Bestürzung und Wut nach PCB-Blutbefunden
10.06.2010 | 19:52 Uhr 2010-06-10T19:52:00+0200
Dortmund.Bestürzung haben die Blutbefunde der beiden langjährigen Envio-Mitarbeiter ausgelöst, die die WR gestern exklusiv veröffentlichte. Die Tatsache, dass die Giftbelastung in allen sechs untersuchten PCB-Gruppen deutlich – in der Spitze fast um das 50-fache – über den Richtwerten liegen, beunruhigt Anwohner des Hafens. Einige riefen hilfesuchend in der Redaktion an, viele bei der Hotline (Tel. 0231/500) der Stadt.
Auch Envio meldete sich zu Wort. Man sei „besorgt“ über die erhöhten PCB-Werte im Blut der beiden Mitarbeiter, verstehe deren Verunsicherung „sehr gut“, so Firmensprecherin Claudia Weirich. Erklären könne sich Envio die Werte „derzeit noch nicht“. Regelmäßig lasse man alle Beschäftigten arbeitsmedizinisch untersuchen – „die beiden Betroffenen nach unserer Erkenntnis zuletzt im Frühjahr 2009“. Bei allen Mitarbeitern hätten die PCB-Untersuchungen „keine Bedenken“ ergeben, so Weirich.
„Niemals Ergebnisse gesehen“
Die beiden Betroffenen bestreiten diese Darstellung. „Wir haben niemals Ergebnisse gesehen“, erklären sie. „Immer hieß es, wenn wir keinen Bescheid bekommen, sei alles in Ordnung.“ Sie bezweifeln grundsätzlich, dass ihr Blut auf PCB analysiert worden ist.
„Erschüttert“ von den hohen PCB-Blutwerten, verschärfen die Grünen im Rat den Druck auf Bezirksregierung und Stadt. Das Gesundheitsamt erwägt einen Stopp der Blutuntersuchungen im Umfeld des Hafens. Unterdessen wird der Giftskandal für ehemalige Envio-Beschäftigte zum reinen Psycho-Stress.
„Alle meine Alpträume werden wahr“
„Alle meine Alpträume werden wahr“, klagte gestern ein Ex-Mitarbeiter nach einem einschneidenden Erlebnis. Aus der WR hatte er von den erschreckenden Befunden seiner Ex-Kollegen erfahren. Der Schock saß tief. Sogleich rief der besorgte Mann bei der PCB-Hotline der Stadt an, bekam dort auch einen Termin zur Blutuntersuchung im Gesundheitsamt: Montag, 13 Uhr. Doch nur Minuten später rief das Gesundheitsamt zurück und strich die Vereinbarung. „Die haben mir gesagt, ich soll den Bluttest beim Envio-Betriebsarzt machen“, berichtet der Ex-Mitarbeiter. „Das Gelände der Firma, die möglicherweise meine Gesundheit ruiniert hat, will ich aber definitiv nicht mehr betreten.“ Doch die Dame am Telefon blieb hart. „Dass ich schon lange nicht mehr bei Envio beschäftigt bin, spiele keine Rolle. Das Amt nehme sich davon nichts an“, gibt der geschockte Mann den Gesprächsverlauf wieder.
„Bio-Monitoring sinnvoller als weitere Bluttests“
„Das muss ein Missverständnis sein“, meinte Amtsleiterin Dr. Annette Düsterhaus auf Nachfrage der WR. Grundsätzlich gehe es ihr darum, „Envio nicht aus der Verantwortung für die eigenen Mitarbeiter zu nehmen“. In Härtefällen wie diesem seien aber Ausnahmen möglich. „Natürlich kann er sich auch bei uns untersuchen lassen“, bot Düsterhaus einen Termin an. Der wurde inzwischen festgemacht.
„Bei der Blutprobenentnahme treten wir jetzt auf die Bremse“, kündigte Düsterhaus an. Bisher habe die Stadt rund 500 Proben bei Anwohnern entnommen. Das Labor in Erlangen komme mit den Analysen kaum noch nach. 50 Ergebnisse pro Woche seien das Maximum. „Bis der letzte Bürger seine Werte hat, wird es Ende September“, rechnet die Amtsärztin hoch. Es mache „keinen Sinn“, noch Nachzüglerwerte im Oktober zu veröffentlichen. „Da ist ein Bio-Monitoring der Personen, die am schlimmsten von den PCB-Belastungen betroffen sind, weit sinnvoller.“
Ruf nach Dioxin- und Furanuntersuchungen
Die Grünen fordern, dass die Bluttests „unbürokratisch, zügig und ohne weitere peinliche Pannen abgewickelt werden“, so Ratsvertreterin Ulrike Märkel – damit alle Betroffenen „zeitnah wissen, woran sie sind“. Gezielte Nachuntersuchungen auf Dioxine und Furane seien ebenso Pflicht wie regelmäßige Anschlussuntersuchungen bei Envio-Festangestellten, Zeit- und Leiharbeitern.
