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Bewährungsstrafe für tödlichen Messerstich in der Nordstadt

12.12.2012 | 17:02 Uhr
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Bewährungsstrafe für tödlichen Messerstich in der Nordstadt
Foto: WR/Franz Luthe

Dortmund.   Wegen „Beteiligung an einer Schlägerei“ hat das Landgericht am Dienstag einen 21-Jährigen zu einem Jahr auf Bewährung verurteilt. Er hatte im April in der Nordstadt einen 18-Jährigen erstochen. Die Anklage hatte siebeneinhalb Jahre Haft gefordert — der Verteidiger plädierte auf Freispruch.

Zwei Gruppen junger Männer treffen im Morgengrauen in der Nordstadt aufeinander. Die Mädchen aus der einen Gruppe werden beleidigt, das wollen die Jungs nicht auf sich sitzen lassen. Imponiergehabe vermischt sich mit verletztem Stolz. Das grauenvolle Ende: Ein 18-Jähriger stirbt, weil ein 21-Jähriger im Kampf ein Messer zieht.

„Man kann das alles nur als tragisch bezeichnen“, sagt Peter Windgätter, Vorsitzende Richter des Hilfsschwurgerichtes. Und es folgt der alles entscheidende Satz: „Das hat keiner gewollt und ins Kalkül gezogen.“ Daher fällte das Gericht gestern nach einem mehrtägigen Prozess folgendes Urteil. Wegen „Beteiligung an einer Schlägerei“ wurde der bisher völlig unbescholtene 21-Jährige zu einer Bewährungsstrafe von einem Jahr verurteilt. Als Bewährungsauflage muss er 200 Stunden Sozialarbeit ableisten.

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Während Staatsanwältin Dorothee Bieniek zuvor sieben Jahre und sechs Monate Haft wegen Totschlags gefordert hatte, ließ sich nach Überzeugung des Gerichtes eine Tötungsabsicht des 21-Jährigen nicht feststellen.

Ein Kumpel hatte ihm zuvor das Messer in die Hand gedrückt

„Es tut mir sehr leid, ich wollte ihn wirklich nicht töten“, sagte er in seinem letztem Wort. Paradoxerweise war er es, der von allen Männern in den zwei Gruppen der friedlichste war. Es waren seine Kumpel, die sich die Beleidigungen nicht gefallen lassen wollten. Die sich oben in der Wohnung an der Straße Lütgenholz mit einem Messer bewaffneten und wieder heruntergingen, wo die alkoholisierte Gruppe des späteren Opfers wartete. Unten angekommen, schlug man sich zunächst, so erzählten Zeugen. Seine Kumpel suchten das Weite – und drückten ihm vorher das Messer in die Hand.

Dann passierte die nächste „fatale Situation“, so der Kammervorsitzende Peter Windgätter: Der Angeklagte wurde, das hatte ein unbeteiligter Passant gesehen, von dem späteren Opfer angegriffen Seine Reaktion: Er griff zum Messer...

Opfer starb kurz darauf in der Klinik

Der 18-Jährige starb wenig später in der Klinik. So schrecklich diese Geschichte ist, so kam auch im Prozess zur Sprache, dass das spätere Opfer zuvor grundlos ein älteres Ehepaar angepöbelt hatte. „Es geht nicht darum, aus Opfern Täter zu machen. Aber man muss diese Dinge auch werten“, merkte der Vorsitzende Richter an.

Mit versteinertem Gesicht verließ der Vater des Toten nach dem Urteil das Gericht. Auch der Angeklagte senkte den Kopf. Seine größte Strafe bekam er sowieso nicht im Gericht: Lebenslänglich mit der schweren Schuld zu leben, einen Menschen getötet zu haben.

Kathrin Melliwa

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