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Gutachten

Behördenversagen führte zu PCB-Skandal bei Envio in Dortmund

15.03.2011 | 10:11 Uhr
Behördenversagen führte zu PCB-Skandal bei Envio in Dortmund

Dortmund.Laut WDR und taz ist Behördenversagen der Grund für die PCB-Vergiftung hunderter Arbeiter und Anwohner rund um den Envio-Giftskandal im Dortmunder Hafen. Ein Gutachten des unabhängigen Prognos-Instituts im Auftrag der NRW-Landesregierung habe dies festgestellt.

Schon im Januar dieses Jahres hatte die WAZ-Mediengruppe berichtet , dass die Behörden laut NRW-Landesregierung im PCB-Skandal auf breiter Linie versagt haben. Auf 43 Seiten hatten Umweltminister Johannes Remmel (Grüne) und Arbeitsminister Guntram Schneider (SPD) einige Umstände aufgelistet, die zur bundesweit größten PCB-Katastrophe führten. Nüchterne Bilanz des Falles Envio: „Die Überwachung durch die Behörden und sonstige Stellen war nach Art und Umfang nicht geeignet, die Verstöße zu verhindern.“

Zukünftig sollen mehr Überwachungspersonal und schärfere Vorschriften ähnliche Katastrophen verhindern. Tatsächlich sind Umwelt- wie Arbeitsschutz im Regierungsbezirk Arnsberg, der zuständigen Aufsichtsbehörde für Envio, kaum noch existent. Das belegte eine interne Bestandsaufnahme von Regierungspräsident Gerd Bollermann (SPD).

Personalabbau führte zu mangelhaften Kontrollen

Nun liegen dem WDR und der taz durch ein Gutachten fast identische Erkenntnisse vor. Fazit: Die staatliche Überwachung der Dortmunder Entsorgungsfirma Envio war über weite Strecken mangelhaft. Zu diesem Ergebnis kommt ein Gutachten des Prognos-Institutes. Ein Grund sei der hohe Personalabbau bei den zuständigen Behörden. Diese Umstände hätten dazu geführt, dass das illegale Handeln der inzwischen stillgelegten Entsorgungsfirma nicht bemerkt worden sei. Das Gutachten hatten NRW-Umwelt- und Arbeitsministerium gemeinsam in Auftrag gegeben. Die unsachgemäße Entsorgung des erbgutschädigenden, potenziell krebserregenden Polychloriererten Biphenylen (PCB) bei Envio hatte im vergangenen Jahr zu einer hohen Belastung des Firmengeländes und der Mitarbeiter geführt.

Die 128-seitige Expertise bemängelt massive „Defizite der Anlagenüberwachung“: So seien „unangekündigte Kontrollen und behördlich veranlasste Probenahmen und Analysen“ nur unzureichend durchgeführt worden. Die PCB-Verseuchung des Dortmunder Hafens sei deshalb „nur zufällig“ durch ein „in der Nähe der Anlage durchgeführtes Messprogramm“ entdeckt worden. Das lasse befürchten, dass noch heute „ähnliche Fälle nicht verhindert“ werden könnten.

DerWesten

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Kommentare
16.03.2011
00:00
Behördenversagen führte zu PCB-Skandal bei Envio in Dortmund
von joergel | #9

Aber, aber, wer wird denn da die neutralen Ausführungen, die die Herren Johannes Remmel (Grüne) und Guntram Schneider (SPD) so publikumswirksam in Szene gesetzt haben, in Frage stellen?
Wer käme denn auf den Gedanken, dass die Regierung ein Gutachten in Auftrag gegeben haben könnte, das genau die vorher festgelegten Ansichten der genannten Herren bestätigt?
Das wäre doch wohl völlig abwegig...

15.03.2011
19:26
Behördenversagen führte zu PCB-Skandal bei Envio in Dortmund
von vaikl | #8

@ #6

Bitte nicht vergessen, dass Envio eine Ausgründung der schon mehrfach wg. Ungereimtheiten ins Gerede gekommenen, großen ABB war, die im Grunde vorher dort das gleiche Geschäft mit fast der gleichen Anlage abwickelte.

Nicht umsonst wurde kurz vorm Börsengang von Envio das Betriebsgelände in 2007 schon einmal heimlich PCB-saniert - Auftraggeber war damals ABB...

