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Behinderten-Toiletten der VRR sind für Rollstuhlfahrer unerreichbar

30.01.2012 | 15:46 Uhr
Behinderten-Toiletten der VRR sind für Rollstuhlfahrer unerreichbar
20 Zentimeter Höhenunterschied zwischen Bahnsteig und Einstieg: Rollstuhlfahrer oder Familien mit Kinderwagen könnten ab 2014 bei den neuen Zügen der S-Bahn-Linien 5 und 8 vor große Probleme gestellt werden.Foto: Mark Keppler/dapd

Dortmund.   Gut gemeint, aber dumm geplant: Der Verkehrsverbund Rhein-Ruhr bietet seinen Kunden ab 2014 in den S-Bahn-Linien 5 und 8 Behinderten-Toiletten an. Doch Rollstuhlfahrer kommen in die S-Bahnen nicht oder nur mit großer Mühe hinein. Der VRR plant den Einstieg 20 Zentimeter unterhalb der Bahnsteigkante.

Rollstuhlfahrer haben schlechte Karten, wenn sie ab 2014 mit einer S-Bahn der Linie 5 (Dortmund-Hagen) oder Linie 8 (Mönchengladbach-Hagen) fahren möchten. Der Verkehrsverbund Rhein-Ruhr (VRR) plant zwar die neuen 28 Fahrzeuge mit Behinderten-Toiletten auszustatten. Dumm nur: Nach jetzigem Stand kommen Rollstuhlfahrer gar nicht oder nur mit großer Hilfe in die Züge hinein. Bahnfahrer müssen dann wohl eine Stufe bergab meistern. Der Höhenunterschied zwischen Bahnsteigkante und S-Bahn-Einstieg liegt bei rund 20 Zentimetern. Für Rollstuhlfahrer ist diese Distanz schwer bis gar nicht überwindbar. Der VRR bedauert die „suboptimale Lösung“, sieht aber keine Alternativen.

Dortmunds Oberbürgermeister Ulrich Sierau (SPD) ist stinksauer und kritisiert in einem Brief an den VRR-Vorstandssprecher Martin Husemann die unfreundliche Lösung gegenüber Rollstuhlfahrern. „Eine Beschaffung nichtbarrierefreier Fahrzeuge im Stadtbahnbereich wäre heute unvorstellbar“, so Sierau. Zudem fühlt sich der Oberbürgermeister hintergangen. Er könne „nicht nachvollziehen“, weshalb die Kommunen erst jetzt über die VRR-Ausschreibung informiert wurden, die Details jedoch bereits im Mai 2011 im Amtsblatt der Europäischen Union veröffentlicht worden seien.

Behinderten-Verband verständnislos

Die Ausschreibung solle zugunsten eines Fahrzeuges mit 100 Zentimetern Bodenhöhe (Abstand Schiene zum Bahnsteig) verändert werden, fordert Sierau. Wenn das nicht möglich sei, müsse eine „abschnittsweise Absenkung (...) der Bahnsteige um 20 Zentimeter“ an etlichen Stationen der Linien S5 und S8 geprüft werden - ohne Mehrkosten für die Kommunen. „Ohne erkennbaren Grund“ verhindere der VRR das Ziel der höhengleichen Bahn-Einstiege bis 2029, bilanziert Sierau.

Hintergrund
3,6 Millionen Kilometer im Jahr

Für die beiden S-Bahn-Linien 5 (Dortmund-Witten-Wetter-Hagen) und 8 (Mönchengladbach - Düsseldorf - Wuppertal - Hagen) sollen bis Dezember 2014 28 neuen dreiteilige Triebfahrzeuge angeschafft werden. Der VRR hat die beiden Projekte parallel ausgeschrieben. Beide Linien legen nach VRR-Angaben jährlich 3,6 Millionen Zugkilometer zurück.

Hans-Hermann Heyland vom Vorstand des Landesverbandes für Menschen mit Körper- und Mehrfachbehinderung in NRW lobt den Ansatz der Behinderten-Toilette, hat aber kein Verständnis für die „Koordinationspanne“ mit der Stufe zum Bahn-Einstieg. „Planen Kommunen so etwas, würde der Gemeinderat einschreiten. Dann gibt’s Krach“, sagt Heyland.

VRR ohne zusätzliches Personal für Rampen

VRR -Pressesprecher Johannes Bachteler nennt die von Bahnhof zu Bahnhof unterschiedlichen Höhen der Bahnsteigkanten als Grund für die „nicht unbeträchtliche“ Distanz von Bahnsteig zum Einstieg. Fahrzeuge sowohl mit einer Bodenhöhe von 100 Zentimetern als auch mit Behinderten-Toiletten seien „nicht auf dem Markt“. Die VRR-Gelder ließen es nicht zu, „allen Anspruchsgruppen“ gerecht zu werden. Man werde die Bedenken der Behindertenverbände und Kommunen nun zur Kenntnis nehmen.

