Betten-Not in Kliniken – Ärzte schlagen Alarm
27.01.2010 | 21:30 Uhr 2010-01-27T21:30:00+0100
Dortmund. Notruf aus dem Krankenhaus! In Dortmunds Kliniken gibt es viel zu wenig Intensivbetten. Noch kritischer ist die stationäre Lage in den Psychiatrien. Ärzte und Stadtspitze bangen um die Versorgung Schwerstkranker.
Das Problem ist bekannt. Auch die Gefahren, die es für Leib und Leben birgt. „Seit fünf Jahren schieben wir den Betten-Notstand vor uns her. Und es wird immer enger”, klagt Dr. Annette Düsterhaus, Leiterin des Gesundheitsamtes. „Jedes Jahr aufs Neue” schlage sie Alarm – bisher vergeblich. Weder bei der Landesregierung in Düsseldorf noch bei der Bezirksregierung in Arnsberg rege sich etwas. Diese Behörden verantworten die Krankenhausplanung, also auch den Bettenmangel.
"Stundenweise auf dem Flur"
Und der spitzt sich zu. Die Situation: Die 15 Dortmunder Krankenhäuser verfügen über 213 Intensivbetten. 237 sollten es sein. So steht es im Landeskrankenhausplan. „Selbst das wären noch zu wenig”, weiß Prof. Dr. Ingo Flenker, Ärztlicher Direktor im Katholischen Krankenhaus Dortmund-West und Chef des Marburger Bundes NRW. „Wir benötigen mindestens zehn Prozent mehr. Uns fehlen rund 50 Betten.”
„Das ist sehr belastend für Patienten”, sagt Düsterhaus. Zwar seien Notoperationen gesichert. Andere Eingriffe aber, wie eine terminierte Herz-OP mit Bypass, müssten auch schon mal abgesagt und verschoben werden. „Die OB-Kapazitäten sind zwar da, aber nicht die Betten für die Intensivpflege.” Besonders sichtbar werde der Mangel, wenn Patienten „stundenweise auf den Flur ausgelagert” würden.
Kein Platz für eingewiesene Patienten
Für „sehr, sehr kritisch” hält Düsterhaus die Lage in der stationären Psychiatrie. „Im Kreis Dortmund Dortmund/Unna fehlen rund 150 Betten, in Dortmund alleine 100”, sagt Dr. Thomas Finkbeiner, Chefarzt der Psychiatrie im Evangelischen Krankenhaus Lütgendortmund. Die durchschnittliche Belegungsquote: 106 Prozent. Häufig gebe es „Patienten, die vom Facharzt ins Krankenhaus eingewiesen werden, denen wir aber kein Bett anbieten können”. Die einzige Chance: „Zusätzliche Reservezimmer belegen oder sie auf einer internistischen Station zwischenlagern, um die Folgen möglichst klein zu halten.”
Finkbeiner sieht die Gefahr, „dass Leid verlängert wird, Krankheiten chronisch werden, weil wir sie nicht behandeln können – ein unhaltbarer Zustand”. Das Lütgendortmunder Krankenhaus würde ihn gerne lindern, darf aber nicht. „Wir wollen kurzfristig 20 zusätzliche Betten und 20 weitere tagesklinische Plätze einrichten”, so Finkbeiner. Mittelfristig plane das Krankenhaus den Bau einer neuen Tagesklinik. Aus eigener Tasche. Kosten für das Land: Null. Finkbeiner: „Wir bräuchten keine Zuschüsse, nur den Bewilligungsbescheid. Ein rein formaler Akt.”
Ministerium blockt ab
Doch der bleibt aus. Und auf Finkbeiners „sehr eindringliche Bitte” an Dr. Julius Siebertz, Dezernent im NRW-Gesundheitsministerium, das Thema zu erörtern, erwiderte der schriftlich: „Ein Gespräch halte ich für entbehrlich.”
So oder ähnlich endeten zahlreiche Versuche, den Mangel zu beheben. Schreiben von Sozialdezernent Siegfried Pogadl an NRW-Gesundheitsminister Laumann brachten ebenso wenig wie ein gemeinsames Hilfeersuchen aller Dortmunder Kliniken an das Land. Jetzt unternimmt Düsterhaus einen neuen Anlauf. Für Mittwoch, 3. Februar, hat sie Vertreter des Landes, der Bezirksregierung, der Krankenkassen und der Klinikträger zu einem Krisengipfel geladen.
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