Beamte aus Afrika fühlen Asylbewerbern in Dortmund auf den Zahn

Auf diesem Flur warten Asylbewerber aus Sierra Leone, um ihre Herkunft in Gesprächen mit einer Delegation ihres Heimatlandes zu klären.
Auf diesem Flur warten Asylbewerber aus Sierra Leone, um ihre Herkunft in Gesprächen mit einer Delegation ihres Heimatlandes zu klären.
Was wir bereits wissen
Eine vierköpfige Delegation aus Sierra Leone ist derzeit in Dortmund zu Gast. Sie soll den deutschen Behörden helfen, Asylbewerber aus ihrem Land zu identifizieren. Zwei der bereits Befragten erhielten das Bleiberecht, anderen droht die Abschiebung. Kritiker beobachten das Verfahren mit Skepsis.

Dortmund.. Hohe Wellen schlägt in diesen Tagen ein Identifizierungsverfahren zur Bestimmung der Herkunft von Asylbewerbern, die möglicherweise aus Sierra Leone kommen. Im schlimmsten Fall droht die Abschiebung in eines der ärmsten Länder der Erde.

Eine vierköpfige Delegation aus dem Land war in dieser Woche angereist, um mögliche Landsleute zu identifizieren. „Nicht anhand von Gesicht und Sprache“, wie Rechtsdezernent Wilhelm Steitz versichert. Die Stadt stellt die Räume. Das Verfahren selbst wird von der Bundespolizei durchgeführt.

Steitz weiß: „Die Asylbewerber verschleiern oft ihre Nationalität, um nicht ausgewiesen zu werden.“ Es sei verständlich, dass die Menschen mit allen Tricks versuchten, hier zu bleiben. Das Interesse der Ausländerbehörde sei es aber, zu prüfen, ob der Aufenthalt rechtmäßig erfolgt. Steitz: „Es ist ganz legitim herauszufinden, welche Identität die Asylbewerber haben.“

Gegenüberstellung sorgte für Wirbel

Entsprechend sind 90 Flüchtlinge aus ganz Deutschland nach Dortmund eingeladen worden, um möglicherweise verlorene Ausweispapiere zu ersetzen. Für Wirbel hat eine Gegenüberstellung von Flüchtlingen vor sechs Jahren gesorgt. Damals soll die Delegation mit zweifelhafter Mission unterwegs gewesen sein. Dennoch gibt Steitz zu bedenken: „Es gab keinen einzigen, der anschließend behauptete, fälschlicherweise als Staatsbürger aus Guinea erkannt worden zu sein.“

Diesmal sind vier Vertreter aus der Einwanderungs- und Passbehörde von Sierra Leone angereist. Außerdem ist ein Botschaftsangehöriger dabei. Gefragt wird nach der Vita der Flüchtlinge. Anhand von Stationen aus der Jugend der Betreffenden sollen Hinweise auf die Herkunft erfolgen.

Am Dienstag sind 31 Personen nach Dortmund geladen worden, 18 kamen. Die Hälfte von diesen, also neun, wurden als Bürger von Sierra Leone identifiziert. Zwei von diesen brächten die Ersatzpässe sogar Glück. Sie könnten nun ein Bleiberecht erhalten. Darunter auch ein taubstummer junger Mann, der in den Wirren des Bürgerkriegs Ende der 90er Jahre nach Deutschland kam. Die sogenannte Stichtagsregelung bedeutet für ihn nun Sicherheit und ein Bleiberecht.

Bundespolizei dementiert "Erfolgsprämie"

Die Befragung der Flüchtlinge sei in einer ruhigen und kooperativen Atmosphäre verlaufen, versichern Augenzeugen. Das sei natürlich nicht immer so. Es gebe auch völlig unkooperative Zeitgenossen.

Von der Bundespolizei wird dementiert, dass es eine Art Erfolgsprämie in Höhe von 2500 Euro gebe für jedes erfolgreich beschaffte Ersatzausweispapier. Im Fall Sierra Leones betrage die Gebühr für ein Heimreisedokument lediglich elf Euro. Ein Insider verrät, dass die Delegationen mitnichten ein Interesse hätten, ihre Landsleute zurückzunehmen. Zum einen überwiesen sie gewisse Geldbeträge in die Heimat, zum anderen gebe es auch straffällig gewordene Flüchtlinge, die keiner haben wolle.