In Witten und Wetter/Ruhr helfen nach Informationen der Westfälischen Rundschau nicht einmal Rampen weiter, um Rollstuhlfahrern den Zugang zu den S-Bahnen zu erleichtern. An den anderen Bahnhöfen der Linie 5 und 8 müssten Rollstuhlfahrer einen Tag vor ihrer geplanten S-Bahn-Fahrt mitteilen, wann sie eine Rampe brauchen. Bahnmitarbeiter, die diese Rampen steuern, sind nicht in der VRR-Ausschreibung vorgesehen.

 

Tobias Fülbeck

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Kommentare
29.04.2012
15:20
Blockierter Kommentar.
von nothdurft | #20

Dieser Kommentar wurde von einem Moderator blockiert.

03.02.2012
21:33
Behinderten-Toiletten der VRR sind für Rollstuhlfahrer unerreichbar
von Duesseldorfer_Steuerzahler | #19

Das Grundproblem lieg da drin. das man auf das Vorsintflutliche, Gewerkschaftsverseuchte und Hartz 4 Säufer Transportierende Verkehrsmittel "Eisenbahn" setzt. Würde man ein Modern, Privatwartwirschaftlich Organisierten Busverkehr mit Selbstveantworlich fahrenden Fahren zulassen, hätte man die Problem nicht und es währe wesentlich preisgünstiger.

mfg

Ralf

31.01.2012
14:41
Behinderten-Toiletten der VRR sind für Rollstuhlfahrer unerreichbar
von Belenes | #18

Und bevor wir uns hier alle prügeln oder anderweitig an die Kehle springen....

Der VRR ist der Besteller der Leistungen, der Richtungen und der Fahrzeuge. Der VRR sagt, wir möchte eine Strecke von Solingen nach Dortmund und wir möchten Fahrzeuge haben die folgendes können...
Im Vorfeld werden Fahrgäste befragt nach Ziel, Fahrzeit, Zufriedenheit und Dauer der Gesamtfahrtroute. Daraufhin werden die Daten dem VRR übergeben und eine Anfrage an die Anbieter erfolgt. Es erfolgen Angebote und der VRR entscheidet über den günstigsten Anbieter. Wer günstiger ist, der gewinnt halt. Ob er besser ist, ist eine andere Frage.
Die Angebote laufen ein. Der VRR bestellt entsprechenden seinen Wünschen und in Mitsprache mit dem Gewinneranbieter die Fahrzeuge zu den passenden Konditionen. Die stimmen auch. Dann ändert sich das Eine oder Andere und es wird neu angefragt. Die Fahrzeuge sind aber da und laufen, sind trotzdem nicht mehr gut genug, weil sich Wünsche plötzlich ändern. Meist, weil in der Chefetage sich das Personal beim VRR gedreht hat. Da sind die 422er ohne Toilette, obwohl vom VRR genauso bestellt, nicht mehr gut genug usw.
Das Geschrei wird groß, es wird neu ausgeschrieben.
Die Bahn unterbreitet dem VRR, dass die 422er nach und nach im Herstellerwerk mit entsprechenden Toiletten ausgerüstet werden. Der VRR will das nicht und bestellt eigene Fahrzeuge für eine MEHRsumme von Millionen und die passen nicht mal an die S-Bahn-Bahnsteige.
Wo bitte hat da die DB AG was getan?

31.01.2012
14:26
Behinderten-Toiletten der VRR sind für Rollstuhlfahrer unerreichbar
von Belenes | #17

Wurzelpacker, Du gefällst mir. *g*

Maul auf, brüllen und nix verstehen.

DER VRR schreibt aus, weil Bund und Länder eine Ausschreibungsrate vorschreiben! Da fragt keiner ob gefällt oder nicht! Die Bahnsteige wurde unter Abssprache von Städten und VRR angepasst und die Bahn hat natürlich mitgebaut, logisch, denn da waren es ihre Strecken. Dann kamen die Ausschreibungszwänge! Es wurden Private und Fahrzeuge auf Teufel komm raus angeschafft und die passen nicht. Das ist nicht Sache der Bahn AG, das ist Sache des Verkehrsverbundes und in erster Linie von Bund und Ländern.
Und Bahn ist nicht gleich Bahn AG... Es gibt auch eine Eurobahn, eine Prignitzer Eisenbahn, NorWestBahn, Abellio.... ist alles Bahn... neeee oder?