Fraktionschefin Ingrid Reuter weiß von „anonymen Hinweisen zu Mängeln beim Arbeitsschutz“ bei der Envio AG, die der Bezirksregierung schon 2007 vorgelegen haben sollen. Es müsse „genauestens aufgeschlüsselt“ werden, „welcher Art die waren, welche Kontrollen folgten – mit welchen Ergebnissen“. Reuter will Akteneinsicht in Arnsberg beantragen – bei der Bezirksregierung, „deren oberster Repräsentant anscheinend völlig abgetaucht ist und sich diesmal gar nicht für Dortmund interessiert“. Grünen-Landesvorsitzende Daniela Schneckenburger will auf Landesebene aktiv werden und prüfen lassen, „ob die Bezirksregierung ihrer Aufsichtspflicht in ausreichendem Maße nachgekommen ist“.
11:59
Jetzt ist der Zeitpunkt erreicht, an dem offenbar wird, dass es wirklich überhöhte Blutwerte gibt, und was passiert jetzt? Ausgerechnet jetzt will Frau Dr. Annette Düsterhaus die Untersuchungen einstellen lassen. - Ähm, habe ich da irgendwas falsch verstanden? Ist das nicht irgendwie ziemlich unlogisch und kontraproduktiv? Auf welchem Planeten lebt Frau Anette Düsterhaus? Kann sie sich auch in entferntester Weise in die Seelen der Betroffenen hineinversetzen???
11:59
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11:45
Wie kann man bloß so eine miese Informationspolitik gegenüber der Öffentlichkeit und besonders gegenüber den direkt geschädigten Mitarbeitern machen?
Karten auf den Tisch, das Kind ist ohnehin in den Brunnen gefallen.
Traurig.
09:49
Alle Bürger und Bürgerinnen Deutschlands sollten mal auf Gifte im Körper getestet werden, wir sind sicher alle vergiftet.
Die Tests könnten ja unsere Millionäre bezahlen, den würde es nicht wehtun...
„Erst wenn der letzte Baum gerodet, der letzte Fluß vergiftet, der letzte Fisch gefangen ist, werdet ihr feststellen, daß man Geld nicht essen kann.
02:35
Die Härte ist ja wieder einmal unsere Frau Düsterhaus:
Grundsätzlich gehe es ihr darum, „Envio nicht aus der Verantwortung für die eigenen Mitarbeiter zu nehmen“
Bei bestehendem Verdacht u.A. auf Umweltstraftatbestände, Körperverletzung und Betrug möchte Fr. Düsterhaus also die Verantwortung für die Aufdeckung und Beweisführung lieber den Beschuldigten zusprechen, anstatt selbst ihren Auftrag als Teammitglied der unteren Umweltschutzbehörde zu erfüllen.
Eine mindestens sehr seltsame Dienstauffassung hat die Dame ja. Während der Schweinegrippe-Hysterie konnte sie noch mit unkritischer Weitergabe der RKI-Falschmeldungen punkten, aber hier versagt wohl der Artenschutz übergeordneter Behörden.
01:50
Ps, liebes Spieglein:
Die Betriebsgenehmigungen für Envio wurden wie auch die Genehmigungen für die zum großen Teil immer noch benutzten Anlagen der Vorgänger-Firma ABB von SPD-geführten Bezirksregierungen ausgestellt. Nur falls da Irgendjemand wieder mal CDU-Schmuh vermuten sollte....
00:56
@ #4
In diesem konkreten Fall hilft gutes googeln weit mehr als Fingerpointing vom bequemen Ratssaal-Sofa aus. Vor allem dann, wenn man noch Sieraus wirtschaftliche Interessen der Stadt im Ohr hat.
00:52
Bunte Bilder anschauen
00:49
Aber das sind doch Stärken, die H. St.... hat
00:46
# 2
gut gegoggelt