Das aktuelle Wetter Dortmund 9°C
Sparkassen-Open

Betrugsverdacht überschattet Schach-Turnier

03.08.2013 | 20:59 Uhr
Betrugsverdacht überschattet Schach-Turnier
Die Disqualifizierung eines vielversprechenden Spielers beim Amateurturnier Sparkasse Open im Rathaus erschüttert die Schach-Szene.Foto: Oliver Schaper

Dortmund.  Schock beim Sparkassen-Open: Die Turnierleitung des Amateur-Schachturniers, das im Rahmen des renommierten Chess-Meetings im Rathaus stattfindet, hat einen Bundesligaspieler disqualifiziert. Er war der Favorit - doch seine Sieges-Serie ging offenbar nicht mit rechten Dingen zu.

Die Kulisse für den Eklat kann kaum größer sein. Alle Augen der Schachwelt sind auf Dortmund gerichtet. Hier liefern sich derzeit die Großmeister Wladimir Kramnik und Michael Adams im Hauptturnier des Schachfestivals einen spannenden Zweikampf. Bundesligaspieler Jens Kotainy, gerade im Begriff selbst ein Großmeister zu werden, soll mit einem Handy, das er bei den Spielen in der Hosentasche trug, Informationen über Spielzüge empfangen haben. Das wirft ihm die Turnierleitung vor.

"Wir haben Unregelmäßigkeiten festgestellt"

"Wir haben den Spieler rund um die Uhr beobachtet und Unregelmäßigkeiten festgestellt", sagte Turnierleiter Christian Goldschmidt am Samstag. Nach jedem Zug, so der Verantwortliche weiter, habe Kotainy seine Hand in die linke Hosentasche gesteckt. So regelmäßig, dass es verdächtig schien. "Es gab schon vorher Gerüchte, was seine sportlichen Erfolge angeht", sagte Goldschmidt. Der Vorwurf: Der Spieler empfange via Handy eine Art Morse-Code. Die Spielzüge, die er so empfangen haben soll, hätte ein Computer errechnet und an das Telefon gesendet.

"Züge wie ein Schachcomputer"

Die Turnierleitung habe mit dem in der Szene bekannten und besten Schachcomputerprogramm "Houdini" die Spiele Kotainys nachvollzogen. "Der Spieler führte Züge aus, die auch der Computer so gemacht hätte. Wir hatten eine Übereinstimmung von bis zu 100 Prozent", sagte Goldschmidt. Experten gehen davon aus, dass kein Mensch so gut spielen kann wie das Programm "Houdini".

Handy in der Hosentasche

Am Freitag habe Kotainy auf Aufforderung ein Handy aus seiner Tasche gezogen. Dieses war den Veranstaltern als ausgeschaltet erschienen. Goldschmidt: "Trotzdem haben wir ihn gebeten, das Handy auch vor der Partie am Samstag herauszugeben." Dem leistete Kotainy Folge, doch plötzlich habe das Telefon in der Hand des Schiedsrichters vibriert. "Das hat uns für eine Disqualifizierung gereicht."Die Veranstaltungsleitung habe sogar zur Beweissicherung die Polizei eingeschaltet, die aber das Handy nicht konfiszieren durfte.

Kotainy: "Ich habe nicht betrogen."

Jens Kotainy bestätigt gegenüber unserer Redaktion den Vorgang. "Ich habe ein Handy in der Hosentasche gehabt, es aber ausgeschaltet gelassen", sagte er am Samstag. "Ich bin nicht der einzige, der bei einem Turnier ein Handy dabei hat. Aber betrogen habe ich damit nicht."

Er habe das Telefon sogar vor der Partie am Samstag abgegeben. Die Vibrationen? "Mein Bruder hat vor mir das Handy benutzt", erklärte Kotainy. Der Bruder Gregor sei Informatiker und habe geübt, ein Programm für Handys (Android-Systeme) zu schreiben. Das Programm sei eine Anti-Diebstahl-Software, die über das Internet melde, wo das Telefon gerade ist. Alle zehn Sekunden würde sich das Telefon vibrieren, wenn es gerade keinen Internetempfang habe, erläuterte Bruder Gregor Kotainy.

Unter der Überschrift "Unmenschliche Züge" hatte die Frankfurter Allgemeine Zeitung am Donnerstag über Betrugsfälle und Verdachtsmomente im Schach berichtet - auch verbunden mit dem Namen Jens Kotainy.