15.03.2011
18:25
Behördenversagen führte zu PCB-Skandal bei Envio in Dortmund
von trickflyer | #7

hatten wir denn was anderes erwartet?nein.wäre nur interessant,wer da die hand aufgehalten hat?ist wie beim radfahren...die richtigen stellen schmieren und das ding läuft fast von alleine.

15.03.2011
17:48
Behördenversagen führte zu PCB-Skandal bei Envio in Dortmund
von CaptainWillard | #6

Ein Grund sei der hohe Personalabbau bei den zuständigen Behörden. Diese Umstände hätten dazu geführt, dass das illegale Handeln der inzwischen stillgelegten Entsorgungsfirma nicht bemerkt worden sei.

Nicht bemerkt worden?

Es ist doch wohl eher so, dass man keine Wellen macht, wenn man sieht, dass die Kollegen links und rechts untergehen.

Ich behaupte, das war von der Verwaltung genau so gewollt.

Und die Envio-Tatverdächtigten wussten mutmaßlich darüber Bescheid - sonst hätten sie nicht so dermaßen geaast.

15.03.2011
16:50
Behördenversagen führte zu PCB-Skandal bei Envio in Dortmund
von xxyz | #5

Wer mag noch an die Neutralität von Gutachten nach dieser Überschrift zweifeln.
Auch mit wenig Personal hätten einige Behörden merken können, das dort etwas nicht stimmt. Das Verhalten der Behörden erinnert an nichts sehen, nichts hören und nichts sagen.

15.03.2011
14:42
Behördenversagen führte zu PCB-Skandal bei Envio in Dortmund
von joergel | #4

Da machen es sich einige aber zu einfach.
Nicht der Straftäter der illegal handelt ist Schuld an dem was er angerichtet hat, es ist der Staat weil der bei den Behörden Personal abgebaut hat.
Na, dann wollen wir doch mal hoffen, das Umweltminister Johannes Remmel (Grüne) und Arbeitsminister Guntram Schneider (SPD) jetzt wieder massiv Personal zur Überwachung einstellen.
Aber ups, das kostet ja Geld - und das ist gerade jetzt nicht da, wo doch der Nachtragshaushalt vom Verfassungsgericht gekippt wurde und der Haushalt 2011 komplett neu aufgestellt werden muß, da ebenfalls verfassungswidrig...
Also was nun, Herr Umweltminister und Herr Arbeitsminister?
Wieviel neue Beamtenstellen werden sie denn jetzt als Konsequenz ihres Gutachtens schaffen?

15.03.2011
12:23
Behördenversagen führte zu PCB-Skandal bei Envio in Dortmund
von hajori | #3

Verlass Dich auf Behörden und Du bist verlassen!
Bin mal gespannt, wie es jetzt mit der Übernahme von Verantwortung und Kosten aussieht!?
Gerade bei Behördenleitern und politischen Amtsinhabern wird ja Ihr hohes Gehalt auch immer mit der hohen Verantwortung gerechtfertigt!

15.03.2011
11:50
Behördenversagen führte zu PCB-Skandal bei Envio in Dortmund
von vaikl | #2

PS: Man sollte nicht dem Glauben verfallen, dass der Fall Envio und die aktuelle Diskussion um Kernkraft-Sicherheit in DE *keine* Berührungspunkte hätten...

15.03.2011
11:47
Behördenversagen führte zu PCB-Skandal bei Envio in Dortmund
von vaikl | #1

Die Überwachung durch die Behörden und sonstige Stellen war nach Art und Umfang nicht geeignet, die Verstöße zu verhindern.
...
Ein Grund sei der hohe Personalabbau bei den zuständigen Behörden.

Daraus macht man also Behördenversagen, obwohl Niemand, weder in der Landesregierung noch beim ach so unabhängigen Prognos-Institut aufzeigt, *wie* denn in den letzten 20 Jahren erfolgreiche Kontrollen konkret und nach Vorschrift hätten ablaufen *müssen*.

Die gesetzlichen Vorgaben für effektive Kontrollen sind im ehemaligen Industriekonsens-Musterland NRW schon lange derart schwammig und industriefreundlich ausgehöhlt worden, dass Personalmangel und das naive Sich-Verlassen auf Betreiberangaben nur die logische Konsequenz daraus waren.

Das privatwirtschaftliche Selbstqualifizierungs-System mit seinen eingebauten Anreizen zum lukrativen Plaketten-Verteilen tut sein Übriges dazu.

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