu denken ist.

Doch normal sind die Umstände in der Klasse 2a schon lange nicht mehr. Im vergangenen Herbst erkrankte die Klassenlehrerin. So etwas kommt vor. Dafür gibt es einen Vertretungspool. Doch ganz offenbar gelang es weder der Schulleitung noch dem örtlichen Schulamt, nachhaltig für Ersatz zu sorgen – trotz zahlreicher Einwände, Proteste und Beschwerden der Eltern. Auch die Vertretungslehrerin wurde krank. Erst seit März ist die 2a wieder in festen Händen einer Klassenlehrerin. Bis dahin soll sich der Unterrichtsausfall auf nahezu 50 Prozent summiert haben. Unmöglich, das aufzuholen.

Eltern liefen Sturm, doch es passierte wenig

Obwohl die Eltern Sturm liefen, passierte wenig. „Wir haben uns erst an die Schulleiterin und dann an das Schulamt gewandt“, sagte Klassenpflegschaftsvorsitzender Jens Gatterdam. Er habe zusehen müssen, wie die Leistungen seines Sohnes immer mehr abfielen – „mehr oder weniger ohnmächtig“. Der „Blaue Brief“ kam für den Vater am Ende nicht einmal mehr überraschend.

Die Vorgänge in Marten haben inzwischen die zuständige Schulaufsicht der Bezirksregierung in Arnsberg auf den Plan gerufen, freilich erst, nachdem sich betroffene Eltern an die Medien gewandt hatten. Immerhin: Für die Klasse 2a dürfte die Sache jetzt glimpflich ausgehen. Die „Blauen Briefe“ sind vom Tisch. Die seien allein schon wegen eines Formfehlers unwirksam, beruhigt Christoph Söbbeler, Sprecher der Bezirksregierung.

Jedes Kind wird nun individuell betreut

Am Mittwoch noch wollten sich Bezirksregierung und Schulamt mit den Eltern der 2a ins Benehmen setzen. Ziel: Allen Kindern die Versetzung in die nächste Klasse zu ermöglichen. Schnellstmöglich soll nun ein Förderkonzept auf die Beine gestellt werden. Jedes einzelne Kind werde individuell betreut, damit es die Lernrückstände wieder aufholen könne, versichert Söbbeler. Weil das bis zu den Ferien kaum mehr zu schaffen sei, werde die Förderung im nächsten Schuljahr weitergeführt.

Wie es überhaupt soweit kommen konnte, muss die Schulaufsicht ebenfalls in den nächsten Wochen klären. Söbbeler: „Hier ist wohl einiges schief gelaufen. So etwas darf nicht passieren.“ Den Fall an der Steinhammer-Grundschule nannte der Behördensprecher „außergewöhnlich“. Um Unterrichtsausfälle zu kompensieren, gebe es schließlich ein ausreichendes Instrumentarium. Personelle Konsequenzen schloss die Bezirksregierung jedenfalls nicht aus.

Michael Kohlstadt



Kommentare
27.06.2013
23:21
Onsom | #12
von schRuessler | #13

Woher wissen Sie, dass die Schulleitung keine Vertretung bezahlt bekommen hat? Niemand hat bisher behauptet, dass die Schulleitung eine Vertretung angefordert hat, diese aber nicht bewilligt bekommen hat.

Es ist wahr, dass die beabsichtigte Kürzung bei Vertretungslehrern ein bildungspolitischer Skandal ist.

Aber mit diesem Fall hat er rein gar nichts zu tun. hier sind Fehler vor Ort gemacht worden.

1 Antwort
Blaue Briefe für ganze Schulklasse sind unwirksam
von Zecke | #13-1

Sie scheinen mehr zu wissen als die Beteiligten!

"Ob die Schulleitung nicht rechtzeitig Hilfe angefordert oder das Schulamt zu zögerlich reagiert hat, lässt sich nicht mehr klären, zumal die kommissarische Schulleiterin nicht für Auskünfte zur Verfügung steht."

(Zitat aus diesem Artikel: http://www.derwesten.de/staedte/dortmund/ganze-klasse-soll-sitzen-bleiben-jetzt-naht-rettung-id8115854.html)

Fakt ist: Wenn kein Geld mehr im Vertretungspool ist, vertröstet das Schulamt auch gerne (oder notgedrungen) mal die Schulleiter oder wimmelt sie sogar ab, wenn Vertretungslehrer angefordert werden.