Der Ruf des Sports steht auf dem Spiel

Ähnlich den Doping-Skandalen im Radsport steht die Reputation einer ganzen Sportart auf dem Spiel. Die Verantwortlichen, darunter auch der Präsident des Deutschen Schachbunds (DSB), Herbert Bastian, reagieren sichtlich nervös. Sie gehen aber transparent mit der Sache um. Bastian wolle in diesem Fall nicht vorverurteilen, aber es habe ihn überrascht, "dass der Spieler mit dem Handy in der Tasche erwischt wurde". Als Kaderspieler müsse er vorbildliches Verhalten zeigen.

"Ein solcher Fall diskreditiert die ganze Sportart"

Gerd Kolbe, Leiter desSparkassen-Chess-Meetings, wurde deutlicher: "Wir haben hier einen signifikanten Fall, der verhagelt uns die Geburtstagsfreude." Das Chees-Meeting gibt es seit 40 Jahren. "Wir sind hier auf keiner Insel der Glückseligen. Aber wir werden nichts unter den Teppich kehren", sagte Kolbe. Die Disqualifikation sei ein gutes Signal, denn: "Ein solcher Fall diskreditiert den Sport in seiner Gesamtheit."

Dennis Werner

Facebook
Kommentare
05.08.2013
14:45
Betrugsverdacht überschattet Schach-Turnier
von Throki | #3

Na die Geschichte mit dem angeblichen Programm hätte man doch relativ einfach überprüfen können um die Geschichte aufzuklären.

04.08.2013
08:01
Betrugsverdacht überschattet Schach-Turnier
von mir0 | #2

Die Ausrede von Jens Kotainy ist übrigens absoluter Unsinn:

1. Ausgeschaltete (Android-)Handys können nicht vibrieren, selbst mit einem eigens dafür geschrieben Programm ist das nicht möglich!

2. Welchen Sinn hat eine Applikation die ohne Internet anfängt zu vibrieren? Akkuleistung verschwenden und Datenpakete nutzlos verschicken? Den Dieb einschüchtern? Super!

Vermutlich wird aber mal wieder nie die Schuld oder Unschuld bewiesen.

03.08.2013
22:00
Betrugsvorwürfe überschatten Schach-Turnier
von xxyz | #1

Warum darf die Polizei das Handy nicht konfiszieren?

Der Vorwurf ist doch erheblich. Geht es eigentlich um Preisgelder?

Fotos und Videos
Schweizer Sennehunde in Aplerbeck
Bildgalerie
Fotostrecke
Hallo Schule 2014
Bildgalerie
Fotostrecke
Weltkindertag in Lütgendortmund
Bildgalerie
Fotostrecke
Aus dem Ressort
Bundesweites Stadionverbot nach Haargel-Diebstahl
Prozess
Haargel hatte der Fußballfan des FSV Mainz gestohlen und sich gegen einen Ladendetektiv zur Wehr gesetzt. Das rechtfertigte aus Sicht des Dortmunder Landgerichtes ein drei Jahre geltendes bundesweites Stadionverbot, das der BVB gegen den 24-Jährigen angeordnet hatte.
Polizei stellt gestohlene Schätze aus der Nordstadt ins Netz
Nach Einbruchsserie
Den ganzen Sommer über litt die Nordstadt unter einer Serie von Wohnungseinbrüchen. Nun sind die Ermittler der Polizei der mutmaßlichen Einbrecherbande auf die Schliche gekommen. Bei einer Reihe von Hausdurchsuchungen bei Verdächtigen fanden sie die Beute der Einbruchsserie - und hat sie auf der...
Mann (34) zündet sein Auto und die Wohnung an
Verwirrter zündelt
Für einen doppelten Feuerwehreinsatz hat am Dienstagmorgen ein 34-Jähriger gesorgt: Der offenbar verwirrte Mann aus Lünen zündete sein Auto am Technologiepark an. Am Tatort machte er Feuerwehr und Polizei auf einen weiteren Brand aufmerksam.
Drei Jahre Stadionverbot für Haargel-Diebstahl
Fan scheitert vor Gericht
Am Wochenende war er noch der strahlende Sieger, am Montag musste ein Anhänger des Fußballclubs FSV Mainz 05 vor dem Dortmunder Landgericht eine bittere Niederlage einstecken. Auch in der Berufung wurde ein gegen ihn verhängtes dreijähriges bundesweites Stadionverbot bestätigt.
An diesen elf Sonntagen kann man 2015 einkaufen
Verkaufsoffenes Dortmund
Shoppen auch am Sonntag. An elf Sonntagen soll das 2015 in Dortmund möglich sein. Die Stadtverwaltung hat jetzt eine Liste mit Daten veröffentlicht, an denen in den Stadtteilen sonntags die Geschäfte öffnen sollen.