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Betreiber des Dortmunder U-Turmes ziehen traurige Bilanz

18.01.2013 | 06:00 Uhr
Der Dortmunder U-Turm: Die Akteure zogen jetzt Bilanz.Foto: Ralf Rottmann

Dortmund.  Verschobene Eröffnungstermine, langer Umbau und Geldmangel: Das Kulturzentrum Dortmunder "U" kämpft mit Problemen. Bei der Jahresbilanz wurde deutlich, dass sich das auch auf die Besucherzahlen niederschlägt - von nationaler Anerkennung ist der U-Turm weit entfernt.

Dortmunds teuerster Leuchtturm tut sich schwer im Ringen um überregionale Strahlkraft. Zu lange gärte es umbautechnisch in der alten Brauerbrache . Auch der erhoffte Knalleffekt im Kulturhauptstadtjahr 2010 verpuffte im Gerangel um immer wieder verschobene Eröffnungstermine des Kreativzentrums. Der ganz große Wurf scheitert ohnehin an mangelnder Finanzausstattung.

Die Besatzung des „U“ bemüht sich unterdessen nach Kräften, den multiplen Kunst-, Kultur-, Bildungs- und Erlebnistanker an der Rheinischen Straße weiter auf Kurs zu bringen. Jetzt zogen sämtliche „U“-Akteure Bilanz und wagten einen Blick über den Horizont.

120.000 Besucher im Ausstellungs- und Veranstaltungsbereich und zusätzlich weitere 105.000 in der U-Gastronomie: Auf insgesamt 225.000 Besucher soll es der Turm in 2012 gebracht haben - Doppelzählungen seien herausgerechnet, versicherte man. Laut Kurt Eichler, dem Leiter der städtischen Kulturbetriebe und U-Gesamtverantwortlichen, hat der Besucherstrom somit um rund 16.000 gegenüber 2011 zugelegt. Immerhin eine leichte Steigerung, wenn auch von einer Trendwende angesichts der erstmals in 2012 voll geöffneten Etage „Kulturelle Bildung“ nicht die Rede sein kann. 200.000 Besucher - das schafft die Top-Ausstellung „Farbenrausch“ im Essener Folkwangmuseum innerhalb weniger Monate - auch ohne die Gastronomiezahlen draufzusatteln.

Mittel und Sponsoren fehlen

Für eine Top-Schau aber, die nur das Ostwallmuseum bewerkstelligen könnte, fehlen Mittel und Sponsoren. Selbst die geplante Ausstellung mit 300 Zeichnungen und Fotografien aus dem reichen Bestand der Sammlung Deutsche Bank (Start: 20. April) ist noch nicht ausfinanziert.

Mit einem mickrigen Ausstellungsetat von unter 100.000 Euro kann das Museums ohne fremde Hilfe ohnehin nur das Nötigste machen. Der gesamte Turm-Betrieb muss mit 5,8 Mio Euro jährlich auskommen, zuzüglich fallen noch Kreditleistungen für den durch die bekannte Kostenexplosion erschütterten Umbau in Höhe von 3,8 Mio Euro im Jahr an. Zum Vergleich: Das vom Profil verwandte ZKM in Karlsruhe bekommt von seinen Geldgebern pro Jahr allein 15 Mio Euro Betriebskostenzuschuss.

Dortmunds Sehenswürdigkeiten

Der Anspruch nationaler oder gar internationaler Ausstrahlung ist so kaum zu verwirklichen. Dafür ist das „U“ einfach zu unterfinanziert. Sparen heißt das Gebot der Stunde. Auch die Verantwortlichen sehen das wohl so: Auf eine Wiederbesetzung der vakanten Intendantenstelle wird man vorerst verzichten. Eine künstlerische Gesamtleitung - das ergab gestern eine spontane Nachfrage unserer Zeitung - scheint ohnehin niemand zu vermissen.

