Das aktuelle Wetter Dortmund 12°C
Amtsgericht

Betrüger trieb Geld für Stalking-Opfer ein

11.02.2010 | 17:14 Uhr

Dortmund: Seine Hobbys: Das Gründen von Selbsthilfegruppen und Betrügereien aller Art. Im September 2007 hat der 51-Jährige beides miteinander verknüpft. Und so wanderte der mehrfach vorbestrafte Mann gestern für weitere vier Monate ins Gefängnis.

Wer sich einer Selbsthilfegruppe anvertraut, hat Probleme, ist oft gesundheitlich beeinträchtigt. Mit Selbsthilfegruppen treibt man kein Schindluder - was den „notorischen Betrüger”, so Amtsrichter Dr. Gerhard Breuer, nicht davon abhielt, im September 2007 mehrere Krankenkassen für gleich zwei neue Gruppen um Fördergelder zu bitten. Das Geld, davon war das Gericht überzeugt, wollte er sich allerdings selbst einstecken. Seitens der AOK flossen damals auch 257 Euro, bei den Angestellten der anderen Kassen schrillten dagegen sofort die Alarmglocken, als sie den Namen des Angeklagten hörten. Weder die erhoffte „Bandscheiben-Liga” noch die „Anti-Stalking-Gruppe” wurde als Verein eingetragen. Warum ausgerechnet er sich denn für Stalking-Opfer einsetzen wollte, fragte Richter Breuer den Betrüger interessiert.

»Im Internet gibt es ein Ganovenregister samt Foto.«

Antwort des 51-Jährigen: „Beim Surfen im Netz habe ich die Seite Ganovenregister entdeckt. Da war auch ein Foto dabei, mit meiner Tochter drauf, das ist doch nicht ok.” Noch viel weniger ok ist allerdings seine letzte Tat, dessen „Niederträchtigkeit mir in 30 Jahren noch nicht untergekommen ist”, so lautete es in der schriftlichen Urteilsbegründung eines Richters aus Recklinghausen.

Hochbetagte Dame in Angst und Schrecken versetzt

Da hatte der Angeklagte eine hochbetagte Dame in einem Pflegeheim in Angst und Schrecken versetzt. Sich als Angestellter einer Klinik ausgebend, hatte er behauptet, ihr Sohn läge nach einem Unfall schwerstverletzt im Krankenhaus. Die Seniorin erlitt daraufhin einen Kreislaufkollaps. Eine besonders miese Form der Körperverletzung, geschehen aus Rache: Der völlig unversehrte Sohn hatte den Angeklagten einst angezeigt.

"Er hat es im Rücken, wollte Bandscheiben-Liga gründen"

Verteidiger Dr. Ulrich Kamann hatte Freispruch gefordert. Sein Mandant - „zu meinem großen Unwillen hat er auch mal eine Anti-Raucher-Liga gegründet” - sei wohl ein „notorischer Vereinsmensch”. Aber: „Er hat es im Rücken. Und wollte wirklich nur eine Bandscheiben-Liga gründen.”

Kathrin Melliwa

Facebook
 
Kommentare
Trackbacks

Die Trackback URL zu diesem Artikel ist: http://www.derwesten.de/services/trackbacks/article/2542806/create

UMFRAGE

Sollen Stehplätze in Fußballstadien abgeschafft werden?

 
Aktuelle Fotos und Videos
Layla Zoe in Dortmund
Bildgalerie
Piano
Hitze am Phoenix-See
Bildgalerie
Wetter
Achtung, Dortmund — hier droht Bußgeld!
Bildgalerie
Bußgeld-Katalog
Aus dem Ressort
Wohnraum für Arme: Knapp und schlecht saniert
Soziales
Auf dem Wohnungsmarkt haben Menschen mit wenig Geld das Nachsehen. Zum einen gibt es immer weniger Sozialwohnungen. Zum anderen lassen privater Finanzinvestoren günstige Wohnungen verkommen.
Aus Amerika direkt nach Hörde
Germany's next Topmodel
Model Diana hätte Germanys next Topmodel werden können, Model-Mama Heidi Klum rechnete ihr große Chancen fürs Finale aus. Diana aber entschied sich gegen die Show und schied aus familiären Gründen freiwillig aus. Mit ihrer Familie ist die 17-Jährige nach ihrem Ausstieg von Hagen nach Hörde gezogen.
Foto