Beim Krankenbesuch zog "Irokese" den Elektroschocker
02.02.2009 | 20:15 Uhr 2009-02-02T20:15:19+0100Dunkler Anzug, Krawatte, den Bart zum Zöpfchen geflochten. Bandido "Irokese", so sein Spitzname in der Szene, hatte sich in Schale geworfen. Kollege "Panzer" bevorzugte auf der Anklagebank schlichtes Schwarz. ...
... Ihre Antwort auf die Vorwürfe der Staatsanwaltschaft: Kopfschütteln. Wer Geschäfte mit Bandidos macht, lebt gefährlich: Vor allem, wenn die Geschäfte nicht so laufen, wie die beiden bulligen Männer sich das vorstellten: Eine Erfahrung, die ein 30-Jähriger machte, der nach seiner Geschäftsbeziehung monatelang im Zeugenschutzprogramm der Polizei lebte und auch gestern von zwei Beamten ins Gericht begleitet wurde. Er selbst ist wegen Drogenhandels zu einer Bewährungsstrafe verurteilt worden. Im eigenen Prozess packte er aus, brachte so "Panzer" und "Irokese" auf die Anklagebank der 36. Großen Strafkammer.
Handel mit Betäubungsmitteln, versuchte räuberische Erpressung und gefährliche Körperverletzung wirft die Staatsanwaltschaft den beiden vor. Wobei sich die gefährliche Körperverletzung auf "Irokese" bezieht. Er soll im August 2006 im Marienhospital Lünen jenem in Ungnade gefallenen Geschäftspartner einen Krankenbesuch der anderen Art abgestattet haben. Statt Blumen, so die Anklage, hatte er einen Elektroschocker dabei. "Ich bekam einen starken Stoß am Bauch verpasst", erinnerte sich der Zeuge. In der Zimmertür sei "Irokese" noch mit der verdutzten Krankenschwester zusammengestoßen, bevor er sich draußen auf seine Harley schwang. Grund des Besuches: Der Patient hatte Schulden aus Drogengeschäften...
Alles begann damit, dass der in Aplerbeck wohnende "Panzer" zur Fußball-WM 2006 in der Lüner Fußgängerzone einen Armee-Shop eröffnete. "Erst gestaltete ich ihm nur das Schaufenster", erinnerte sich der Zeuge, "später verkaufte ich in seinem Auftrag Kokain weiter". Als ein Geschäft um 35 Gramm platzte, sei "Panzer" ärgerlich geworden. "Als Ausgleich habe ich erst kleinere Kurierfahrten gemacht." Dann sollte er satte 2,5 Kilo fahren, da sei ihm die Sache zu heiß geworden, so gab er einst bei der Polizei an. An jene 2,5 Kilo mochte sich der Zeuge gestern jedoch nicht mehr erinnern. "Ist lange her." Die beiden Angeklagten schweigen zur Anklage, bisher sind drei weitere Prozesstage geplant.
23:58
Bandidos? War das nicht die Truppe, die damals vom ehemaligen Konzerthauschef Vogt (angeblich auch Motoradfan) als Security fürs Konzerthaus angeheuert wurde? Die in dieser Funktion schon bei Großveranstaltungen in der Westfalenhalle einen gewissen Ruhm erlangte? Und deren Etablierung mit Cafe und Läden im Brückstraßen-Viertel einher ging mit einem schnellen Rückzug der bis dahin dort drogen-herrschenden Osteuropäer?
Naja, ist ja schon lange her....