Beim Pokern ist Bluffen ein Auto wert
21.12.2008 | 20:46 Uhr 2008-12-21T20:46:35+0100Zwei Croupiers stehen am Roulette-Tisch, der im großen Turnierbereich des Casinos Hohensyburg irgendwie untergeht. Die weiße Kugel ist im Spiel, "nichts geht mehr", murmelt der eine - und kein Mensch setzt auch nur einen einzigen Chip.
Von Jens Krömer "Pokerspieler sind eine Spezies für sich. Roulette ist nicht unbedingt ihre Sache", meint der andere. Die Finalrunde der Westspiel Poker Tour (WPT) hat am Wochenende mehr als 350 Pokerspieler auf die Hohensyburg gelockt.
Bei dem nach Veranstalter-Angaben größten Sachpreis-Poker-Turnier gab es einen schnittigen Audi R8 (150 000 Euro) zu gewinnen. Insgesamt wechselten 250 000 Euro den Besitzer. Gespielt wurde bis tief in die Nacht, Samstag sogar bis um fünf Uhr morgens. An den mit blauem Samt bezogenen Tischen wird Texas Hold´ em No Limit gespielt.
Die beliebteste Pokervariante, bei der bis zu zehn Spieler jeweils zwei Karten in der Hand mit bis zu fünf Karten auf dem Tisch zur besten Pokerhand kombinieren können. Aber: "Wer geschickt blufft, kann den Pott gewinnen, ohne gute Karten zu haben", sagt Jens Vörtmann. Er ist der vielleicht erfolgreichste deutsche Pokerspieler und hat sogar bei der "World Series of Poker" ein Armband, das so genannte Bracelet, gewonnen. In Dortmund hat er es nicht um. "Das liegt sicher im Safe, nur bei richtig großen Turnieren in den Staaten trage ich es. Da kennen mich nicht so viele und da sorgt das Bracelet schon für Respekt."
Respektieren tun ihn seine Gegner schon so. Er gilt als gewiefter Cashgame-Spieler. "Dabei geht es direkt um Geld und nicht nur um Chips und den Turniersieg", erklärt er. Und auch wenn er bei manch einem großen Turnier schon beachtliche Erfolge erreichen konnte - rund 300 000 Dollar gehen bisher durch Poker auf sein Konto - war ihm das Glück am Freitag nicht hold. "Ich bin schon raus. Als Vierter", seufzt Vörtmann. Den Traum vom R8 kann er abhaken. "Den hätte ich aber ohnehin eingetauscht. Ich habe mir ja letztens erst einen Aston Martin gekauft."
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