Beratungsstelle in Dortmund hilft 86 Neonazi-Opfern

Wer "Back Up" googelt, landet zuerst beim iPhone. "Back Up" gibt es aber auch politisch - dahinter verbirgt sich seit 2011 eine Beratungs- und Unterstützungsstelle für Opfer rechter Gewalt. 2014 wurden dort 86 Menschen beraten - und die Idee für ein Zeichentrick-Video ist entstanden, das Sie hier jetzt sehen können.

Dortmund.. Die meisten Menschen, die die Hilfe von "Back Up" in Anspruch nehmen, kommen aus eigenem Antrieb zu der Beratungsstelle. Sie wurden aufgrund ihres Aussehens offen attackiert oder aufgrund ihres politischen Engagements als ebensolche Gegner "identifiziert" und dementsprechend angegangen. Die Formen der Angriffe, sagt "Back Up"-Leiterin Katharina Kustosiak, seien unterschiedlich, es gehe von subtilem Psychoterror bis hin zur stumpfen Gewalt.

Opferschutz und Anonymität

Konkrete Fälle wollen sowohl Kustosiak als auch der ehemalige Superintendent und heutige "Back Up"-Vorsitzender Hartmut Anders-Hoepgen nicht nennen, sie fühlen sich den Menschen, die zu ihnen kommen, verpflichtet, Opferschutz und Anonymität ließen konkrete Auskünfte nicht zu. Denn oft haben die Opfer auch nach der Tat Sorgen und Ängste, sind teilweise traumatisiert und befürchten weitere Attacken.

Um Sicherheit zu gewährleisten, können Opfer, die mit dem Verein vor Gericht ziehen, sogar ihre Adresse über den Verein laufen lassen, damit ihre Meldeadresse nicht in den Gerichtsakten steht, die auch für die Gegenseite einsehbar sind. "Das geht aber nur, solange der Vorgang noch nicht bei der Staatsanwaltschaft liegt", so Kostusiak. Seit der Gründung im Jahr 2011 hat "Back Up" 200 Opfern geholfen.

Spenden "bitter nötig"

Die Finanzierung von "Back Up" ist immer nur für ein Jahr gesichert, 250.000 Euro kommen vom Land NRW, 50.000 Euro von der Stadt. Dazu kommen noch Spenden, die laut Anders-Hoepgen "für unsere Arbeit bitter nötig sind". Vier Berater mit jeweils 25 Wochenstunden arbeiten für den Verein. "Eigentlich" sagt Hartmut Anders-Hoepgen, "ist es ein Skandal, dass es eine solche Beratungsstelle geben muss."

Um sich und seine Arbeit bekannter zu machen und Menschen auf sich aufmerksam zu machen, die von der Existenz von "Back Up" noch nichts wissen, hat der Verein einen Trickfilm produziert, der mögliche Opfersituationen und die sich daraus ergebende Hilfe der Berater zeigt.

Das ist das Video von "Back Up":