Michael Kohlstadt



Kommentare
22.01.2013
06:27
Kommentar (Teil 1): Statistik ist eben nicht alles
von nike8 | #12

Natürlich ist die Information der Öffentlichkeit durch die Leitung des U-Turmes falsch gewesen: Ganz klar bezogen sich die Zahlen nicht auf „Besucher“ sondern auf „Besuche“. Und wie diese Zahl dann ermittelt wurde, das hätte die U-Turm-Leitung „im Kleingedruckten“ durchaus nennen können.

Dieses Problem tritt aber bei allen Kombi-/ Familien- oder sonstigen Gruppentickets auf:

Nehmen wir einmal die Familienkarten des Westfalenparks: Unter http://www.dortmund.de/de/freizeit_und_kultur/westfalenpark_dortmund/preise_und_oeffnungszeiten/preise_und_oeffnungszeiten.html
findet man die entsprechenden Informationen. So kostet eine „Parkeintritt Tageskarte Kleingruppe 1“ derzeit 3,00 Euro. Mit dieser Karte kann ein Erwachsener und bis zu (!) vier minderjährige Kinder den Park besuchen. Und eben diese Regelung „bis zu“ schafft ja das Problem beim Zählen.

1 Antwort
Nur damit das nicht durcheinander gerät:
von vaikl2 | #12-1

Die hier gemeinten "Kombitickets" für den U-Turm-Besuch sind Einzeltickets, die allerdings den Besuch verschiedener, im Turm gleichzeitig stattfindender Veranstaltungen/Ausstellungen ermöglichen. So hat man die verkauften, *möglichen* Besuche (ohne "r") gezählt.

Wie ich aber schrieb, zählt das Rechnungsprüfungsamt im Gegensatz zur U-Leitung nur die verkauften Tickets, also die richtige Anzahl Besuche*r*.

22.01.2013
06:26
Kommentar (Teil 2): Statistik ist eben nicht alles
von nike8 | #11

Verkauft der Kassierer nun eine Eintrittskarte in Papierform, kann er anschließend nur sagen: „Eine Kleingruppe 1 ist in den Park gegangen.“ Wieviele Personen diese Gruppe umfasste und wieviele Personen insgesamt mit der Gruppenkarte 1 in den Park gegangen sind, ist nicht bekannt.

Jetzt könnte man sich statistisch damit behelfen, dass man einmal – stichprobenhaft – mit einer Strichliste tatsächlich die Personenzahlen solcher Gruppen erfasst, aus den Messwerten einen Mittelwert bildet und mit diesem Faktor künftig die Zahl der verkauften Gruppenkarten multipliziert – und schon hat man (fiktive) „Besucherzahlen“. Dass es sich hier nicht um „echte“ Besucherzahlen sondern um statistisch hochgerechnete handelt, sollte man der Öffentlichkeit aber fairerweise sagen.

Jedes veröffentlichungspflichtige Unternehmen muss in seinem Anhang zum jahresabschluss die Bilanzierungsregeln angeben. Warum können öffentliche Einrichtungen nicht bei den Besucherzahlen?

22.01.2013
00:17
Ach ja, es kommt wie es kommen musste...
von vaikl2 | #10

Lt. RN sind die stolzen rund 16.000 Mehr-Besucher eine weitere Lüge der Betreiber, denn die haben (im Gegensatz zu den Statistikern der Verwaltung) nicht den Besucher, sondern dessen mögliche Eintritte auf einem Kombiticket gezählt - einmal rein, viermal drin, oder so.

21.01.2013
11:52
Lt. Verwaltung...
von vaikl2 | #9

...sind es von den insgesamt über 10 Millionen Betriebskosten allein nur für Bau-Instandhaltung und Miete 4,4 Millionen Euro, die in diesem Jahr für den Größenwahn auf den Dortmunder Gebührenzahler zukommen.

Jeder der kümmerlichen 225.000 Besucher muss also ca. 20 Euro/Jahr blechen, damit der Bau nicht sofort anfängt zu schimmeln. Und damit ist noch kein einziger Cent verdient, um die exorbitanten und lange verschwiegenen Schulden durch die hingeschluderte Sanierung oder irgendeine Attraktion zur Steigerung der miserablen Besucherzahlen zu finanzieren.

