Bei Envio im Dortmunder Hafen soll wieder alles sicher sein
07.09.2011 | 23:00 Uhr 2011-09-07T23:00:00+0200
Dortmund. Jetzt wirklich — jetzt sei das Envio-Gelände im Dortmunder Hafen tatsächlich sicher, beteuerte die Bezirksregierung Arnsberg am Mittwoch. Grüne und Linke blieben skeptisch: Das habe die Behörde nach dem PCB-Skandal schon öfter gesagt.
Jetzt aber wirklich, ja, jetzt sei das Envio-Gelände tatsächlich sicher, beteuerte die Bezirksregierung Arnsberg am Mittwoch (7. September 2011) im Umweltausschuss. Grüne und Linke blieben eher skeptisch. Das habe die Behörde schon öfter gesagt, hieß es – und am Ende sei herausgekommen, dass skandalöse Sicherheitslücken auf dem Gelände herrschten. Erklärungsversuche von zwei verantwortlichen Dezernenten überzeugten die Kritiker nicht.
Das wochenlang für Hunderte von Beschäftigten problemlos zugängliche Giftlager in Halle 55, mögliche PCB-Austritte aus Hallenöffnungen, ungesicherte Giftmüllberge auf dem Freigelände, unabgedeckte PCB-Flächen – das alles soll Geschichte sein. Heute sei alles im grünen Bereich, sagten die beiden Arnsberger Dezernenten Joachim Schmied und Thorsten Schmitz-Ebert. Bauzäune, Schlösser, Siegel und Kontrollgänge seien eingeführt worden zur Sicherung verseuchter Bereiche. „Was war denn vor August 2011?“, dem Zeitpunkt, an dem diese Zeitung die skandalösen Mängel enthüllte, fragte Ausschusschefin Ingrid Reuter (Grüne). Konkrete Antworten blieb die Bezirksregierung schuldig.
Aktuell habe man alles im Griff, traten die Arnsberger die Flucht nach vorne an. Sie zeigten Messdiagramme, die Unbedenklichkeit belegen sollten. „Sehen Sie, alles unkritisch“, sagte Schmied, „überhaupt keine Probleme“. Für Irritationen sorgte die Nachfrage, warum nach dem enormen PCB-Anstieg an einem Messpunkt nahe des Fredenbaum-Parks direkt am Dortmunder Hafen im Februar die Öffentlichkeit nicht gewarnt wurde. Das extrem gefährliche dioxinähnliche PCB sei um mehr als das 20-fache, andere PCB-Gemische um das 80-fache gestiegen, erinnerte Ulrike Märkel (Grüne) – und die Bürger blieben ahnungslos.
Extremer Anstieg der PCB-Werte "witterungsbedingt"
Schmied nahm das Envio-Gelände als mögliche Quelle der Gift-Explosion aus der Schusslinie und machte den Schrottverwerter RRD als Schuldigen aus. Im Übrigen gebe es „eher witterungsbedingte Zusammenhänge“ für den damaligen PCB-Anstieg.
Unterdessen bangen rund 300 mit PCB vergiftete Envio-Opfer um ihre Zukunft. Prof. Thomas Kraus, Leiter des Untersuchungsprogramms, bestätigte starke seelische und körperliche Ausfallerscheinungen vor allem bei stark belasteten Personen. Bei sechs Krebskranken, die PCB im Blut haben, sei immer noch nicht klar, ob die Chemikalie dafür ausschlaggebend sei.
Anerkennung als Berufskrankheit bei 46 Betroffenen ungewiss
Für 46 Betroffene sind Berufskrankheiten angezeigt. Ob sie anerkannt werden, ob eine finanzielle Absicherung erfolgt und in welcher Form, das sei derzeit ungewiss, sagte Kraus und berichtete von bedrückenden Schicksalen: „Die, die ihre Arbeit verloren haben und unfähig sind, neue zu finden, stehen mit dem Rücken zur Wand.“
Unklar ist auch die Perspektive für 34 Angehörige, die unschuldig vergiftet wurden, weil ahnungslose Envio-Arbeiter das PCB in ihrer Kleidung mit nach Hause geschleppt hatten. „Für sie sind die Berufsgenossenschaften nicht zuständig, auch nicht für Anwohner und Kleingärtner am Dortmunder Hafen“, sagte Kraus. Leiharbeiter hingegen, die beim Giftskandal rund um die Envio AG krank wurden, seien durch die Verwaltungsberufsgenossenschaft abgesichert.
16:34
Thema RRD und plötzlich gestiegene PCB-Messwerte:
Da mag Herr Schmied ja grundsätzlich recht haben, nur sollte die Frage im Ausschuss anders lauten: Was ist mit dem Gelände von Hittmeyer, ehemals als Envio-Kunde genauso PCB-belastet wie RRD und im Laufe des letzten Jahres von der RRD geschluckt (beide nun im Mutterkonzern Georgsmarienhütte vom RWE-Boss Grossmann)?
Ohne die Öffentlichkeit oder überhaupt Jemanden zu informieren, ist das Gelände plötzlich geräumt und verwaist gewesen. Wer hat dort kontrolliert, ob eine Sanierung erfolgte und ist das Gelände evt. weiter kontaminiert, ohne dass es Jemand weiß???
Scheinbar möchten die Grünen nur Fragen fragen, bei denen sie Arnsberg anpinkeln können und selbst nicht reinfallen, denn Hittmeyer und RRD waren/sind anders als Envio komplett in der Verantwortung der Dortmunder Umweltbehörde mit einem grünen (Noch-)Dezernenten.
12:10
Klaus Brandt stilisiert sich als Enthüllungsjournalist. Er hat im Mai auf dem Enviogelände herumgestochert und die Ergebnisse der Stocherei im August enthüllt. Er sollte diese Pose lassen, langsam wirds peinlich.
12:00
Verweise auf:
http://www.derwesten.de/staedte/dortmund/envio/Bezirksregierung-Arnsberg-kooperierte-mit-Envio-Boss-id5040251.html
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