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Bayerns Glanz und Dortmunds Gloria

03.12.2012 | 11:45 Uhr
Die Mannschaften beim Einlaufen in die Münchener Allianz Arena.Foto: Joerg Koch

Dortmund.   Der FC Bayern hat schon wieder nicht gegen Borusia Dortmund gewonnen. Anders als die Bayern, können sich die Borussen als Gruppensieger in ihrem letzten Champions-League-Spiel erholen und dann aufs Wesentliche konzentrieren: Bundesliga und DFB-Pokal.

Bayern München gegen Borussia Dortmund. Ein Knaller, der die Republik an Tresen und Stammtischen landauf, landab leidenschaftlich emotional bewegte, ja sogar stellenweise zerriss. 150.000 Kartennachfragen, über 200 TV-Ausstrahlungen weltweit und ein schier unendliches Rauschen im nationalen wie internationalen Blätterwald hatten einen bei uns recht seltenen Rahmen geschaffen. Superlativen soweit man schauen konnte und doch blieb am Ende unter dem Strich die schmale Erkenntnis, dass es mal wieder nicht reichte für den Branchenprimus. Ein Umstand, der tatsächlich nur damit erklärbar schien, dass es am Samstagabend einzig und allein um Ehre und Selbstverständnis des Klubs von der Isar als „Leuchtturm“ im Land ging.

Wir wollen wieder die deutsche Nummer eins werden! Das hatten die Bayern vor dem Anpfiff schließlich mit felsenfester Überzeugung heraus posaunt. Ok, gemessen an Titeln, Prestige und Geld sind sie es natürlich immer noch, aber „sportlich“ – und das wurmt – liegt die Borussia aus Dortmund seit zwei Jahren längst schon nicht mehr hinter dem Rekordmeister und bewundert angetan wie neidisch dessen Werke.

Starkes Kollektiv ohne Superstars

Es ist nicht einmal so sehr die Art und Weise, wie es dieser westfälische Emporkömmling durch umsichtige, kalkulierte und perspektivisch-kluge Einkaufspolitik geschafft hat, ein starkes Kollektiv ohne Superstars zu zimmern, sondern es ist der blanke Neid über die dabei erzeugte Sympathie und deren einnehmende PR-Wirkung. Die Medien sprechen nämlich längst nicht mehr ehrfurchtsvoll von Robben, Ribery & Co, sondern immer öfter von der neuen Generation „terrible twins“ – Götze und Reus, die allwöchentlich die Kolumnisten (mich eingeschlossen) in ihren Bann zu ziehen vermögen.

BVB punktet bei Bayern

Selbst Bayern Ikone Uli Hoeneß konnte seine innere Angefressenheit vor niemandem verbergen. Es brodelte spürbar im Bayern-Oberhaupt nach 90 ernüchternden Minuten. Er, der fast in der Mixedzone explodiert wäre, als er so despektierlich auf den „Münchner BVB-Komplex“ angesprochen wurde, ließ seinem Unmut kurzzeitig freien Lauf: „Ich kann mit so einem Käse wie Trauma-Bewältigung nichts anfangen. Das muss man beim Psychiater machen“ – sprach's und zog weiter düsteren Blickes von dannen. Dabei können der Bayern-Präsident und die Seinen nach diesem Remis im Spitzenspiel – im Gegensatz zum Noch-Meister BVB – weiterhin mit Hochgenuss dem Blick auf die Bundesliga-Tabelle frönen.

Das Münchner Ego schmerzt

Wäre da nicht das Münchner Ego, das so arg schmerzt, denn das wurde wieder nicht mit dem so sehnlichst herbei gesehnten Sieg über den Rivalen befriedigt. Besonders schien das Vizekapitän Roman Weidenfeller zu gefallen, der dies in seiner Funktion als Spielverderber der Schlussviertelstunde weidlich auskostete: „Bayern München hat es wieder nicht geschafft, uns zu schlagen“, diktierte der Westerwälder mit schelmischem Grinsen der wartenden Journaille und gab das wider, was der Rest in der Kabine dachte. Ja, sie haben es nicht geschafft – allem Aufwand zum Trotz. Es sei ein Spiel auf Augenhöhe gewesen, fügte Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge dem Reigen der Statements zähneknirschend hinzu. Stimmt. Doch genau das hatte es aus Sicht des Gastgebers ja nicht werden sollen! Und so werden sie weiterhin mit dem „Stigma BVB“ rumlaufen und ihre Sicht der Dinge verkünden (Hoeneß: „Wir werden sie in den nächsten Jahren wieder zur Weißglut bringen“). Der Stachel indes bleibt bis auf weiteres tief stecken.

Dem BVB wird’s (mal wieder) egal sein. Der personell angespannten Situation und dem Kräfte zehrenden Verschleiß haben sie jedenfalls bedeutend weniger entgegen zu setzen, als ihr bajuwarisches Pendant. Und dennoch müssen sie noch einmal „alles raus hauen“ – um in der Sprache ihres Trainers zu bleiben. Morgen schon kommt mit Manchester City der englische Meister zum Gastspiel in der Königsklasse. Auch wenn die „Citizens“ am Wochenende gegen den FC Everton beim 1:1 erneut nicht zu überzeugen wussten, wird es keine leichte Aufgabe gegen Mario Balotelli, Edin Džeko & Co, die noch auf den Europa League-Zug aufspringen wollen. Doch Hans-Joachim Watzke hatte ja bereits in München verraten, dass der BVB da personell kein unnötiges Risiko eingehen werde. Dies zumal, da die Schwarzgelben ja mit den Ligaspielen gegen Wolfsburg und in Hoffenheim, bzw. mit dem Pokal-Jahreskehraus gegen Hannover 96 noch drei richtig wichtige Pflichtspiele vor der Brust hat. Also volle Konzentration auf das Wesentliche.

(03.12.12 – Holger W. Sitter – die-kirsche.com)

Holger W. Sitter

Kommentare
04.12.2012
04:44
Bayerns Glanz und Dortmunds Gloria
von Scotty25 | #6

Insgesamt war das ein friedlicher Gipfel zweier sehr starker deutscher Mannschaften, darauf soll man stolz sein. Umgehend müssen beide wieder in der...
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2012-12-03 11:45
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