31.01.2012
13:47
Behinderten-Toiletten der VRR sind für Rollstuhlfahrer unerreichbar
von Belenes | #16

@ #13

Auf welcher Seite soll denn angepasst werden? Bestimmt nicht auf der Seite nach Witten, denn da passt es.

1 Antwort
Behinderten-Toiletten der VRR sind für Rollstuhlfahrer unerreichbar
von emschertalbahn | #16-1

@#16

Im Moment passen im Wetter beide Bahnsteigkanten zu den aktuell dort eingesetzten S-Bahn-Fahrzeugen, aber nicht zu den Fahrzeugen von RB40 und RE16. Wenn ab 2014 auf der S5 Fahrzeuge mit niedrigerem Einstieg und der Bahnsteig um 20 cm abgesenkt (oder das Gleisbett um 20 cm erhöht wird), dann passen nicht nur die dann verkehrenden neuen S-Bahn-Fahrzeuge, sondern auch die jetzt auf RB 40 und RE16 eingesetzten Fahrzeuge zu der veränderten Bahnsteighöhe.
Die jetzigen Fahrzeuge sollen dann auf der S6 zum Einsatz kommen, um dort die jetzt noch verkerenden Loks mit Wagen zu ersetzten. Um diese zu ersetzen, bräuchte man so oder so neue Fahrzeuge, egal ob diese dann auf der S6 oder S5/8 verkehren.

31.01.2012
13:43
Behinderten-Toiletten der VRR sind für Rollstuhlfahrer unerreichbar
von Belenes | #15

Liebe Leser und liebes DerWestenTeam...

es ist immer wieder herzerfrischend das für jeden Blödsinn auf Schienen die DB AG herhalten muss.
Der VRR ist Besteller und wenn dieser jener pfeift und Fahrzeuge auf Deppenbasis bestellt, dann macht er es. Das hat mit der DB AG so viel zu tun, wie ein Reissack der in China umfällt, weil in gleichen Moment ein Bus bei Halbrot in Deutschland über eine Ampel fährt.
Die Bahn AG hatte dem VRR übrigens ein Angebot gemacht. Die laufen 422er sollten mit Toiletten ausgerüstet werden, nachträglich und auf Kosten der DB. Behindertengerecht und mit allem drum und dran. Aber, wenn der VRR sein eigenes Ding drehen will. Das hat weder mit der Bahn AG noch mit den Privaten was zu tun. Das ist nur Geldgeilheit.
Achja! Ich vergaß.... die Kosten werden ab Januar des nächsten Jahres mit 4,9 Prozent Erhöhung vom Fahrgast wieder reingeholt.

31.01.2012
00:55
Behinderten-Toiletten der VRR sind für Rollstuhlfahrer unerreichbar
von nothdurft | #14

Warum baut man keine Rollstühle mit eingebauter Toilette.
Die einfachste Lösung ist allerdings, alle Toiletten aus den Zügen zu entfernen, dann haben die Rollstuhlfahrer auch ein Problem weniger.

1 Antwort
Behinderten-Toiletten der VRR sind für Rollstuhlfahrer unerreichbar
von paparazzo59 | #14-1

Nothdurft - der Name ist Programm! Wie kann man nur so einen Mist schreiben? Vielleicht sollte Herr oder Frau Nothdurft mit nem Eimer unterm Hintern rumklaufen, dann braucht er / sie auch keine Toilette in der Bahn. Wer so einem Schwachsinn schreibt, der hat vermutlich in der Öffentlichkeit nicht genug Mut seinen Mund aufzumachen. Wie wärs mal wenn Sie selber im Rollstuhl fahren müssten?

30.01.2012
20:37
Behinderten-Toiletten der VRR sind für Rollstuhlfahrer unerreichbar
von emschertalbahn | #13

Die Entscheidung ist nicht fürchterlich, sondern mit eine mit Weitblick. Nur mit der niedriegeren Fahrzeughöhe (80 cm) ist es überhaupt möglich, an allen Stationen in einigen Jahren einen barrierefreien Einstieg anzubieten. Denn es ist umgekehrt nicht möglich, alle Bahnsteige an die jetzige Fahrzeughöhe anzupassen (Bahnsteighöhe 96 cm), da dann nicht mehr alle Güterzüge den Bahnsteig passieren dürfen.
Bereits heute gibt es auf der S5/8 zwischen Dortmund und Mönchengladbach an 24 Stationen den niedrigeren Bahnsteig, der künftig passt. Den höheren Bahnsteig dagegen nur an 21 Stationen. Und in Wetter würde nach einer Reduzierung der Bahnsteighöhe um 20 cm dann nicht nur der Einstieg in die S5 passen, sondern auch in die Linien RB40 und RE16 (Richtung Hagen/Siegen und Bochum/Essen).