Man könnte ja mit einer gewissen Ähnlichkeit zu einem anderen Größenwahn namens Flughafen argumentieren und den U-Turm auch ganz den Stadtwerken ins Körbchen schmuggeln, aber halt - die einzig sichere Einnahme der DSW21, die RWE-Rendite, soll ja lt. Analysten in 2013 bei weiter schlechten Aussichten mindestens stark gekürzt werden. Aber dann hat die Stadt sowieso noch ein Riesenproblem mehr...

21.01.2013
10:41
und wieder..
von liricherjung | #8

...ein gescheitertes Leuchtturmprojekt, von dem nur die gut dotierten Führungspositionen profitieren, die über Parteibuchgeschiebe in den Job gehievt wurden!

Wenn ich das schon lese: multipler Kunst-, Kultur-, Bildungs- und Erlebnistanker

Alles irgendwie alles ..... und gar nichts.....

21.01.2013
10:19
Betreiber des Dortmunder U-Turmes ziehen traurige Bilanz
von DrDr | #7

So, wie man den U-Turm innen gestaltet hat (Vorsicht bei Besuchern mit Platzangst), kann man die schönsten und teuersten Sonderausstellungen planen, allein diese wird sich niemand anschauen wollen, da das Raumkonzept eine Katastrophe ist.

20.01.2013
16:23
Betreiber des Dortmunder U-Turmes ziehen traurige Bilanz
von Shy_Eye | #6

Ich weiß gar nicht was diese Müll soll?! U-Turm - wofür soll das sein?

Also echt..... da wird Geld nur Geldverschwendet. Gut gemeint, kann aber keiner gebrauchen.


Also der Ruhrpott hat es nicht so damit ATTRAKTIVITÄT zu schaffen!

1 Antwort
Betreiber des Dortmunder U-Turmes ziehen traurige Bilanz
von mellow | #6-1

Müll? Was meinen Sie damit? Ist der U-Turm aus Ihrer Sicht architektonischer "Müll"? Oder Kunst und Kultur im Allgemeinen?

19.01.2013
18:36
Betreiber des Dortmunder U-Turmes ziehen traurige Bilanz
von Ripoco | #5

Der U-Turm in einer solch verschuldeten Stadt
ist überflüssig wie ein Kropf.

Schließen kann dieses Desaster noch stoppen,
stattdessen konnte das Geld
für den Erhalt von .... verwendet werden
(hier fehlt der Platz für die Aufzählung
aller maroden Stätten in Dortmund).

Mit dem U-Turm haben sich SPD-OBs
mal wieder ein Denkmal setzen wollen
- und in einigen Jahren soll vielleicht
eine Straße/ein Platz nach denen benannt werden.

18.01.2013
17:31
Betreiber des Dortmunder U-Turmes ziehen traurige Bilanz
von Schorlemme | #4

Der Vergleich U-Turm Dortmund und ZMK Karlsruhe hinkt ganz gewaltig. Dortmund hat ja nicht nur den U-Turm. da gibt es die Oper, Schauspielhaus, Kinder- und Jugendtheater, Konzerthaus, Westfalenhallen, Ostwallmuseum, Naturkundemuseum, usw. Und Dortmund ist mit 2 Milliarden € verschuldet

18.01.2013
08:17
U-Besatzung hält Turm auf Kurs
von Braunfuchs | #3

Zu wenig Geld? Jaah neeh iss klah - weit über 100 Millionen Euro Baukosten bis jetzt und mehr als 10,2 Millionen Euro pro Jahr Betriebskosten - das ist zu wenig? Das Dortmunder U ist ein Flop ersten Ranges und eine regelrechte Geldvernichtungsmaschine. Mehr nicht - aber - auch nicht weniger!

1 Antwort
Betreiber des Dortmunder U-Turmes ziehen traurige Bilanz
von mellow | #3-1

"Ja neh iss klah". Brrraunfuchs bereichert uns wieder mit hochwertigen Denkanstößen.

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