Bei Gerrit Jacobi gehört der BVB zum Familienerbe

Der Urenkel von BVB-Gründer Franz Jacobi, Gerrit Jacobi.
Der Urenkel von BVB-Gründer Franz Jacobi, Gerrit Jacobi.
Foto: Stefan Reinke
Was wir bereits wissen
Wer kann schon behaupten, mit dem Gründer eines erfolgreichen Fußballklubs verwandt zu sein? Gerrit Jacobi aus Salzgitter kann das. Er ist der Urenkel von BVB-Gründer Franz Jacobi, dem drei Journalisten ein filmisches Denkmal setzen wollen. Im Interview spricht Jacobi über den BVB als Erbstück.

Dortmund.. Gerrit Jacobi ist 26 Jahre alt, wohnt in Salzgitter — und kann mit einigem Recht von sich behaupten, dass in seinen Adern schwarz-gelbes Blut fließt. Denn Gerrit ist der Urenkel von Franz Jacobi, der prägendsten Figur der Gründungsjahre von Borussia Dortmund.

Franz Jacobi war die Triebfeder, als es 1909 für eine katholische Jugendgruppe darum ging, sich gegen den Kaplan Dewald durchzusetzen und verbotenerweise Fußball zu spielen. Jacobi trommelte seine Mitstreiter in der Gaststätte "Zum Wildschütz" zusammen und er war es auch, der den Namen Borussia für den neugegründeten Verein auswählte.

In der Nachkriegszeit wirkte Franz Jacobi beim Wiederaufbau der Vereinsstrukturen und verhinderte, dass der Verein mit einem lokalen Konkurrenten verschmolzen wurde, wie es die Engländer geplant hatten.

Aus familiären Gründen zog Jacobi nach Salzgitter, blieb dem BVB aber im Herzen treu. In Salzgitter befindet sich auch das Grab von Franz und Lydia Jacobi - noch. Denn die drei Filmemacher Gregor Schnittker, Marc Quambusch und Jan-Henrik Gruszecki haben bei ihren Recherchen Jacobis Urenkel Gerrit in Salzgitter aufgespürt und von ihm erfahren, dass das Grab eingeebnet worden ist, die Gebeine der Eheleute Jacobi aber noch in der Erde liegen.

Am 27. Juli werden die sterblichen Überreste der Jacobis nun zurück nach Dortmund überführt und auf dem Südwest-Friedhof in einer feierlichen Zeremonie beigesetzt.

Interview mit dem Urenkel von Franz Jacobi

DerWesten sprach mit Franz Jacobis Urenkel Gerrit darüber, wie es ist, wenn der BVB gewissermaßen zum Familienerbe gehört, und über die "Heimkehr" seines Uropas nach Dortmund.

Herr Jacobi, wie ist die Erinnerung an Ihren Urgroßvater?

Gerrit Jacobi: Leider habe ich ihn nie kennengelernt. Aber ich habe viele Anekdoten über ihn gehört. Der BVB stand für ihn immer im Mittelpunkt. Es ist toll, dass ich diese Geschichten jetzt weitererzählen kann, nachdem wir als Familie über lange Zeit den Eindruck hatten, dass der BVB seinen Gründer vergessen hat.

Was ist es für ein Gefühl, wenn ein Film über einen Verwandten gedreht wird?

Jacobi: Ein tolles Gefühl! Gerade weil wir den Eindruck hatten, niemand interessiere sich für Franz Jacobi.

Wie ist der Kontakt zu den Filmemachern zustande gekommen?

Jacobi: Das war ein ziemlicher Zufallstreffer. Die Macher des Films haben nach den nächsten Verwandten von Franz Jacobi in Salzgitter gesucht. Mit dem ersten Anruf hatten sie dann gleich mich gefunden.

Welche Rolle hat der BVB in der Familie Jacobi gespielt? Gab es da immer das Bewusstsein "Wow! Wir haben den BVB gegründet"?

Jacobi: Ja, schon. Durch meinen Opa haben wir viel erzählt bekommen und das Bewusstsein war durch vielen Anekdoten immer da. Mit der Zeit setzt sich das dann natürlich fest.

"Ich sehe den BVB als Teil meiner Familie"

Gab es jemals die Wahl, nicht BVB-Fan zu werden?

Jacobi: Das ist schwierig zu sagen, weil ich letztlich nicht weiß, was mich zum Fan gemacht hat. Aber unterbewusst wird das bestimmt eine Rolle gespielt haben.

Leben Sie das Fansein anders als andere BVB-Fans, weil bei Ihnen der Verein gewissermaßen zur Familie gehört?

Jacobi: Hm, da habe ich noch nie drüber nachgedacht. Ich sehe den BVB schon als Teil der Familie an. Aber ich glaube nicht, dass ich dadurch ein anderer Fan bin. Ich bin schon immer Fan gewesen, seit ich denken kann.

War denn die Familien-Geschichte Thema in der Schule?

Jacobi: In der Schule wussten das relativ wenige. Mein bester Kumpel aus Salzgitter, der auch riesiger BVB-Fan ist, war davon immer total begeistert. Der hat sich mit mir zusammengesetzt und meinen Opa befragt, wie das denn so alles war. Aber man kann natürlich schlecht allen sagen: "Mein Uropa hat den BVB gegründet." Das glaubt einem ja niemand. Ich bin da schon stolz drauf, bin mit dem Thema aber nicht hausieren gegangen. Ich habe den Verein ja schließlich nicht gegründet.

Gab es Hänseleien, wenn es beim BVB mal nicht so gut lief?

Jacobi: Nein. Aber in Salzgitter gibt es auch mehr Dortmunder als Schalker.

Was bedeutet es für Sie, dass am 27. Juli die sterblichen Überreste Ihrer Urgroßeltern nach Dortmund überführt werden?

Jacobi: Das ist ein wirklich tolles Gefühl. Aus tiefstem Herzen. Wir kannten das Grab, und eines Tages war es weg, ohne dass sich jemand gemeldet hat. Wir standen vor einem Haufen Erde und ich dachte, dass es von Franz und Lydia Jacobi keine Spur mehr gibt, sobald das Grab neu vergeben wird. Zum Glück kam der Kontakt zu den Filmemachern zustande. Jetzt bekommt mein Uropa ein Grab in Dortmund und wird nicht vergessen.

Ist es schwer, dass er dann weg aus Salzgitter ist? Oder überwiegt die Freude, dass es weiterhin eine Grabstelle geben wird?

Jacobi: Es überwiegt die Freude. Wir haben das Grab natürlich oft besucht. Aber Dortmund ist seine Stadt.