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Beim Streit um Parkplatz Rentnerin gegen das Bein gefahren

29.10.2012 | 16:24 Uhr
Beim Streit um Parkplatz Rentnerin gegen das Bein gefahren

Dortmund.   Im Streit um einen Parkplatz ist ein Familenvater einer Rentnerin zweimal gegen das Bein gefahren. Die Frau war damals ausgestiegen, um ihrem Mann den Platz zu sichern. Vor Gericht bekam die Frau jetzt 500 Euro Schmerzensgeld zugesprochen.

Es war ein einfacher, schlichter Satz, mit dem die Rentnerin den wahren Kern dieses Prozesses beschrieb: „Wie kann man so verrückt sein? Es ging doch nur um einen dusseligen Parkplatz.“ Ein Parkplatz, den sowohl sie und ihr Ehemann als auch ein Familienvater auf dem übervollen Real-Gelände in Aplerbeck erspäht hatte. Man stritt sich, wer zuerst da war. Die Rentnerin musste danach zum Arzt, der Familienvater landete auf der Anklagebank. Und dabei wollte man doch nur zum Flohmarkt.

Die Vorwürfe der Staatsanwaltschaft gegen den Familienvater klangen erheblich: gefährlicher Eingriff in den Straßenverkehr und gefährliche Körperverletzung. Um auf sein Recht zu pochen, soll der Mann mit seinem Fiesta der 63-Jährigen am 13. November 2011 zweimal von hinten in die Kniekehle gefahren sein.

„Auf einmal bekam ich einen Stoß von hinten gegen das Knie“

Die Rentnerin war zuvor ausgestiegen, um sich die Beine zu vertreten – und auch, um ihrem Mann den Platz zu sichern. Letzteres hatte sie erst im Prozess verneint. Vielmehr habe sie der jungen Mutter, die da schwer bepackt zu ihrem Kleinwagen ging, aus der Parklücke heraushelfen wollen. „Die konnte doch sonst gar nichts sehen. Und als ich die so herauswinke, da bekomme ich auf einmal einen Stoß von hinten gegen das Knie. Und dann noch einen. Ich war total perplex. “

Der Autofahrer indes behauptete: „Die Frau hat sich mit dem Rücken gegen mein Auto gestellt, direkt vor meine Stoßstange. Wenn es wirklich zu einer Berührung kam, dann hat sie das selbst verschuldet.“ Damals sei er schon mehrmals auf dem Parkplatz herumgekreist – und als er die tütenschleppende Mutter entdeckt hatte, witterte er das Ende der langen Suche. „Ich bin ihr langsam hinterher gefahren, bis zu der Parklücke.“ Dort angekommen, sah er allerdings eine lange Schlange, angeführt vom Auto des Rentnerpaares...

Amtsrichterin findet pragmatische Lösung

Dass der Wagen des Angeklagten auf die 63-Jährige zurollte, haben auch zwei Zeugen gesehen. Nach dem schmerzhaft erkämpften Parkplatz – der Arzt stellte am nächsten Tag bei der 63-Jährigen eine Knieprellung fest – bummelten die beiden erst einmal über den Flohmarkt. Sollte ja schließlich nicht alles vergeblich gewesen sein. „Hätte der junge Mann sich entschuldigt, dann hätten wir auch keine Strafanzeige erstattet. Aber so nicht.“ Amtsrichterin Constance Bock fand am Ende eine pragmatische Lösung, die alle zufrieden stellte: Der Autofahrer zahlt 500 Euro Schmerzensgeld an die Rentnerin, im Gegenzug wird sein Strafverfahren eingestellt.

Kathrin Melliwa



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