Betrüger erfand sogar den Tod der Mutter
28.04.2010 | 17:04 Uhr 2010-04-28T17:04:00+0200
Dortmund. Wegen Betrugs und Unterschlagung verurteilte das Schöffengericht am Mittwoch einen 26-Jährigen zu einer Gefängnisstrafe von zwei Jahren und sechs Monaten. Der Mann hatte unter anderem seinem gutmütigen Arbeitskollegen mit dreisten Lügengeschichten Geld aus der Tasche gezogen.
Er macht einen ausgesprochen freundlichen, ja sympathischen Eindruck. Ein junger Mann, der schnell das Vertrauen seiner Mitmenschen gewinnt. Diese Gabe machte sich der 26-Jährige bei seinen Betrügereien eiskalt zu Nutze: Rund 7500 Euro schwatzte er einem gutmütigem Kollegen ab, der ihn in Not wähnte, ihm helfen wollten. Gestern gab es die Quittung im Amtsgericht.
Gericht schloss sich Antrag der Staatsanwaltschaft an
Wegen Betrugs in elf Fällen und Unterschlagung in einem Fall muss der Mann jetzt zwei Jahre und sechs Monate ins Gefängnis. Mit diesem Strafmaß schloss sich das Schöffengericht dem Antrag der Staatsanwältin Petra Tersteegen an. Wird das Urteil rechtskräftig, muss der 26-Jährige allerdings fürchten, noch länger hinter Gittern verbringen zu müssen: Denn zusätzlich droht ihm noch der Widerruf zweier Bewährungsstrafen von je zehn Monaten wegen Betrugs.
„Er machte immer einen so lieben Eindruck. War nett, höflich, zuvorkommend. Er tat mir einfach leid”, sagte ein Angestellter (60) jener Bau-und Immobilienfirma, der dem Angeklagten mit beispielloser Gutmütigkeit von September 2009 bis zur Festnahme im Januar rund 7500 Euro geliehen hatte. Unter anderem 500 Euro für den Grabstein seiner angeblich plötzlich verstorbenen Mutter...
»Ich brauche Geld für den Grabstein meiner Mutter«
Mama saß glücklicherweise höchst lebendig auf der Zuhörerbank des Gerichtes und hörte sich diese geschmacklose Geschichte mit bewundernswerter Haltung an. Eine Geschichte, „die nur die Eisspitze vieler hanebüchender Storys ist”, so Amtsrichter Dr. Reiner Kollenberg,, mit denen der junge Mann seinem älteren Kollegen Geld abluchste. Sein „Dankeschön”: Er bestellte auf dessen Namen - der Kollege war als Einkäufer beschäftigt - hochwertiges Werkzeug, das er dann einfach privat weiterverkaufte.
"Ich habe aus Angst alles mögliche eingeworfen"
Das Geld, so erzählte der Angeklagte, will er für Drogen ausgegeben haben. „Heroin, Kokain, Psychopharmaka. Vor lauter Angst habe ich alles mögliche eingeworfen.” Angst davor, dass seine Krebserkrankung wieder aufbricht, an der er vor acht Jahren erkrankte. Er war gerade einmal 18 Jahre alt, als das Schicksal zuschlug. Diagnose: Hodenkrebs. Als dann im September 2009 seine Blutwerte schlecht gewesen seien, da habe er sich einfach betäuben müssen, da sei der Druck zu groß geworden.
Eine Version, die Amtsrichter Dr. Reiner Kollenberg nur bedingt glaubte: „Der Angeklagte hat eine Neigung zu Betrügereien. Nicht die Drogen sind das Problem, sondern sein Hang zu Straftaten.”
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