2 Antworten
Behinderten-Toiletten der VRR sind für Rollstuhlfahrer unerreichbar
von paparazzo59 | #13-1

Es wäre schön, wenn ein Standard herzustellen wäre, das geht aber nicht. Gerade in den städtischen Zentren wurden die Bahnsteige auf 96 cm angehoben und werden das noch. In der nächsten Zeit werden Millionenbeträge eingesetzt, um u.a. auf der S6 die Bahnsteige auf 96 cm anzuheben. In den städtischen S-Bahnbetrieb ist der Standard 96 cm, was bei den eingesetzten Fahrzeugen (DB BR423, 422) mit 100 cm Einstiegshögehe ja auch sinnvoll ist. Wenn die S8 künftig Fahrzeuge mit 80 cm Einstiegshöhe hat, müssen gerade in den extrem stark belasteten Umstiegspunkten in Düsseldorf (HBF, Bilk) Rampen für Rollstuhlfahrer eingesetzt werden, damit sie den Niveauunterschied von 20 cm überwinden können. Das bedeutet, dafür muss der Triebfahrzeugführer rauskommen und die Rampe anlegen und beim ein- u. aussteigen helfen. Man stelle sich das vor in der rush-hour am Düsseldorfer HBF. Das führt zu Verspätungen und Streit zwischen behinderten u. nicht-behinderten Fahrgästen. Das trifft übrigens auch auf Rollatoren-Nutzer und anderweitig mobilitätsbehinderte zu, die vom hohen Bahnsteig in die niedrige Bahn umsteigen müssen, während Handgriffe zum Festhalten in der Bahn sind.
Von Standards abzuweichen in die eine oder andere Richtung ist immer schwer. Aber hier wurden leider wieder einmal die Bedürfnisse alter und behinderter Menschen nicht bzw. nicht rechtzeitig beachtet. Der VRR hat die entsprechenden Verbaände der Betroffenen erst beteiligt, als die Ausschreibung schon längst erledigt war, der Zuschlag kurz vor dem Abschluss. Das ganze Verfahren ist überhaupt sehr bedenklich gewesen. Was da hinter den Türen von VRR, DB und Abellio gelaufen ist, dürfte den Steuerzahler sicher interessieren. Kungelei auf der ganzen Linie. Betroffen sein werden alle Fahrgäste. Leider ist alles nicht ganz so einfach, wie es immer aussieht. Übrigens ist das Argument des VRR, es gäbe keine Fahrzeuge mit Einstiegshöhe 80 cm und Toiletten ziemlich albern, wenn es so ausgeschrieben worden wäre, hätte sich das auch ergeben. Aber der VRR hat bei der Ausschreibung sicher an bestimmte Anbieter gedacht, die diese Fahrzeuge schon einsetzen.

Behinderten-Toiletten der VRR sind für Rollstuhlfahrer unerreichbar
von emschertalbahn | #13-2

@paparazzo59

Das Problem besteht sicherlich zunächst ab 2014 in Düsseldorf. Aber umgekehrt kann man dann auf gleicher Höhe in Mönchengladbach, Korschenbroich, Neuss Hbf, Wuppertal, Gevelsberg und im Dortmunder Süden in die S-Bahn steigen. Dort ist vielfach eine Aufhöhung der Bahnsteige auf 96 cm wegen der übrigen dort verkehrenden Züge nicht möglich. Mittelfristig ist ein barrierefreier Einsteig an allen Stationen nur möglich, wenn man alle Linien auf 76 cm optimiert. Und irgendwann muss man halt irgendwo mit der Umstellung anfangen. Mit einem Festhalten an 96 cm würde das Netz an barrierefreien Stationen immer ein Flickenteppich bleiben.

30.01.2012
20:27
Behinderten-Toiletten der VRR sind für Rollstuhlfahrer unerreichbar
von physio31 | #12

hauptsache wir reden in deutschland über inklusion. wie lächerlich das alles ist. die bahn nimmt geld für leistungen, die sie zu keiner situation auch nur im mindesten bewältigt. wie soll man da auch noch rollstuhlfahrer unterbringen, wenn das laub schon stört? es ist beschämend, sich hier als "gehandicapter" mensch zu bewegen, nirgendwo in deutschland stimmen die bedingungen dafür . aber macht ja nix. den "guten " in deutschland gehts ja gut. vielleicht mal den blick nack NL oder skandinavien richten

30.01.2012
20:06
Behinderten-Toiletten der VRR sind für Rollstuhlfahrer unerreichbar
von IIDottore | #11

Ist doch jetzt schon nicht besser !
Wie vielen Müttern mit Kinderwagen und Rollstuhlfahrern ich schon in den Zug rein und wieder raus geholfen habe, kann ich schon gar nicht mehr zählen.

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