27.06.2013
20:10
Blaue Briefe für ganze Schulklasse sind unwirksam
von Onsom | #12

Vermutlich hat die Schule gar keine Schulleitung, sondern die Schulleitung wird kommissarisch (sprich nebenbei) erledigt. 2 von 3 Grundschulen haben nämlich keine besetzte Schulleiterposition. Grund? Keiner macht diesen Job für das was geboten wird. Außerdem kann die Schulleitung keine Vertretungslehrer bezahlen, wenn Sie keine Mittel bekommt. Sprich die Verantwortung liegt ausschließlich bei der Bildungspolitik.

Konsequenz: Kraft und Löhrman weg!

27.06.2013
11:24
Blaue Briefe für ganze Schulklasse sind unwirksam
von Leseviel | #11

Auf diese Weise gewinnt man das verlorene 13. Schuljahr zurück!

27.06.2013
10:24
tja Fr. Löhrmann
von meigustu | #10

dafür können Sie nicht ihrer Vorgängerregierung die Verantwortung zuschanzen.

Bitte zurücktreten und einem fähigen Menschen ranlassen.

1 Antwort
Blaue Briefe für ganze Schulklasse sind unwirksam
von kadiya26 | #10-1

Ich finde auch, Frau Löhrmann sollte jeden Morgen jede Schule in NRW anrufen und sich persönlich erkundigen, ob sie dort gerade ein Problem lösen kann.

Schlecht geschlafen?

27.06.2013
09:52
Blaue Briefe für ganze Schulklasse sind unwirksam
von EinOerer | #9

Wenn man mal drüber nachdenkt, was Fr. Löhrmann vor der Wahl rumgetönt hat, wie wichtig die Kinder sind, die Ausbildung überhaupt und wir lassen kein Kind zurück und blablabla....................

Die Frau lügt das blaue vom Himmel herunter und grinst noch dabei!!!

27.06.2013
09:26
Blaue Briefe für ganze Schulklasse sind unwirksam
von danny2202 | #8

Was ein Hammer!

Wie sich die Kids fühlen, die unverschuldet in so jungen Jahren einen solchen Makel im Lebenslauf bekommen (auch wenn denen das natürlich noch nicht bewusst ist), danach fragt keiner. Ein blauer Brief in der 2. Klasse ist schon ansich heftig. Manch ein zukünftiger Arbeitgeber legt eine Bewerbung, die so etwas enthält, direkt zu den Akten.

Die Kinder können ja wohl am wenigsten für die Unfähigkeit der Schulleitung/des Schulamtes, für adäquaten Ersatz zu sorgen.

Unfassbar ...

3 Antworten
Blaue Briefe für ganze Schulklasse sind unwirksam
von kadiya26 | #8-1

Blaue Briefe im Lebenslauf? Unsinn.

Sie schreiben merkwürdige Bewerbungen...
von Ayahuasca | #8-2

Bewerbungen, die blaue Briefe aus der 2. Klasse enthalten. Haben Sie das Abitur auf der Baumschule gemacht?

Blaue Briefe für ganze Schulklasse sind unwirksam
von Leseviel | #8-3

@kadiya26
Soll das heißen, dass Knöllchen fürs Falschparken auch nicht im Lebenslauf angegeben werden müssen?

27.06.2013
09:00
Blaue Briefe für ganze Schulklasse sind unwirksam
von ExWalsumer | #7

Ich bin immer davon ausgegangen, dass das mit dem Recht auf Bildung in Deutschland ernst gemeint ist.
Naja, wenns Geld kostet sind die Rechte der Bürger wohl nicht so wichtig.

27.06.2013
08:37
Blaue Briefe für ganze Schulklasse sind unwirksam
von kupfergruen | #6

Die grüne Schulministerin hat bereits weiteren Unterrichtsausfall angekündigt. Rotgrün hat nämlich die Mittel für Vertretungsunterricht gekürzt. NRW zahlt für Schüler sowieso schon am wenigsten. Eltern geht auf die Straße. Wir haben das auch gemacht. Übrigens auch unter Rotgrün.

27.06.2013
08:19
Blaue Briefe für ganze Schulklasse sind unwirksam
von neuich | #5

Für die Unfähigkeit Erwachsener müssen jetzt die Kinder leiden! mehr ist dazu nicht zu sagen.

27.06.2013
08:05
Blaue Briefe für ganze Schulklasse sind unwirksam
von mar.go | #4

Da werden die Schüler für Unterlassungen herangezogen, die von der Schule, dem Schulamt oder dem Kultusministerium zu verantworten sind. Diese Verfahrensart greift, wie ich in letzter Zeit feststellen muß, im Alltagsleben immer häufiger um sich.
Ist immer schön, wenn man Dritte für seine eigenen Unfähigkeit zur Verantwortung ziehen kann. Und der "Vertretungsteich" macht ja nun s gar keinen Sinn, wenn niemand darin schwimmt!

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